Die Frau im Mond von Milena Agus

Denis Scheck bewertet: Mitunter haarscharf am Kitsch vorbei, aber intelligent, sinnlich und originell schildert Milena Agus das Leben einer ungewöhnlichen Frau. Weil Agus dabei weder die Augen vor den Wahrheiten im Bett noch vor den Wahrheiten im Kopf verschließt, deshalb ist ihr mit „Die Frau im Mond“ ein kleiner großer Roman gelungen. Eine Entdeckung!

Milena AgusMilena Agus
Milena Agus wurde als Kind sardischer Eltern in Genua geboren und lebt heute
in Cagliari, wo sie an einer Schule Italienisch und Geschichte unterrichtet. „Die Frau im Mond“ ist ihr zweiter Roman, der in Italien und Frankreich zum gefeierten Bestseller wurde.

Die Frau im MondKurzbeschreibung
Sie ist von nur einer Sehnsucht erfüllt: die große Liebe zu erfahren. Wie schwer das ist, ahnt die Bauerntochter, als sie ihre Verehrer mit glühenden Liebesgedichten vertreibt … Milena Agus erzählt von einer außergewöhnlichen Frau auf Sardinien, die sich mit Leib und Seele ihrem Traum verschreibt. Mit dreißig Jahren gilt eine unverheiratete Frau auf Sardinien längst nicht mehr als gute Partie. Die schöne Bauerntochter versteht nicht, warum ihre zahlreichen Bewerber immer so plötzlich Reißaus nehmen. Ihre Familie hält die gefühlvolle junge Frau für verrückt, eine Schande für das Haus. Im Jahr 1943 naht die Rettung in Gestalt eines besitzlosen Witwers aus Cagliari, der sich zu einer Vernunftheirat bereit erklärt. Die Eheleute schwören jedoch, sich im Bett niemals anzurühren. So muss die sehnsüchtige Frau noch einige Jahre auf die große Liebe warten – bis zu einer Thermalkur auf dem italienischen Festland … Großmutters Geschichte ist eine äußerst berührende Liebeserklärung an das große Gefühl, an die Fantasie und an Sardinien.

Deutsch von Monika Köpfer, Hoffmann und Campe, 137 Seiten, 14,95 Euro

Denis Scheck befördert der Hälfte der Top Ten der Spiegel Bestenliste in den Mülleimer

Bestseller vom 2. Dezember 2007, kommentiert von Denis Scheck:
TOP TEN HARDCOVER BELLETRISTIK

Müll1. J.K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Carsen)

Lesen2. Julia Frank: Die Mittagsfrau (S. Fischer)

Lesen3. Cornelia Funke: Tintentod (Dressler Verlag)

Lesen4. Milena Agus: Die Frau im Mond (Hoffmann und Campe)

Lesen5. Andrea Maria Schenkel: Tannöd (Edition Nautilus)

Müll6. Donald McCaig: Rhett (Hoffmann und Campe)

Lesen7. Cornelia Funke: Tintenherz (Dressler Verlag)

Müll8. Tommy Jaud: Millionär (Scherz)

Müll9. Khaled Hosseini: Tausend strahlende Sonnen (Bloomsbury Verlag)

Müll10. Henning Mankell: Die italienischen Schuhe (Zsolnay)

Dass Denis Scheck den siebten und letzten Band von Harry Potter auch in den Mülleimer geworfen hat, nehme ich ihm als „Potter-Fan“ persönlich sehr übel. Immerhin gefielen ihm Die Mittagsfrau und Tannöd, und ich bin auf jeden Fall neugierig auf Milena Agus und Die Frau im Mond.

Das Video zur Sendung Druckfrisch mit Denis Scheck und seine Ausführungen sind hier zu sehen.

Lesen! im ZDF mit Elke Heidenreich und Ulrike Kriener am 25.01.08 um 22.30 Uhr

Am 25. Januar 2008 um 22.30 Uhr wird die „Vielleserin“ Elke Heidenreich wieder zum Lesen animieren und mehrere Bücher vorstellen. Als Gast begrüßt sie
diesmal die Schauspielerin Ulrike Kriener.
Nachfolgend die Bücherliste mit den zur Zeit feststehenden Buchtiteln. Alle weiteren Bücher, die in der Sendung genannt werden, stehen aktuell noch
nicht fest.

Alice Munro
Himmel und Hölle
Neun Erzählungen

Aus dem Englischen von Heidi Zerning
S. Fischer Verlag, 2006
Broschierte Ausgabe, 384 Seiten
ISBN 3-596-15707-2
9,95 Euro

Tom Rob Smith
Kind 44

Aus dem Englischen von Armin Gontermann
DuMont Verlag, 2008
Gebundene Ausgabe, 512 Seiten
ISBN 978-3-8321-8056-0
19,90 Euro

Nicole Nottelmann
Die Karrieren der Vicki Baum

Kiepenheuer & Witsch, 2007
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten
ISBN 978-3-462-03766-1
22,90 Euro Weiterlesen

Gruß aus München vom 19. Januar 1899


MuenchnerKindl1899

So lang der alte Peter, der Petersthurm noch steht,
So lang die grüne Isar durch d´Münchner Stadt noch geht,
So lang da drunt am Platzl noch steht das Hofbräuhaus,
So lang stirbt die Gemütlichkeit bei den Münchnern nicht aus.

Neujahrsgruß1899

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Vielleicht kann jemand den Text entschlüsseln, mir will es nicht gelingen.

Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones

Der Bau von Santa Maria del Mar in Barcelona ist der Hintergrund für den Roman Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones. Dieses Ende 2006 unter dem Original-Titel La Catedral del Mar erschienene Buch entwickelte sich in Spanien zum Bestseller und erschien im Dezember 2007 im Scherz Verlag auch auf Deutsch, es umfasst 656 Seiten.

Momentan ist Die Kathedrale des Meeres auch in sämtlichen deutschen Belletristik Bestenlisten vertreten, in den meisten sogar auf Platz eins. Was hat es mit diesem Verkaufswunder auf sich? Vielleicht liegt es daran, dass der Roman oftmals mit Ken Folletts „Säulen der Erde“ verglichen wird, auf der anderen Seite sind historische Romane im Moment scheinbar sehr gefragt.

FalconesDer spanische Autor Ildefonso Falcones arbeitete jeden Morgen eine Stunde lang an diesem Buch, anschließend ging der 47-Jährige seiner geregelten Arbeit als Anwalt nach. Fünf Jahre brauchte er für das Manuskript, dann legte er es einem literarischen Workshop vor, um Verbesserungsvorschläge bei der Überarbeitung zu berücksichtigen. Ein Verleger nach dem anderen lehnte das Konvolut ab, bis Falcones auf eine Agentin traf, die an ihn glaubte und den angesehenen Verlag Grijalbo Mondadori zur Publikation bewegte. Vier Monate später hatte sich das Buch eine halbe Million Mal verkauft, Falcones wurde zum Starautor.

„Ich habe mir Bücher über die Epoche besorgt und mich mit allen Aspekten beschäftigt, die für das Verständnis des Lebens der Menschen in jener Zeit wichtig waren: ihr Essen, ihre Kleidung, das Geschäftsleben, die Kriege, die Sklavenhaltung, das Judenviertel und die Inquisition. Ich habe versucht, sowohl den historischen Hintergrund als auch das Leben der Menschen in jener Epoche wahrheitsgetreu wiederzugeben. Dabei habe ich mich an den Chroniken Pedros III. orientiert, in dessen Regierungszeit ein Großteil der Handlung fällt. Alle historischen Ereignisse, von denen der Roman erzählt, entsprechen der Realität. Manche Dinge, die den Figuren des Romans widerfahren, haben sich tatsächlich mehr oder weniger so ereignet,“ berichtete der Autor in einem Interview mit dem S. Fischer Verlag.

Santa Maria della MarDie Santa Maria del Mar steht im Distrikt La Ribera und wurde zwischen 1329 und 1383 erbaut, also zur Blütezeit von Kataloniens Vorherrschaft im Handel und zur See. Sie ist ein herausragendes Beispiel katalanischer Gotik, mit einer Reinheit und Einheitlichkeit des Stils, die für große mittelalterliche Gebäude sonst unüblich ist. Die Errichtung des heutigen Gebäudes wurde durch den Kanonikus Bernat Llull gefördert, der 1324 zum Erzdekan von Santa Maria ernannt wurde. Der Bau begann am 25. März 1329 mit der Grundsteinlegung durch König Alfons IV. wie durch eine Tafel auf Lateinisch und Katalanisch bezeugt wird, die an der Fassade zur Fossar de les Moreres angebracht wurde. Gilden Die verantwortlichen Architekten waren Berenger de Montagut, der das Gebäude entwarf, und Ramon Despuig. Während der Bauzeit waren alle Gilden des Ribera-Distrikts beteiligt. Die Wände, die Seitenkapellen und die Fassaden wurden im Jahre 1350 vollendet. 1379 zerstörte ein Feuer bedeutende Teile des Bauwerks. Schließlich wurde am 3. November 1383 der letzte Stein gesetzt und am 15. August die erste Messe gelesen.

Die Kathedrale des MeeresKurzbeschreibung
Das mittelalterliche Barcelona steht in höchster Blüte. Dort erlebt der junge Arnau den Bau von Santa María del Mar, einer riesigen Kathedrale, wie sie das Land noch nicht gesehen hat. Im Schatten des mächtigen Bauwerks erfährt er am eigenen Leib, welch schweres Los die Arbeit dort ist. Mit den anderen Steinträgern schleppt der Vierzehnjährige die riesigen Felsblöcke vom Montjuïc bis hinunter an den Hafen. Doch während sich die Kathedrale des Meeres in den Himmel reckt, wirft sie auch dunkle Schatten auf das Leben der Menschen: Das Volk leidet unter der Willkür des Adels, die Pest lauert vor den Toren. Und Arnaus Aufstieg zu einem der angesehensten Bürger der Stadt droht ihm zum Verhängnis zu werden: Er wird Opfer einer Intrige, und sein Leben gerät in höchste Gefahr.

Rezension
Irgendetwas stimmt nicht mit dem Buch, vielleicht liegt es zum Teil an der Übersetzung, aber ein Vergleich mit Ken Folletts „Säulen der Erde“ ist eindeutig übertrieben.

Falcones hat meiner Meinung nach mehr Wert auf die korrekte Darstellung historischer Ereignisse gelegt als darauf, seine Protagonisten überzeugend zu gestalten. Seine Charaktere sind häufig Klischee beladen und nicht sehr überzeugend ausgearbeitet. Die Sprache ist schlicht und unpoetisch, zuweilen holprig.

Dennoch merkt man dem Roman „Die Kathedrale des Meeres“ an, dass dieser mit viel Herzblut und einer großen Leidenschaft für Barcelona, seine Geschichte und seine Einwohner geschrieben wurde. So wird auch Barcelona und sein Volk zum heimlichen Helden der Geschichte. Ildefonso Falcones macht detailliert und ausführlich katalanische Geschichte lebendig und erläutert dem Leser auf angenehme Weise interessante Details katalanischer Rechtssprechung des Mittelalters.