Münchner Bücherschau – Kriminacht mit Jan Costin Wagner und Oliver Bottini

Ein Highlight der Münchner Bücherschau wird sicherlich die Kriminacht mit Jan Costin Wagner und Oliver Bottini. Obwohl die Veranstaltung erst gegen Ende der Bücherschau, nämlich am 30. November um 19 Uhr stattfindet, ist es ratsam sich die Eintrittskarten für 12 Euro schnellstens zu besorgen.

Mit Oliver Bottini und Jan Costin Wagner kommen zwei der besten deutschen Krimiautoren zur Bücherschau, sie stellen ihre hochgelobten Thriller vor. Oliver Bottini landete im November mit „Im Auftrag der Väter“ auf Platz 8 der Krimi Welt-Bestenliste. „Das Schweigen“ von Jan Costin Wagner war im September ebenfalls in der Bestenliste auf Platz 8 angesiedelt.

Im Auftrag der VäterKurzbeschreibung – Im Auftrag der Väter
An einem regnerischen, nebligen Wochenende im Oktober steht plötzlich ein Mann im Garten der Freiburger Familie Niemann. Er versucht ins Haus einzudringen, doch als die Polizei eintrifft, ist er schon wieder verschwunden. In derselben Nacht kehrt er zurück und stellt der Familie ein unerklärliches Ultimatum.
Die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì und ihre Kollegen ermitteln unter Hochdruck. Es geht das Gerücht, dass der Täter vom Balkan stammt. Louises Ermittlungen führen sie in ein gefährliches Niemandsland…

Autor
Oliver Bottini
, 1965 in Nürnberg geboren, studierte in München Neuere Deutsche Literatur, Italianistik sowie Markt- und Werbepsychologie. Er erhielt für seine beiden Kriminalromane „Mord im Zeichen der Zen“ und „Im Auftrag der Väter“ jeweils den Deutschen Krimipreis. Seine Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Das SchweigenKurzbeschreibung – Das Schweigen
Ein Mädchen verschwindet – genau an der Stelle, an der vor dreiunddreißig Jahren ein anderes Mädchen vergewaltigt und ermordet wurde. Das Verbrechen verstört nicht nur Polizei und Öffentlichkeit, sondern auch einen der beiden damaligen Täter … Niemand weiß besser als Kimmo Joentaa, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Wenn die Angst der Gewissheit weicht, dass der andere fort ist. Für immer. Deshalb hütet sich der Kriminalkommissar aus Turku davor, den Eltern von Sinikka Vehkasalo zu widersprechen. Ihnen die Hoffnung zu nehmen, dass ihre Tochter noch leben könnte. Auch wenn er es besser weiß. Wissen muss. Denn die Parallelen sind zu offensichtlich. Wenn dreiunddreißig Jahre nach dem ungeklärten Mord an einem jungen Mädchen an genau der gleichen Stelle ein anderes Mädchen unter ähnlichen Umständen verschwindet, muss es einen Zusammenhang geben. Denkt nicht nur Kimmo, sondern auch sein in den Ruhestand verabschiedeter Kollege Ketola. Getrieben von der Hoffnung auf späte Antworten, nimmt er die Fährte seines ungelösten Falles wieder auf. Die beiden damaligen Täter beginnen, sich gegenseitig zu belauern. Und für einen von ihnen wird die Reise in die eigene Vergangenheit eine gnadenlose Auseinandersetzung mit der lange verdrängten Verantwortung…

Autor
Jan Costin Wagner, geboren am 13. Oktober 1972 in Langen/Hessen, absolvierte ein Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Frankfurt am Main, das er mit einer Magisterarbeit über Adalbert Stifter abschloss. Danach volontierte und arbeitete er als Journalist bei der Offenbach-Post. Er lebt heute bei Frankfurt und in Finnland, der Heimat seiner Frau. Er ist Verfasser von bisher vier Kriminalromanen, die bei Literaturkritik und Leserschaft großen Zuspruch fanden und in alle Weltsprachen übersetzt wurden. 2002 erhielt er den Marlowe-Preis, 2003 ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin sowie 2004 den Förderpreis zum Hans-Erich-Nossack-Preis.

Der schönste erste Satz von Harold Robbins

Harold RobbinsSolange ich zurückdenken konnte, hatte ich im Waisenhaus gelebt.

Die Wilden von Harold Robbins

Harold Robbins, geboren am 21. Mai 1916 in New York, gestorben am 14. Oktober 1997 in Palm Springs, Kalifornien, war ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Der Sohn russischer und polnischer Einwanderer wurde als Harold Rubin geboren. Nach Abschluss der High School arbeitete Robbins in zahlreichen Jobs, um schließlich in Hollywood zu landen und erhielt Arbeit bei den Universal Studios. Die Arbeit beim Film prägte zahlreiche seiner späteren Romane. Doch zunächst veröffentlichte er 1948 seinen Erstlingsroman. Never love a stranger ist die Geschichte eines Waisenkindes, das in New York City aus dem Nichts zu einem erfolgreichen Gangster aufsteigt. Bei seinem Debüt zeigt sich bereits die kräftige Sprache Robbins, die ihn zu einem der meistverkauften Autoren spannender Unterhaltungsliteratur machen und dafür sorgen, dass seine Bücher von Hollywood verfilmt werden, jedoch von Literaturkritikern verachtet werden.

Never love a stranger ist dann auch sein erstes Buch, das von Robert Stevens 1958 verfilmt wird, mit John Drew Barrymore (Vater der Schauspielerin Drew Barrymore) in der Hauptrolle.

An der Frage, ob seine Romane (und davon hat er etliche geschrieben) zu den Werken der Weltliteratur zählen, scheiden sich allerdings die Geister. Zumindest war der Autor so populär, dass ihm sein Lebenswerk einen Stern auf dem †œWalk of Fame† in Hollywood eingetragen hat.

Sein damaliger Verleger hat diesen Roman veröffentlicht, weil †“ um es salopp mit des Autors eigenen Worten und in meiner Übersetzung zu sagen †“ †œes das erste Mal war, dass er ein Buch gelesen hatte, bei dem er auf einer Seite weinen musste und auf der folgenden Seite einen Ständer kriegte†.

Heute würde man vielleicht eher sagen: Es ist eine stimmige Mélange aus spannendem Gangsterthriller und anrührender Liebesgeschichte, gewürzt mit einer kräftigen Prise Erotik. Und es ist trotz des Ich-Erzählers keine Autobiographie, dafür war der Autor zu jener Zeit doch noch zu jung (obwohl: wenn ich an Daniel Küblkotz & Konsorten denke…). Aber er kannte sich aufgrund seiner Herkunft auf den verschlungenen Pfaden des Großstadtdschungels recht gut aus.

†œDie Wilden† ist mit Sicherheit kein sonderlich anspruchsvolles Werk, und H.R. war auch als Mensch ein schlimmer Finger, der kein Laster ausgelassen hat. Aber er hat schließlich auch noch andere Bücher geschrieben, da ist sein Roman †œDie Gnadenlosen† (†A Stone for Danny Fisher†) schon ein ganz anderes Kaliber.

Und auch die Verfilmung mit Elvis Presley ragt aus dem ansonsten seichten filmischen Schaffen des Kings heraus †“ auch wenn die Tonspur von †œMein Leben ist der Rhythmus† in der deutschen Fassung nur in Mono ist, was dem Musikgenuss ein wenig abträglich ist. Aber ich will mich nicht beklagen †“ wenn der ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehene James Dean den Danny Fisher gespielt hätte, hätte zwar der aus physiologischen Gründen auf diesen fixierte weibliche Teil der Bevölkerung noch mehr gekreischt, uns allen wäre aber der musikalische Genuss vollständig verwehrt geblieben…

Mein Tipp: Wenn euch †œDie Gnadenlosen† oder †œDie Macher† (†Tycoon†) von 1997 (auf Deutsch 1998) mal antiquarisch über den Weg laufen, schaut einfach mal rein.

Harold Robbins verkaufte Auflagen werden weltweit übrigens auf über 750.000.000 Stück geschätzt!

Don Farrago am 26. November, 2007

Ein Interview mit Julia Franck

Julia Franck und die Mittagsfrau - Aus dem Fluch wird ein Erfolg„Jede neue Arbeit trägt ihr Risiko in sich selbst“

Julia Franck war einer der Stars der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Für ihren Roman „Die Mittagsfrau“ erhielt die Berliner Schriftstellerin den Deutschen Buchpreis 2007. Im Interview spricht sie über die Bedeutung des Preises und seine Auswirkungen auf ihre Arbeit.

Frankfurter Buchmesse: Frau Franck, Sie wurden in den 90er Jahren in die Kategorie „Literarisches Fräuleinwunder“ eingereiht. Ist der Deutsche Buchpreis, den Sie nun zehn Jahre nach ihrem Debütroman erhalten haben, eine Art Ritterschlag für Sie?

Julia Franck: Die Kategorie „Literarisches Fräuleinwunder“ zielt auf sexuelle Kriterien ab und nicht auf literarisch ästhetische. Ich fühle mich heute so sehr als Ritter wie damals als Fräulein.

Was bedeutet Ihnen der Preis ganz persönlich?

Er ermöglicht mir für zwei, drei Jahre Arbeiten in Ruhe. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, wie wenige Schriftsteller überhaupt von ihrer Arbeit leben können und dass es keinerlei Absicherung gibt, weder im Krankheitsfall noch für eine Arbeitslosigkeit. Natürlich bedeutet der Preis auch eine große Ehre, deren Bedeutung jedoch noch abzuwarten bleibt. Viele Leser machen ein Buch lebendig, das ist schön. Zugleich stimmt ein erfolgreiches Buch jeden kritischen Leser misstrauisch, zumindest in Deutschland. Weiterlesen

Der schönste erste Satz von Hans Christian Andersen

Hans Christian AndersenHört her! nun fangen wir an.

Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen

Hans Christian Andersen, geboren am 2. April 1805 in Odense auf der dänischen Insel Fünen, gestorben am 4. August 1875 in Kopenhagen, ist der wohl berühmteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks.

Nach dem Tod seines Vaters ging er mit 14 Jahren nach Kopenhagen und bemühte sich, dort als Schauspieler zum Theater zu kommen. Nachdem ihm das jedoch nicht gelang, versuchte er sich ebenso vergeblich als Sänger, verfasste aber auch schon erste kleine Gedichte. Schließlich nahm ihn Konferenzrat Jonas Collin, der damalige Direktor des Königlichen Theater Kopenhagen (Kongelige Teater), in seine Obhut und in sein Haus auf. Dort fühlte er sich besonders zu dem Sohn seiner Gasteltern, Edvard Collin, hingezogen, den diese Zuneigung jedoch eher befremdete und der diese nicht erwiderte. Die jüngste Tochter Louise Collin wurde ihm eine schwesterliche Freundin, der er sehr zugeneigt war. Beide erlebten sich als Seelenverwandte. Von der Theaterdirektion unterstützt und durch König Friedrich VI. gefördert, konnte er von 1822 bis 1826 bei Rektor Meissling eine Lateinschule in der kleinen Provinzstadt Slagelse, von 1826 bis 1828 eine weitere Lateinschule in Helsingør und anschließend die Universität Kopenhagen besuchen. Am Ende seiner Schulzeit schrieb er das Gedicht „Das sterbende Kind†œ. Dieses wurde als kleines Meisterwerk anerkannt, in dem der Autor die Welt aus den Augen eines kleinen Kindes betrachtete, was insgesamt für sein Schaffen kennzeichnend wurde. Das Gedicht ist danach in vielen Ländern veröffentlicht worden.

Andersen war einmal in seinem Leben einer Frau in tiefer Liebe zugetan. Es war Riborg Voigt, die Schwester des Studienfreundes Christian Voigt, durch den er sie kennen lernte. Er hatte sich sogleich unsterblich in sie verliebt, doch war sie schon einem anderen Manne versprochen. Ihren Abschiedsbrief trug er zeitlebens in einem Ledersäckchen auf dem Herzen und es wurde bei seinem Tode auch gefunden. Andersen hatte diese tragische Liebesgeschichte in seinem Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ verarbeitet.

Nachdem Riborg geheiratet hatte, unternahm Andersen mehrere Reisen nach Deutschland, England, Italien, Spanien und in die Türkei. Unter dem Einfluss der italienischen Landschaft entstanden dann die ersten Texte, die sehr an die Kleine Meerjungfrau erinnern. Die Beschreibung der Welt in dem gleichnamigen Märchen zeigt die italienischen Einflüsse deutlich.

Auf seinen insgesamt 30 großen Reisen kam er 32 Mal nach Dresden und 15 Mal nach Maxen bei Dresden, wo er seine Freunde, die Mäzenen Friederike und Friedrich Anton Serre besuchte. Dort schrieb er auch: „Des Herzens Sonnenschein in Sachsen, er strahlt am schönsten doch in Maxen“.
Später lernte er noch weitere Frauen kennen, die ihm alle schwesterliche Freundinnen waren: Henriette Wulff, Tochter des Kommandeurs und Gönners P.F. Wulff, ferner Sophie Ørsted, Tochter des Entdeckers des Elektromagnetismus Hans Christian Oersted, und Jenny Lind, auch schwedische Nachtigall genannt, die er sehr verehrte. Sein Leben lang blieb er aber unverheiratet, ohne eine wie auch immer geartete längere, tiefere, persönliche oder gar sexuelle Verbindung. Mit Edvard Collin verband ihn jedoch auch nach dessen Heirat im gegenseitigen Einvernehmen eine Freundschaft auf Distanz. In der Wissenschaft wird kontrovers diskutiert, ob Andersen homosexuell gewesen sei. Diese Diskussion begann 1901 mit dem Artikel „Hans Christian Andersen: Beweis seiner Homosexualität“ von Carl Albert Hansen Fahlberg (unter dem Pseudonym Albert Hansenin) in Magnus Hirschfelds „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen“.

Nach seinem 70. Geburtstag, als Künstler international anerkannt und verehrt, vom dänischen König mit dem höchsten Orden ausgezeichnet, verstarb er am 4. August 1875 in Kopenhagen und wurde dort auf dem Assistens Friedhof beigesetzt.

Die SchneeköniginAndersen schrieb mehr als 160 Märchen in acht Bänden. Dabei bearbeitete er Volksmärchen, bis sie seinem literarischen Ansprüchen genügten und von Kindern verstanden werden konnten.
Die Schneekönigin ist eines seiner längsten und ausgefeiltesten, aber auch kompliziertesten und vielschichtigsten Märchen. Es handelt von einem kleinen Mädchen, das seinen von der Schneekönigin entführten Spielgefährten sucht. Wie viele andere Märchen Andersens thematisiert auch dieses das kleine Glück der einfachen, guten Leute und ist humorvoll und ironisch. Die Suche des Mädchens spielt sich in traumartigen Szenerien ab.

Anjelka, am 25. November 2007

KrimiWelt-Bestenliste im Dezember 2007

Platz 1 : Driver von James Sallis
Platz 2 : Im Auftrag der Väter von Oliver Bottini
Platz 3 : Im Namen der Toten von Ian Rankin
Platz 4 : Ungeschoren von Arne Dahl
Platz 5 : Lasst die Kadaver bräunen! von Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid
Platz 6 : Kaputt in El Paso von Rick DeMarinis
Platz 7 : Das 5. Flugzeug von John S. Cooper
Platz 8 : Gespenster in Breslau von Marek Krajewski
Platz 9 : Tod eines Trüffelschweins von Thomas Weiss
Platz 10 : Der Erlöser von Jo Nesbo