Neue Bestellrekorde im Internet vor Weihnachten

Die Akzeptanz von Bestellungen per Internet erreichte neue Ausmaße. Nicht nur der weltweit wohl bekannteste Online-Händler Amazon hat in den letzten Wochen von 2007 sämtliche Bestellrekorde gebrochen. Auch auf den Boom digitaler Speichermedien wirkt sich das aus. Lt. Amazon wurde bei dem Versandhaus allein in den zwei Monaten vor Weihnachten von jedem hundertsten  Deutschen ein MP3-Player bestellt. Großbritannien ist da schon weiter. Bereits 90 Prozent aller Musiktitel wurden nur noch online und nicht mehr auf CD erstanden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 

Tom Wolfe wechselt zu Little, Brown

Tom WolfeSein jüngster Roman „Ich bin Charlotte Simmons“ floppte, deshalb wechselt nun der 76jährige Tom Wolfe zu Little, Brown. Dort wird voraussichtlich 2009 sein nächster Roman „Back to Blood“, der in Miami spielt, erscheinen.

Seit 1965 war der Urvater des „New Journalism“, Tom Wolfe, Autor für den Verlag Farrar, Strauss & Giroux. Dort veröffentlichte er Textsammlungen wie „Radical Chic“ und „The Electric Kool-Aid Acid Test“, sowie seine Romane „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und „Ein ganzer Kerl“.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Friedrich Ani ist Tabor Süden

Friedrich AniFriedrich Ani hat sich zu seinem Helden bekannt!

„Ja, ich gebe es endlich zu: Jedesmal, wenn ich über ihn schreibe, bin ich Tabor Süden. Doch vor einigen Monaten, bei der Arbeit an dieser unerwarteten Geschichte, war Tabor Süden ich. Ich war es, der im Restaurant „Adria“ saß und darüber sinnierte, wie es war, als ich in den Siebzigern mein erstes Zimmer in der Nähe bezog, in der Münchner Ainmillerstraße. Das Adria war mein Tages- und Nachtasyl, hier tauchten all jene auf, die ich gerne in meinen Büchern gesehen hätte,“ berichtet Friedrich Ani in seinem Artikel Wo alles anfing – Das „Adria“ ist zu: eine Erinnerung von Friedrich Ani.

AdriaDas Schwabinger Lokal „Adria“ hat am vergangenen Sonntag nach 35 Jahren geschlossen. Heute ist in der Süddeutschen Zeitung ein wehmütiger Artikel von Friedrich Ani über seine Zeit in der Münchner Nacht-Schwärmer-Szene zu lesen. Eine Zeit in der er noch im Münchner Stadtteil Schwabing zu Hause war und im „Adria“ nicht die Aufgehübschten und Gestriegelten, sondern die Meerlosen, die von ihren eigenen nicht sehr hohen Wänden Bedrohten, die Wegelagerer einer Stadt, die von der Gegenwart Versehrten saßen.

„Alles, was ich weiß von den Menschen in München oder mir einbilde, von ihnen zu wissen, habe ich im Adria gelernt, nirgendwo sonst. Im Adria lernte ich, wie schwer das Schauen ist, wenn man kein Zuschauer sein, sondern das Schauen selbst werden will, um eines Tages, vielleicht, Wörter daraus zu formen, die von Menschen handeln, die es wirklich gibt und über die zu schreiben ein Schriftstellerleben lohnt.“

Inzwischen wohnt Friedrich Ani in München am Nockherberg. Er hat eine neue Tabor-Süden-Geschichte geschrieben und wundert sich ein wenig, denn sie heißt ausgerechnet „Der verschwundene Gast“ und erscheint Anfang Februar in der Edition Nautilus – mit beigelegter CD, auf der Ani mit der Band Schorsch & de Bagasch den „Tabor-Süden-Song“ singt.

Der schönste letzte Satz von Max Frisch

Es ist ein Tag im September, und wenn man aus den finstern und gar nicht kühlen Gräbern wieder ans Licht kommt, blinzeln wir, so grell ist der Tag; ich sehe die roten Schollen der Äcker über den Gräbern, fernhin und dunkel das Herbstmeer, Mittag, alles ist Gegenwart, Wind in den staubigen Disteln, ich höre Flötentöne, aber das sind nicht die etruskischen Flöten in den Gräbern, sondern Wind in den Drähten, unter dem rieselnden Schatten einer Olive steht mein Wagen grau von Staub und glühend, Schlangenhitze trotz Wind, aber schon wieder September: aber Gegenwart, und wir sitzen an einem Tisch im Schatten und essen Brot, bis der Fisch geröstet ist, ich greife mit der Hand um die Flasche, prüfend, ob der Wein (Verdicchio) auch kalt sei, Durst, dann Hunger, Leben gefällt mir –

Mein Name sei Gantenbein von Max Frisch

Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich geboren und starb dort am 4. April 1991. Mit Friedrich Dürrenmatt gehört Frisch zu den wichtigsten schweizerischen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Zentrale Themen seines zeitkritischen Werkes sind Selbstentfremdung und das Ringen um Identität in einer ebenso entfremdeten Welt.

Mein Name sein GantenbeinMax Frisch Frisch studierte zuerst in Zürich Architektur und war danach als Journalist und Architekt tätig. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa, Amerika und Mexiko war er seit Beginn der fünfziger Jahre als freier Schriftsteller tätig. 1958 erhielt Frisch den Georg-Büchner-Preis, und 1976 wurde er mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Frischs wohl bekanntestes Stück Andorra (1961) ist eine tragische Parabel auf die Folgen des Antisemitismus, während die Farce Biedermann und die Brandstifter (1958) anhand einer absurden Einquartierungssituation die Anpassungsmentalität des satten Bürgertums und seine Anfälligkeit für autoritäre Herrschaftsformen blosslegt. In seinem zweiten Roman Homo Faber wird aus der Sicht eines rationalistischen Ingenieurs der Gegensatz von technisch-wissenschaftlichem Weltbild und „unlogischen“ Schicksalsmächten geschildert und mit der schon in Stiller auftretenden Eheproblematik (die auch das konfliktgeladene Verhältnis zu seiner langjährigen Lebensgefährtin Ingeborg Bachmann widerspiegelt) verbunden. Frisch entwickelt eine Romanform, indem er permanent verschiedene Textsorten mischt und getroffene Aussagen wieder relativiert. Dieses Mischungsprinzip begegnet wieder in der autobiographischen Erzählung Montauk (1975), die zugleich die Möglichkeiten des Erzählens reflektiert und die Suche nach objektiver Wahrheit als unausweichlichen Fehlschlag auch im eigenen Lebensplan des Autors transparent macht. Seine Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) ist bereits gezeichnet vom Leiden am Verlust der literarischen Schaffenskraft und an der Aussichtslosigkeit eines Strebens nach einer erfüllten menschlichen Existenz angesichts einer gleichgültigen Natur. Blaubart, seine letzte 1982 veröffentlichte Erzählung, nimmt das Motiv des bekannten Märchens von Charles Perrault auf. Bemerkenswert vom literarischen und argumentativen Standpunkt sind Frischs Tagebücher, erschienen unter dem Titel Tagebuch 1946-1949 (1950) und Tagebuch 1966-1971 (1972). Neben der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Literatur präsentiert sich Frisch hier wie anderenorts als scharfsinniger Kritiker des Zeitgeschehens, insbesondere der Schweizer Verhältnisse. So schockierte er bürgerliche Kreise mit seiner durchaus ernstgemeinten Forderung, die Schweizer Armee ersatzlos abzuschaffen – dies noch lange bevor GSoA ein Begriff war.

Kurzbeschreibung zu Mein Name sei Gantenbein
Max Frisch hat in seinem dritten großen Roman Mein Name sei Gantenbein (1964) sein zentrales Thema, das Problem der Identität, die Spannung des Ichs zum anderen, nicht verlassen. Radikaler erfaßt, entfaltet es sich heiterer, reicher als bisher. Der Komplexität des Themas entspricht die Form. Der Roman spiegelt die Verschiebung von Realität und Phantasie im Bannkreis einer Situation, die die erprobte Rolle eines Menschen in Frage stellt, sein Ich freilegt. Die Geschichten des Buches sind nicht Geschichten im üblichen Sinn, es sind Geschichten wie Kleider, die man probiert. Es sind Rollen, Lebensrollen, Lebensmuster, die die Wirklichkeit erraten haben.

12 Trauben für 12 Wünsche – ein Neujahrsbrauch der Spanier und Portugiesen

TraubenPro Glockenschlag wird eine Traube verzehrt. Damit dieser Ritus wirklich Glück bringt, müssen alle zwölf Trauben um Mitternacht verspeist sein. Sonst bringt er Unglück…

Eine Lebensweisheit besagt, dass „das, was man in den ersten Stunden des neuen Jahres macht, sich im ganzen Jahr wiederholen wird“.

Damit das Glück sie im ganzen Jahr begleiten möge, steigen die Portugiesen, ebenso wie ihre spanischen Nachbarn, um Mitternacht auf einen Stuhl, essen zwölf Trauben und zählen zwölf Wünsche auf. Einen für jeden Monat des Jahres. 1909 war der Ursprung des Brauches.

Die damalige sehr üppige Weinernte brachte einen Winzer auf die Idee mit dem Traubenessen.

Bildquelle: Wikipedia – Bartolomé Esteban Perez Murillo: Die Trauben- und Melonenesser