Der schönste erste Satz von Linn Ullmann

Linn UllmannSander schweigt.

Die Lügnerin von Linn Ullmann

Linn Karin Beate Ullmann (* 9. August 1966) ist eine norwegische Schriftstellerin und Journalistin.
Linn Ullmann, Tochter von Liv Ullmann und Ingmar Bergman, die bereits 1971 und 1978 in Filmen an der Seite ihrer Mutter kleine Rollen hatte, debütierte als Schriftstellerin 1998 mit Før du sovner. Sie lebt und arbeitet in Oslo und ist dort Kulturjournalistin für die Tageszeitung Dagbladet. Ullmann ist mit dem Dichter und Bühnenautor Niels Fredrik Dahl verheiratet. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter.

Für Buchtrinker und Seitenfresser mit dem Faible für Sternschnuppen

Perseus Taten waren legendär. Er schlug der schrecklichen Medusa das Haupt ab, dann rettete er aus der Luft die schöne Andromeda vor dem Meeresungeheuer Ketus. Jetzt steht Perseus wieder einmal im Rampenlicht.Sternschnuppen Nahe des Sterns Mirfak, gleichsam am Gürtel des griechischen Helden, strahlt der Komet Holmes. Bis vor wenigen Tagen war der Himmelkörper nur in größeren Teleskopen sichtbar. Doch dann blitzte er in zwei Schüben plötzlich auf. Seither sehen wir – sogar mit bloßem Auge – in der Konstellation Perseus einen neuen „Stern“. Im Fernglas oder Telekop entpuppt er sich als diffuse, gelblich schimmernde Kugel mit etwa dem dreifachen Durchmesser des Jupiter. Schon im Mai hatte Holmes seinen Sonnen nächsten Bahnpunkt jenseits des Mars passiert. Was auf dem Kometenkern passiert ist, wissen die Astronomen nicht. Vielleicht hat ihn ein kosmischer Querschläger getroffen und er ist zerbröselt. Auf jeden Fall scheint der Brocken auf einen Schlag viel Substanz verloren zu haben, unter anderem Gesteins- und Eispartikel, die sich im Weltraum verteilen.

In der Nacht zum 19. November erwarten die Fachleute an die 50 Meteore, die stündlich über den Morgenhimmel flitzen. Die Teilchen stammen von dem Kometen Tempel-Tuttle und dringen mit Geschwindigkeiten von 250.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre . Dabei hinterlassen sie eine Leuchtspur aus ionisiertem Gas. Die Partikel selbst verglühen in Höhen von etwas 80 Kilometern.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Der schönste erste Satz von Djuna Barnes

Djuna BarnesTrotz wohlbegründeter Zweifel, ob es ratsam sei, jene Rasse zu erhalten, die Gottes Einverständnis und der Menschen Mißbilligung erfährt, gebar im Frühjahr 1880 im Alter von fünfundvierzig Jahren Hedwig Volkbein, eine Wienerin von großer Kraft und soldatischer Schönheit – hingestreckt unter Pfosten eines Himmelbettes von üppig theatralischem Karmin, hinter Behängen auf denen Habsburgs gegabelte Schwingen prangten, unter Federdecken, deren Atlashülle in reichem indes erblindetem Goldfaden das Volkbeinsche Wappen schmückte -, ihr einziges Kind: einen Sohn; sieben Tage nach der vom Arzt vorausgesagten Stunde.

Nachtgewächs von Djuna Barnes

Djuna Barnes (* 12. Juni 1892 in Cornwall on Hudson; †  18. Juni 1982 in New York City) war eine US-amerikanische Schriftstellerin und wird zu den wichtigsten Autorinnen der literarischen Moderne gezählt.

Barnes Kindheit war geprägt durch das Leben auf einer Farm einer ländlichen Gegend im Staat New York und den später in ihren literarischen Werken verarbeiteten sexuellen Missbrauch durch ihren Vater und ihre Großmutter. Beide waren extreme Freidenker, die auch einen Schulbesuch für das Kind ablehnten. Sie wurde von ihrem Vater unterrichtet. Auch die Großmutter war eine zwiespältige Figur für sie: trotz des als traumatisch empfunden Missbrauchs war sie von ihrer starken Persönlichkeit fasziniert und sah sie in bestimmten Aspekten als Vorbild.

19jährig zog sie in die Bronx, um zu malen, arbeitete jedoch nebenher als freie Journalistin. Ab 1912 veröffentlichte sie regelmäßig in New Yorker Tageszeitungen. Bald zog sie in das Künstlerviertel Greenwich Village, wo sie den Theaterkritiker Courtenay Lemon kennenlernte, mit dem sie eine nur drei Jahre dauernde Ehe einging. In dieser Zeit veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband und einige Theaterstücke, in denen sie auch selbst spielte.

1919 zog sie nach Paris und fand dort bald Eingang in den intellektuell-lesbischen Kreis um Natalie Barney. Von 1923 an lebte sie mit Thelma Wood zusammen, hatte jedoch neben dieser Beziehung weitere Liebesaffären mit Männern und Frauen. Die Tatsache, dass auch Wood konstant Affären hatte, verletzte sie jedoch sehr und führte zu Alkoholmissbrauch. 1928 erschien ihr Roman Ryder und der Ladies Almanack, in dem sie sich über Barney und deren Freundinnen lustig macht. Nach der Trennung von Wood 1931 lebte Barnes bei Peggy Guggenheim und arbeitete an ihrem wichtigsten Roman Nightwood.

Von 1940 an lebte sie erneut im Greenwich Village in New York und schrieb wie besessen, veröffentlichte jedoch kaum noch etwas. Nur die Sozialhilfe und Zuwendungen der Sammlerin und Mäzenin Peggy Guggenheim hielten sie über Wasser. Sie hatte wenige Sozialkontakte und lebte allein.

Mamalinde, am 02. November 2007

Bayerische Akademie der schönen Künste prämiert Schulaufsätze

Die besten Schulaufsätze †“ Wettbewerb der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

Die Literaturabteilung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste hat auf ihrer Herbstsitzung am 18.10.2007 beschlossen, im Rahmen eines Aufsatzwettbewerbs für bayerische Gymnasien, zunächst für die Gymnasien in München und in Oberfranken als dem kleinsten Regierungsbezirk, ab dem Schuljahr 2007/2008 alljährlich hervorragende Schulaufsätze zu prämieren. Am 23.10. wurden †“ nach Rücksprache mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und dem Schulreferat der Landeshauptstadt †“ alle Gymnasien in München und in Oberfranken brieflich zur Beteiligung eingeladen.

Ziel des Wettbewerbs „Die besten Schulaufsätze†œ, zu dem Aufsätze von etwa 70 000 Schülerinnen und Schülern der mehr als 70 Gymnasien in München und in Oberfranken eingeschickt werden können, ist es, hervorragende und besonders lesenswerte Aufsätze zu sammeln, ihre Verfasserinnen und Verfasser auszuzeichnen und zum Schreiben und zum Lesen zu motivieren. Denn nur wer liest, lernt schreiben.

Teilnahmeberechtigt sind alle Schülerinnen und Schüler der Gymnasien in München und in Oberfranken (eine Ausweitung des Wettbewerbs auf andere Gymnasien ist geplant).

Die Aufsätze werden, nach Altersstufe und Aufsatzart geordnet und von der Jury gelesen. Die Liste der Jury weist Namen hochkarätiger SchriftstellerInnen wie Anita Albus, Dieter Borchmeyer, Friedrich Denk, Ota Filip, Peter Hamm, Gert Heidenreich, Thomas Hürlimann, Wulf Kirsten, Alfred Kolleritsch, Reiner Kunze, Sibylle Lewitscharoff, Petra Morsbach, Martin Mosebach, Peter Horst Neumann, Kevin Perryman, Albert von Schirnding, Arnold Stadler, Ludwig Steinherr, Martin Walser, Barbara von Wulffen u.a. auf.

Der schönste erste Satz von Dorothy L. Sayers

Dorothy L. SayersSehr geehrter Sir Gilbert, ich danke für Ihren Brief gestrigen Datums und beeile mich, Ihnen die erbetene Zusammenstellung aller Dokumente zu übersenden.

Die Akte Harrison von Dorothy L. Sayers

†œDie Akte Harrison† (The documents in the case, erschienen 1930) von Dorothy L. Sayers ist sicherlich nicht ihr bekanntester Krimi, aber ich finde ihn von der Konstruktion her sehr gelungen.

Sayers war die Tochter eines anglikanischen Pfarrers und sehr religiös. Sie war außerdem auch eine der ersten Frauen, die ein Examen in Oxford ablegten, und sehr bildungseitel. Das merkt man der Mehrzahl ihrer zum Teil sehr geistreichen Kriminalromane an. Die Pointe von †œDie Akte Harrison† besteht darin, dass die Überführung des Täters im Zuge eines naturwissenschaftlich geführten Gottesbeweises
(jeder Theologe und alle anderen Leute, die was davon verstehen, wird einem sagen, dass es keinen Gottesbeweis gibt, aber egal)
geschieht, mit dem gleichzeitig dann wieder die Verurteilung des Täters in Gottes Namen gerechtfertigt wird.

Der Mord, um den es in diesem Buch geht, wird mit Muscarin, dem Gift des Fliegenpilzes, an einem leidenschaftlichen Pilzsammler ausgeführt. Der Täter, Liebhaber der Gattin des Opfers, beschafft sich dafür künstlich hergestelltes Muscarin aus einem Labor und gibt es in eine Fleischbrühe, die das Opfer zur Zubereitung seiner Pilzmahlzeit verwendet. Deshalb wird der Mord zunächst für einen Unfall gehalten, zumal der Täter sich ein Alibi beschafft hat, durch das er nachweislich zur fraglichen Zeit außerstande war, dem Opfer eventuell vergiftete Pilze unter die Mahlzeit zu mischen.

In einem Gespräch, das eine Gruppe von Naturwissenschaftlern und Theologen über die Möglichkeit eines Schöpfergottes im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Weltbildes führen, erfährt ein Freund des Täters dann von den sogenannten Razematen: künstlich erzeugten Verbindungen, die ihrem molekularen Aufbau nach auch in der Natur vorkommen, dort aber eine andere, asymmetrische kristalline Struktur bilden, wodurch sie optisch aktiv sind (kann man in einem sogenannten Polariskop testen, was dann im Buch auch geschieht).

Rechtsdrehende Verbindungen werden also nur auf irgendwie †œlebendige† Weise erzeugt, und aus dieser Tatsache schließen die maßgeblichen Wissenschaftler bei Sayers, daß im Übergang von anorganischer zu organischer Materie eine ordnende Intelligenz (= Schöpfergott) erkennbar wird. Man kann also zumindest im Rahmen des Buches bzw. im Rahmen des Sayers†™schen Weltbildes von einem naturwissenschaftlichen Gottesbeweis sprechen, auch wenn der keineswegs Anspruch auf Allgemeinverbindlichkeit erheben kann.

Jedenfalls führt dieses Gespräch über die Existenzmöglichkeit Gottes im Rahmen eines modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes dann auch zur direkten Überführung des Täters, weil anhand der Giftspuren nachgewiesen werden kann, daß der Tote ermordet worden sein muß, da ein natürlicher Pilz kein Razemat produziert hätte.

Die †œentsprechende Strafe† für Mord war in Großbritannien bis 1964 die Todesstrafe durch Erhängen.

Anjelka am 01. November 2007