Martin Mosebach in der Ludwig-Maximilian-Universität

Die neue Wohnung im Frankfurter Bahnhofsviertel, eine tote Taube im Schlafzimmer und eine schrille Hinterhofgesellschaft – das ist der Anfang der Beziehungskrise von Ina und Hans. Die Menschen in Martin Mosebachs neuestem Roman „Der Mond und das Mädchen“ (erschienen im Hanser Verlag) verheddern sich in einem bizarren Konstrukt aus Lebenslügen- und scheitern. Sie verändern eine Liebe, die nie eine war. Die Menschen in diesem Haus flüchten sich in Rituale, die Wahrheiten überdecken – draußen ist die Realität, im „Haus des Teufels“ lebt die Lüge. Und immer scheint der Mond.

Der designierte Georg-Büchner-Preisträger gilt als brillanter Erzähler, seine Novelle jedoch ist eine Geschichte, die auch unerzählbar bleiben könnte. Sie ist eine von vielen Beziehungsgeschichten. Martin Mosebach zeichnet ein trübes, oft konstruiert scheinendes Sittengemälde, verpackt in eine wenig transparente Sprache.

Der Autor liest am Dienstag, den 13. November um 20 Uhr in der Ludwig-Maximilian-Universität (Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal M 118) Kartenreservierung unter 089 / 380 150 17 oder in der Buchhandlung Lehmkuhl, Eintritt 8 Euro

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Daniel Kehlmann wird mit dem Welt-Literaturpreis 2007 ausgezeichnet

Daniel KehlmannDer 32jährige österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann erhält an diesem Freitag den „Welt“-Literaturpreis 2007 für seinen Roman „Die Vermessung der Welt“. Der Preis wird ihm heute bei einem Festakt im Axel-Springer-Haus in Berlin übergeben. Die Laudatio hält Hellmuth Karasek.

In der Begründung der Jury heißt es: „,Die Vermessung der Welt†™ ist ein genialer Experimentalroman über Größe und Komik deutscher Kultur am Beispiel der beiden Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß, deren Biographien der Autor kunstvoll parallelisiert. Für seinen eminent intelligenten, gleichermaßen witzigen und gelehrten Roman ehren wir Daniel Kehlmann mit dem WELT-Literaturpreis 2007, weil er dem Leser durch befreiende Komik erlaubt, sich vor Großartigkeiten einerseits zu verneigen und andererseits zu ihnen zu lächeln. Spielerisch bringt Kehlmann dem Leser die Glanzzeit deutscher Klassik und Romantik nahe.†œ

Der mit 10 000 Euro dotierte Preis erinnert an den Publizisten Willy Haas, der 1925 „Die literarische Welt“ gründete. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem Bernhard Schlink, Imre Kertész, Yasmina Reza und Rüdiger Safranski.

Kehlmann, der in Wien lebt, wurde bereits mit dem Kleist-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Heimito-von-Doderer-Preis geehrt.

Quelle: Welt

Adri van der Heijden erhält niederländischen AKO-Literaturpreis

Mit 50.000 Euro ist der niederländische AKO-Literaturpreis dotiert. Der AKO – Literaturpreis wurde von einer niederländischen Verlagsgruppe ins Leben gerufen und einer unabhängigen Stiftung überantwortet. Ebenso unabhängig ist auch die Jury, die seit 1987 einmal jährlich diesen Preis vergibt. Dennoch ist der Preis alles andere als unumstritten, denn für nicht wenige stellt er ein Symptom für die zunehmende Kommerzialisierung des Literaturbetriebs dar. Autoren etwa, die nicht bereit sind, ihre Entgegennahme des Preises vom Fernsehen filmen zu lassen, dürfen sich erst gar nicht darum bewerben.

In diesem Jahr wurde der Schriftsteller Adri van der Heijden für seinen jüngsten Roman „Het schervengericht“ (Scherbengericht) mit dem Preis ausgezeichnet.

Van der Heijdens Werk ist autobiografisch geprägt und dreht sich häufig um reale Figuren. Auf Deutsch erschien unter anderem sein Romanzyklus „Die zahnlose Zeit“ im Suhrkamp Verlag. In „Het schervengericht“ tauchen der Regisseur Roman Polanski und dessen ermordete Frau Sharon Tate auf. Van der Heijden sieht den Roman auch als einen „Protest“ gegen die Ermordung des niederländischen Regisseurs Theo van Gogh durch einen islamischen Extremisten im November 2004. Schriftstellerkollege Arnon Grunberg griff van der Heijden als einen „paranoiden Verrückten“ an, der psychiatrisch behandelt werden müsse.

Der schönste erste Satz stammt von Günter Grass

Der schönste erste Satz ist gefunden und gekürt worden. Er stammt aus der Feder von Günter Grass. „Ilsebill salzte nach“ ist der erste Satz aus seinem Roman „Der Butt„.

In der Kürze liegt die Würze, denn die drei Wörter, so die Begründung der Jury, machen Lust auf mehr der insgesamt über 700 Romanseiten; sie malen literarische und kulinarische Bilder, die eine reichhaltige Lektüre versprechen. Über 17.000 Menschen aus 60 Ländern haben sich an der Suche beteiligt, berichtete die †œInitiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen†.

Auf Platz 2 wurde „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt† aus Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ gewählt.

Der dritte Preis ging an die Erzählung „DerLeseteufel†œ von Siegfried Lenz: „Hamilkar Schaß, mein Großvater, ein Herrchen von, sagen wir mal, einundsiebzig Jahren, hatte sich gerade das Lesen beigebracht, als die Sache losging.†œ

Die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen präsentieren die Preisverleihung mit Persönlichkeiten wie ZDF-Moderatorin Marietta Slomka, Rap-Poet Bas Böttcher, den Schriftstellern Silke Scheuermann und Thomas Brussig sowie Kabarettist Lars Reichow am 6. November 2007 ab 19.00 Uhr in der Alten Oper Frankfurt.

Die Sieger-Sätze samt den damit verbundenen besonders treffenden Begründungen wurden von einer Jury, zu der unter anderen Prof. Dr. Jutta Limbach, Elke Heidenreich, Paul Maar und Heiner Brand gehören, ausgewählt und stehen nun im Mittelpunkt der Veranstaltung in der Alten Oper Frankfurt.
Ein vielfältiges Rahmenprogramm rund um das Thema „Faszination Sprache†œ begleitet die Preisverleihung.

Ein Buch mit den schönsten Einsendungen zum Wettbewerb erscheint am 9. November im Hueber-Verlag. Darin sind neben einer Auswahl der besten Einsendungen auch Beiträge von Prof. Dr. Jutta Limbach, Elke Heidenreich, Lars Reichow, Thomas Brussig und Prof. Dr. A. Kruse zu lesen.

Martin Walser – Leben und Schreiben. Im Literaturhaus München am 14.11.07

Martin WalserMartin Walser
Mittwoch, 14.11., 20:00 Uhr, Saal
Leben und Schreiben. Tagebücher 1963-1973 – Ein Abend mit Martin Walser
Der zweite Band von Martin Walsers Tagebüchern beginnt mit dem Jahr 1963. Er berichtet darin von den Frankfurter Auschwitz-Prozessen, von seinen Reisen, von Geldsorgen, Kritikern und dem „Ansturm von Plänen“. Die Texte sind persönliche Dokumente, zeugen vom „ungeschützten Schreiben“ im Gegensatz zum Schreiben von Romanen. Die Tagebücher sind Selbstzeugnis und Selbstdialog, sie stehen ganz und gar außerhalb eines zielgerichteten Schreibens. Martin Walser liest Passagen daraus vor und spricht mit Jörg Magenau, Walser-Biograph und Kurator der großen Walser-Ausstellung im Literaturhaus 2005, über seine Lebensdokumente und über „das Erfrischende der Gesellschaft in meinem Inneren“.
Veranstalter: Rowohlt Verlag, Stiftung Literaturhaus. Eintritt: Euro 10.00 / 8.00, Kartenreservierung: Tel. 089 / 291934-27.