Shortlist zum Man Booker International Prize 2009

man-booker-2009Im Jahr 2005 wurde erstmals der  Man Booker International Prize verliehen (Preisgeld 60.000 Pfund), mit dem ein Autor beliebiger Nationalität für sein auf Englisch verfügbares (Gesamt-)Werk ausgezeichnet wird. Dieser Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Der Preis wurde ursprünglich von der britischen Firma Booker verliehen. Seit 2002 zeichnet die Stiftung Booker Prize Foundation verantwortlich für die Vergabe. Hauptsponsor ist Man Group, weshalb der offizielle Name Man Booker Prize for Fiction resp. Man Booker International Prize lautet.
Zu den bisherigen Preisträger gehören Ismail Kadare (2005) und Chinua Achebe (2007)

Die Nominierten für den internationalen Man Booker Preis 2009 sind folgende Autorinnen und Autoren:

Peter Carey (Australien, zweimal mit dem Booker Preis ausgezeichnet)
Evan S Connell (USA)
Mahasweta Devi (Indien)
E.L. Doctorow (USA, 1990 und 2006 den PEN/Faulkner Award)
James Kelman (Großbritannien, 1994 Booker Preis)
Mario Vargas Llosa (Peru, 1994 Cervantes-Preis, 1995 Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft, 1996 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2008 Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung)
ArnoСt Lustig (Tschechien, 2008 Franz-Kafka-Preis)
Alice Munro (Kanada, 1968, 1978, 1986 Governor General’s Award for Fiction, 1998, 2004 Giller Prize, 1998 National Book Critics Circle Award for Fiction)
V. S. Naipaul (Großbritannien, geb. Trinidad, 1971 Booker Preis, 2001 Literaturnobelpreis)
Joyce Carol Oates (USA, 1970 National Book Award, div. andere Auszeichnungen)
Antonio Tabucchi (Italien, 1994 Premio Campiello, 1998 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur)
Ngugi Wa Thiong†™O (Afrika, 1967 Jomo Kenyatta Award – Kenianischer Staatspreis für Literatur, 1973 Lotus-Preis der afro-asiatischen Schriftstellerkonferenz in Alma-Ata)
Dubravka Ugresic (Kroatien, 1999 Staatspreis für Europäische Literatur (Österreich), 1998 Preis der SWR-Bestenliste, 2000 Heinrich-Mann-Preis
Ludmila Ulitskaya (Russland, 2002 Booker Preis in Russland, div. andere)

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet heute die Auswahl der Nominierten für den internationalen Man Booker Preis 2009 als entgeisternd zufällig und mittelmäßig.

Der Gewinner wird Anfang Mai benannt. Der Preis soll am 25. Juni in Dublin überreicht werden.

Quellen: Man Booker Prize, Süddeutsche Zeitung

Ilija Trojanow erhält den Preis der Literaturhäuser

Der Schriftsteller Ilija Trojanow, 1965 in Bulgarien geboren, ist auf der Leipziger Buchmesse mit dem Preis der Literaturhäuser 2009 ausgezeichnet worden.

Die Programmleiter der Literaturhäuser Berlin, Frankfurt, Graz, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Rostock, Salzburg, Stuttgart und Zürich würdigten seine Romane, Reiseberichte und Essays als „einzigartige Sammlung von Beispielen und Modellen der Begegnung von Kulturen, die nicht unter dem Zeichen des Kampfes stattfinden“.

Der Preis der Literaturhäuser wird seit 2002 für außerordentliche Text- und Präsentationsqualitäten an einen deutschsprachigen Autor vergeben. Der Preis besteht aus einer Lesereise durch alle elf im Netzwerk vereinigten Literaturhäuser mit einem Gesamthonorar von 11.000 Euro sowie einem Empfang mit Laudatio in jedem besuchten Literaturhaus.

Zu den bisherigen Preisträgern der zum achten Mal vergebenen Auszeichnung gehören Ulrike Draesner (2002), Bodo Hell (2003), Peter Kurzeck (2004), Michael Lentz (2005), Uwe Kolbe (2006), Sibylle Lewitscharoff (2007) und Anselm Glück (2008).

Ilija Trojanow entstammt einer bulgarischen Familie, die 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland floh, wo sie Politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo der Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten hatte. Unterbrochen von einem Deutschlandaufenthalt in den Jahren 1977 bis 1981, in denen er von 1979 bis 1981 das Staatliche Landschulheim Marquartstein besuchte, lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi. Er besuchte die Deutsche Schule Nairobi, die er mit der Reifeprüfung abschloss. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris, und von 1985 bis 1989 studierte er an der Universität München Rechtswissenschaften und Ethnologie. Nachdem er dieses Studium abgebrochen hatte, gründete er 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, die beide auf Afrikanische Literatur spezialisiert waren. 1999 übersiedelte Trojanow nach Mumbai; in den folgenden Jahren beschäftigte er sich intensiv mit Indien. Von 2003 bis 2007 lebte Trojanow in Kapstadt; 2007 war er Mainzer Stadtschreiber. Er lebt in Wien.

Trojanow verfasste in den Neunzigerjahren einige Sachbücher und Reiseführer über Afrika, er gab eine Anthologie mit afrikanischer Gegenwartsliteratur heraus und übersetzte afrikanische Autoren. 1996 erschien sein erster eigener Roman Die Welt ist groß und Rettung lauert überall, in dem er die Erfahrungen seiner Familie als politische Flüchtlinge und Asylanten verarbeitete. Es folgten der Science-Fiction-Roman Autopol, der als „novel in progress†œ im Internet entstanden war, mit Hundezeiten ein Reisebericht über ein Wiedersehen mit der bulgarischen Heimat sowie Bücher über Trojanows indische Erfahrungen. In der Reportage Zu den heiligen Quellen des Islam beschrieb Trojanow seine Pilgerreise nach Mekka. Zu seinen erfolgreichsten Romanen zählt Der Weltensammler.

der-weltensammlerKurzbeschreibung
Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

Ilija Trojanow ist seit 2002 Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Im November 2007 war Trojanow im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur Dozent an der Universität Tübingen.

2007 drehte Trojanow den Film „Vorwärts und nie vergessen. Ballade über bulgarische Helden†œ, der noch im selben Jahr in 3sat und im ZDF zu sehen war. Diese Dokumentation basiert auf Gesprächen mit politischen Gefangenen und Zeitzeugen, die auf Jahre und Jahrzehnte in den Gefängnissen und Lagern Bulgariens verschwanden. Er handelt von den Verbrechen und Grausamkeiten der Kommunisten und den Lügen in der heutigen bulgarischen Gesellschaft.

Im April 2008 kuratierte Trojanow das Literaturfestival „RE ASIA – Avatar. Asiens Erzähler†œ im Berliner Haus der Kulturen der Welt.

Für die taz verfasst Trojanow im Wechsel mit mehreren anderen Autoren seit 2006 die wöchentliche Kolumne „Das Schlagloch“.

Ilija Trojanow wird in der Zeit vom 06. April bis 17. Juni 2009 eine Lesereise durch die Literaturhausstädte unternehmen.

Andreas Steinhöfel wird mit dem Erich Kästner Preis ausgezeichnet

Der in Berlin lebende deutsche Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel (1962) erhält den Erich-Kästner-Preis für Literatur 2009.

In unregelmäßigen Abständen verleiht die Erich Kästner Gesellschaft e.V einen Erich Kästner Preis für Literatur an deutschsprachige Schriftsteller, die im Sinne von Kästners Credo „herausragende schriftstellerische Werke mit zeitkritischen Zügen veröffentlicht“ haben. Die Gesellschaft hat sich der Pflege des Werks von Erich Kästner und seinem Andenken verschrieben hat. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert.

Andreas Steinhöfel ist der fünfte Preisträger seit 1979.  Bisher wurden Peter Rühmkorf, Loriot, Robert Gernhardt und Tomi Ungerer mit dem Erich Kästner Preis ausgezeichnet.

Andreas Steinhöfel wuchs in Biedenkopf (Hessen) auf und machte dort das Abitur. Er studierte zunächst Biologie und Englisch für das Lehramt, entschloss sich jedoch dann, ein Studium in Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften an der Universität Marburg zu beginnen.

Nach Abschluss des Studiums erschien 1991 sein erstes Jugendbuch Dirk und ich.

rico-oscar11Zu seinen bekanntesten Büchern zählt Paul Vier und die Schröders (1992), das mittlerweile zur Standardlektüre in deutschen Schulen zählt. Die Verfilmung des Buches gewann 1995 den Deutschen Kinderfilmpreis. Bei Jugendlichen ist vor allem sein Roman Die Mitte der Welt beliebt, der unter anderem für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1999 nominiert war, ebenso wie die Quasifortsetzung Defender †“ Geschichten aus der Mitte der Welt.

Der Erich Kästner Preis wird Andreas Steinhöfel am 07. März im Jella-Lepmann-Saal im Münchner Schloss Blutenburg verliehen. Dort, am Sitz der Internationalen Jugendbibliothek, ist auch das Domizil der Erich Kästner Gesellschaft e.V.

Bevor der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor am Abend  für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wird, kommen Kinder und Erwachsene bereits in den Genuss, an einer Lesung zur Buchpremiere aus dem zweiten Rico-Roman „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ teilzunehmen. Für alle Fans des tieferbegabten Berliner Jungen Rico, die die Fortsetzung der Geschichte von Rico und Oskar nicht abwarten können.
Empfohlen für Kinder ab 8 Jahren.
Anmeldung erforderlich: 089/891211-60, Eintritt 5 Euro

Adelbert-von-Chamissso-Preis 2009 geht an Artur Becker

Der deutsch-polnische Schriftsteller Artur Becker erhält den mit 15 000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2009. Die Auszeichnung für den deutsch schreibenden Autoren nichtdeutscher Muttersprache wird dem 1968 in Bartoszyce (Masuren) geborenen Schriftsteller am 05. März in München verliehen, teilte die Robert Bosch Stiftung am Dienstag in Stuttgart mit. Becker erhalte den Preis für sein Gesamtwerk als Romancier, Erzähler und Lyriker. Dieses hat nach Ansicht der Jury der deutschen Literatursprache neue Farben und Töne gegeben und die enge Verbundenheit von polnischem und deutschem Kulturraum in poetisch eindrucksvoller Weise bekräftigt.

Quellen: Süddeutsche Zeitung

Necla Kelek ehrt Frank Schirrmacher mit dem Ludwig-Börne-Preis

Der Autor und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Ludwig-Börne-Preis.

„Frank Schirrmacher ist ein herausragender Publizist, streitbarer Autor und führender Intellektueller in Deutschland†œ, heißt es in der Begründung der Jurorin, der türkischstämmigen Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek. „Immer wieder gelingt es ihm, unkonventionelle Themen zu lancieren. Seine Arbeiten zum demographischen Wandel und der Einzug naturwissenschaftlicher Fragestellungen aus der Hirnforschung und der Gentechnik in die deutschen Feuilletons gelten als Meilensteine seines Wirkens. Wie Ludwig Börne bricht er dabei mit alten Vorurteilen und beschreitet neue Wege.“

Die Auszeichnung wird am 7. Juni in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Der seit 1993 vergebene Preis erinnert an den scharfzüngigen jüdischen Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837), der aus Frankfurt stammte. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger sowie die Publizisten Rudolf Augstein, Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki und Joachim Fest.

Im vergangenen Jahr erhielt die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer die Auszeichnung.

Alleinige Jurorin war dieses Jahr Necla Kelek. Necla Kelek, geboren am 31. Dezember 1957 in Istanbul, ist eine promovierte deutsche Sozialwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin. Sie war von 1999 bis 2004 Lehrbeauftragte für Migrationssoziologie an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialpädagogik in Hamburg. Keleks Leitthema ist die „islamisch geprägte Parallelgesellschaft in Deutschland“. Sie lehnt eine Duldung einer nicht-emanzipatorischen Erziehung von Mädchen, aber auch von Jungen, in traditionalistischen islamischen Familien als „falsch verstandene Toleranz†œ entschieden ab.

Die Autorin, die immer wieder gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam kämpft, wird bei der Preisverleihung auch die Laudatio auf Schirrmacher halten.

Quellen: Frankfurter Allegmeine Zeitung, Wikipedia