Milan Kundera erhält Staatspreis für Literatur 2007

Milan Kundera erhält den mit 300.000 tschechischen Kronen (etwas 10.900 Euro) dotierten wichtigsten Literaturpreis seines Heimatlandes Tschechien. Ob er ihn annimmt und zur Preisverleihung zum Nationalfeiertag am 28. Oktober persönlich erscheint, ist allerdings fraglich.

Die unerträgliche Leichigkeit des SeinsDer heute 78-jährige Kundera lebt seit 1975 in Paris, seit 1981 ist er französischer Staatsbürger – die tschechoslowakische Staatzugehörigkeit war ihm in den 70er Jahren aberkannt worden – und seit 1985 gibt Milan Kundera keine Interviews mehr. Und wenn dann nur noch schriftlich. Zu oft fühlte er sich missverstanden. Das Verhältnis zu seinem Heimatland Tschechien ist nicht von Leichtigkeit geprägt, jahrzehntelang war es eher unerträglich. Ein Essay-Duell mit Vaclav Havel über die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und die Sicht auf die eigene Nation Ende der 60er Jahre hatte sein übriges getan, um das Verhältnis zu seinem Heimatland zu zerrütten. Einige seiner Bücher sind bis heute nicht in seiner Muttersprache erschienen, von Exilauflagen einmal abgesehen. Der Autor hatte immer wieder sein Veto eingelegt. Erst 2006 konnten seine tschechischen Landsleute wieder „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ auf Tschechisch kaufen und bescherten dem Buch einen riesigen Erfolg. Kundera schreibt seit Jahrzehnten auf Französisch.

Mit dem Staatspreis ist wohl die Hoffnung verbunden, dass Kundera die Übersetzung und Herausgabe seiner Romane in Tschechien beschleunigt.

Münchner Bücherschau – Lesen, Hören, Entdecken

Vom 14. November bis zum 2. Dezember 2007 findet die 48. Münchner Bücherschau statt. Beinahe rund um die Uhr, täglich von 8.00 bis 23.30 Uhr, ist die große Buchausstellung im Münchner Gasteig im ersten und zweiten Stock geöffnet. Schauen, lesen, hören, schmökern, entdecken, sich einen Überblick über die rund 20.000 ausgestellten Neuerscheinungen, Best- und Longseller verschaffen, heißt die Devise an den 19 Bücherschau-Tagen. Hochkarätige Autoren und Autorinnen werden anwesend sein. Also, unbedingt den Terminkalender freihalten für Barbara Vine, Wladimir Kaminer, Margriet de Moor, Cornelia Funke, Marc Levy, Fay Weldon, John von Düffel, Frank Goosen, Marina Lewycka, Barbara Rütting, Mats Wahl, Iris Berben, Oliver Bottini, Jan Costin Wagner, u.v.a.

Spielregeln für den „Schönsten ersten Satz“ – ein Rätsel im Lesekreis

  • Jede/r darf teilnehmen.
  • Berechtigt für einen Neuvorschlag sind diejenigen, die den aktuellen Satz einem Buch unter Angabe von AutorIn und Titel zuordnen können.
  • Der erste Satz vom Vorwort darf nicht verwendet werden.
  • Am besten eignen sich Klassiker der Weltliteratur. Wir hatten es mit den Anfängen von Faust, oder dem verfälschten Anfang von Oscar FragezeichenWildes †œBildnis des Dorian Gray†, oder mit einem völlig unbekannten Werk von Fritz Walther zu tun hatten. Faust und Wilde waren natürlich sofort offensichtlich, also zu einfach, während dieses Fritz-Walther-Buch uns ewig beschäftigt hat. Das war zwar lustig, im Endeffekt allerdings nicht ganz passend, weil es einfach sehr wenig mit Literatur zu tun hat. Das eigentlich Schwierige daran ist, Bücher oder Autoren von Bedeutung zu finden, die nicht auf Anhieb im www zu finden sind.
  • Die Sätze dürfen nicht verfälscht werden.
  • Markante oder verräterische Namen im Text dürfen durch drei Punkte ersetzt werden.
  • Erzählbände und Versepen sind unter Umständen möglich.
  • Der Satz muss betreut werden. Das heißt, der Aufgabensteller sollte möglichst zeitnah die Fragen der Mitspieler moderieren.

Letztendlich ist die ganze Rätselaktion hier sehr zufällig und spontan entstanden und in erster Linie soll sie der Unterhaltung dienen. Wir haben mittlerweile festgestellt, dass es durchaus interessant ist, sich, oftmals sehr intensiv, mit in Vergessenheit geraten Autoren und Autorinnen zu beschäftigen.Keks Zur Belohnung winkt dem Sieger/der Siegerin ein Keks! Wir freuen uns über jedes neues „Gesicht“.

Bayerische Staatsbibliothek digitalisiert Buchbestände aus dem 18. Jahrhundert

Bayerische StaatsbibliothekWie die Süddeutsche heute berichtet, hat die Bayerische Staatsbibliothek damit begonnen, ihre Buchbestände aus dem 18. Jahrhundert zu digitalisieren. In den nächsten zwei Jahren sollen Roboter digitale Kopien von 7,5 Millionen Seiten aus beinahe 37.000 deutschen Druckwerken erstellen. Die digitalen Abbildungen sollen im Internet frei zugänglich sein. Nach Angaben des österreichischen Roboterherstellers gibt es ähnliche Systeme bislang nur in Innsbruck, der Schweiz und in den USA.

Julia Franck im Münchner Literaturhaus – souverän und konzentriert

Julia FranckDienstag, 16.10.2007, 20.15 Uhr, Julia Fanck betritt die Bühne des Münchner Literaturhauses, und es wird schlagartig still in dem total ausverkauften Saal. Die Stuhlreihen sind so eng gestellt, dass es kaum möglich ist Luft zu holen, ohne dabei seinen Nachbarn bzw. seine Nachbarin, denn der Frauenanteil beträgt schätzungsweise 90 Prozent, zu berühren. Nach der üblichen Begrüßung durch Herrn Wittman, den Leiter des Literaturhauses, und dem stürmischen Applaus der Besucher, noch schnell ein Glas Wasser.Julia Franck2Julia Franck liest dann ca. 45 Minuten lang ruhig und betont den gesamten Prolog aus ihrem Buch „Die Mittagsfrau„. Es geht um die letzten Erlebnisse eines 8-jährigen Jungen Ende des zweiten Weltkriegs in Stettin. Es geht um Zerstörung, Bombenangriffe, Hunger, Vergewaltigung und um die Zurückweisung der Mutter. Diese lässt ihn auf der Flucht aus Stettin in einem Bahnhof sitzen und verschwindet für immer aus seinem Leben.Julia Franck3.1Es ist Literatur und nicht die Aufarbeitung ihrer eigenen Familiengeschichte, betont Julia Franck im Anschluss an die Lesung. Konzentriert, wie auch schon in der Lesung, widmet sie sich dann den vielen Besuchern um ihr Buch zu signieren.Julia Franck4Gegen 21.45 Uhr ist alles vorbei. Es ist ihre erste Lesung nach der Frankfurter Buchmesse. Viele werden folgen.Literaturhaus München