Weiblich, jung, flexibelWeiblich, jung, flexibel: Von den wichtigen Momenten im Leben und wie man sie am besten verpasst von Felicitas Pommerening

Weiblich, jung, flexibel“ von Felicitas Pommerening, mit dem Untertitel „Von den wichtigen Momenten im Leben und wie man sie am besten verpasst“, erschien 2012 im Herder Verlag. Das Cover scheint zunächst auf eine begrenzte Zielgruppe hin zugeschnitten zu sein. Die Grafik von Saul Herrera von istockphoto.com zeigt eine junge Frau mit langen Wimpern und dunkel geschminktem Mund in einer widersprüchlichen Retro-Ästhetik. Sie trägt die Reizfarbe Pink gepaart mit einer dunklen, modernen Frisur. Ihr Blick ist eher frech, die Icons in ihrer Gedankenblase aber decken die Standardthemen von Computer bis Kinderwagen ab. Das Cover täuscht. Auf 163 Seiten plus 14 Seiten Nachwort entwickelt Pommerening Szenarien, die für ein weit breiteres Publikum lesenswert sind als es Titel und Aufmachung vermuten lassen. „Weiblich, jung, flexibel“ bietet nicht nur eine humorvolle, geschickt geschriebene Darstellung einer Lebensphase, sondern leistet darüberhinaus einen unprätentiösen und genau deswegen wichtigen Beitrag zu aktuellen Debatten.

In siebzehn Kapiteln erzählen zwei fiktive junge Frauen, Carlynn und Ellen, als Ich-Erzählerinnen von ihren Erfahrungen unmittelbar nach Abschluss eines geisteswissenschaftlichen Magisterstudiums. Es geht vor allem – aber nicht nur- um den Berufseinstieg und die damit verbundenen Weichenstellungen. Die abwechselnde Erzählstrukur erlaubt es Pommerening, nicht nur simultane Erfahrungen, sondern auch größere Zeitsprünge abzudecken, was für die Entwicklungsdynamik der Charaktere bedeutsam ist. „Weiblich, jung, flexibel“ postuliert nämlich nicht, sondern lebt von der Spannung des Hin- und Her: Konzepte werden revidiert, Wege angepasst.

Carlynn, zu Beginn des Buches vierundzwanzig, erleidet ihr erstes Vorstellungsgespräch bei einem Fernsehsender. Das Fazit der Ablehnung – zu brav – trifft ins Schwarze des bekannten, einigermaßen selbstgefälligen Vorwurfs seitens der sogenannten „68er“- Generation an die „unpolitische Jugend“. Mittlerweile gesetzt, aber wie ihr männlicher Interviewpartner unverändert stolz auf das Jahr USA mit der Harley, ist ihre Werteskala häufig so festgeeicht, dass auf Veränderungen nur reflexhaft reagiert wird.

In den Augen dieses Mannes habe ich ein Jahr rumhängen in Amerika nötig. Oder noch besser: Krach mit meinen Eltern. Gut wären auch einfach zwei sinnlose Ehrenjahre an der Uni gewesen. Eine komplette Note schlechter im Abschluss hätte ihm wahrscheinlich auch gefallen.

Pommerening geht nun aber nicht den einfachen Weg, die Erwartungen der älteren Generation um eines leichten Punktgewinns willen als stereotyp zu entlarven. Carlynn und ihr Freundeskreis hegen ausreichend Selbstzweifel an ihrem Werdegang, um sich dieser Kritik zu stellen. In Carlynns Fall bedeutet dies eine Reise nach Indien (!), genauer aber ein Aufenthalt bei einem Freund, der dort studiert. Sie nimmt den Initiationsritus als Messlatte, den der Mythosforscher Joseph Campbell in seinem vierbändigen Werk herausarbeitet, und will die vielleicht verpasste Konfrontation mit der „Unterwelt“ auf diese Weise nachholen.

Bezeichnenderweise reagieren ihre Freundinnen um einiges skeptischer auf das Vorhaben als ihre Eltern. Während ihrem Vater lediglich zu missfallen scheint, dass sie sich impfen lassen möchte (nicht nötig, hat er auch nie gemacht), gehen diese der Lebenslauf-Lücke ehrlicher auf den Grund. Was soll dieser Aufenthalt ohne zu arbeiten für die Jobsuche bringen?

Ich finde es nicht schlimm, zu schreiben, dass ich über zwei Monate durch Indien gereist bin. Das gibt mir doch ein interessantes Profil.
Aber du reist doch gar nicht“, unterbricht mich Bianca. „Du bleibst doch nur in Neu Delhi.

Dieser erfrischenden Ehrlichkeit verdankt das Buch nicht nur viele höchst unterhaltsame Stellen, sie funktioniert auch als Stilmittel. Immer wieder punkiert Pommerening damit etablierte Klischees und Posen. So berichtet eine deutlich selbstbewußtere Carlynn von einem späteren Vorstellungsgespräch:

Und ich erzähle zum Beispiel ungehindert, dass ich in meinem Auslandssemester rein gar nichts gelernt und mich vollkommen unwohl gefühlt habe.

Ellen stellt derweilen von Anfang an die Arbeitsplatzsuche infrage. Sie möchte außerberuflich mehr Zeit haben als sie es in ihrem Umfeld beobachtet und zielt daher auf eine Teilzeitstelle. Sie begründet das nicht rein hedonistisch, sondern wägt genau ab, wieviel Konsumverzicht sie dafür in Kauf nehmen möchte und würde. Sie befindet sich in einer bereits langjährigen Beziehung mit Matthias, einem angehenden Fotografen, und die beiden planen zusammenzuziehen. Bezeichnend für Pommerenings Darstellung sind weder der Mann noch die Freundin oder die Eltern das Problem. Matthias ist liebevoll und solidarisch, Carlynn eine richtig gute Freundin, kein Gegenpol. Es ist die Arbeitswelt selbst und darüberhinaus die Sinnfrage, mit der Ellens ursprüngliches Konzept kollidiert. In ihrem ersten und gleich erfolgreichen Vorstellungsgespräch bei einer Agentur läßt sie demgemäß ihr Anliegen gleich unter den Tisch fallen.

Nur an einer Stelle werde ich ein bisschen nervös, als ich frage:
„Und das ist auf jeden Fall eine Vollzeitstelle?“
„Jaja“, nickt der Personaler und lächelt beruhigend, als ob ich genau das hören wollte.
„Haben Sie überhaupt Teilzeitstellen?“ Ich frage, als ob es mich ganz unabhängig von meiner Person interessiert. Als wäre ich vom statistischen Bundesamt.
„Der Personaler guckt verwirrt.
„Ja schon. Wir haben ein paar Mütter, die in Teilzeit hier sind. Und Sabine arbeitet nur vormittags…“ Mit einer Handbewegung Richtung Glaswand zeigt er mir, wer Sabine ist: die Empfangsdame. Ich lasse das Thema ruhen und versichere ihm, dass ich an der Vollzeitstelle interessiert bin.

Carlynn und Ellen stoßen im Verlauf des Buches in verschiedenen Anstellungen auf typische Rahmenbedingungen: schlecht bezahlte und befristete Verträge, Zeitdruck und massive Überstunden, männliche Machtrituale in Meetings und Kundengesprächen, Stress und Motivationsverfall. Nach einem Mitarbeitergespräch, das wiederum in einen befristeten Vertrag mündet, schlittert Ellen in eine ungeplante Diskussion mit ihrem Chef über den Wert von Teilzeitarbeit.

Ich will engagiert und interessiert sein. Und ich weiß, dass ich das in Teilzeit sein werde. Aber in Vollzeit ist es einfach zu viel. Ich habe keinen Ausgleich. Die Arbeit frisst alles auf. Irgendwann werde ich fünf Tage die Woche desinteressiert sein – statt drei Tage die Woche motiviert. Genau das möchte ich vermeiden.

Beiden Frauen ist bewußt, dass sie hinter Eigenständigkeit und wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht zurück können und wollen. Als Matthias‘ Mutter Ellen – unaufdringlich und offen – anbietet, sie könne sich in Teilzeit in ihrem Blumenladen ausbilden lassen und, wenn gewünscht, später übernehmen, eröffnet Pommerening zwar – hinterlistig wie durch ein Schlüsselloch – den Blick auf ein kleines Paradies (Kinderbetreuung ist bereits mitbedacht), aber Ellen lehnt letztlich ab.

In meinem Kopf sehe ich Suffragetten, die kurz ihr Scheiben-Einwerfen unterbrechen und ihre Backsteine beiseitelegen, um zu applaudieren.

Dennoch verteidigt Pommerening in diesem Buch fast ketzerisch die Zeit und Energie, die Beziehungen – zu Liebespartnern, Kindern und Freunden – eben auch fordern. In dieser Ökonomie ist es daher nicht selbstverständlich, dass alle Beteiligten fraglos gleich viele Stunden mit ihrer Erwerbsarbeit verbringen. Damit bezieht sie Stellung in einer Debatte, in der seit einiger Zeit Prototypen – vor allem weibliche – gehyped werden, deren Karriereerfolg auf einem Arbeitseinsatz ohne Grenzen beruht. Katie Stanton, in einer Leitungsposition bei Twitter, ist so ein Leistungswunder, welches eine 70-Stunden-Woche mit Familie verbindet. Warum kann das nicht jede?

Widerstand dagegen ist in der gesellschaftlichen Debatte nicht auf Frauen beschränkt, Männer stellen ebenfalls die Frage, ob es oberstes Ziel sein kann, zwar flexibel, aber dafür rund um die Uhr zu arbeiten. Die Stundenanzahl verhält sich nicht proportional zur Qualität der Arbeit – wogegen im Buch überzeugend polemisiert wird – und wenn es immer weniger Arbeit gibt, warum sollte sie nicht allgemein verteilt werden. Dennoch richtet sich dieses Spotlight derzeit vor allem auf Frauen. Ines Kappert findet dazu folgendes Schlußwort in ihrem Beitrag zu Hanna Rosins „Das Ende der Männer. Und der Aufstieg der Frauen„:

Leistungsfetischismus als Lebenssinnersatz, das alles ist keine Frauenangelegenheit. Das ist der kollektive Wahnsinn der Mittelschichten, er hat nur ein weibliches Gesicht bekommen. Aber dafür haben wir uns doch nicht emanzipiert, oder? (taz vom 01.02.13; „Ich arbeite also bin ich“)

Carlynn macht in Indien vor allem die Erfahrung – die sie nach eigener Einschätzung genauso gut in Köln hätte machen können – dass sie mit ihrer „Normalität“ eigentlich kein Problem hat. Sie hat immer weniger Lust, sich dafür zu rechtfertigen, dass sie eine „gerade gewachsene Pflanze ist“, die ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern hat und nicht gern auf Demos geht.

Die Frage, ob man aus Afghanistan jetzt raus soll oder nicht, ist doch auf keinen Fall so einfach und klar zu beantworten wie damals, als es um Vietnam ging. […] Wer kann schon sagen, was die beste Lösung ist, jetzt, wo wir schon einmarschiert sind. Vor allem kann man nicht wie damals einfach sagen: „Wir müssen da raus.“ Man kann höchstens sagen: „Dieses und jenes sollten wir dort nicht tun, aber dieses und jenes muss jetzt noch erledigt werden, bevor man das Land sich selbst überlässt.“ Das passt nicht so gut auf ein Demo-Banner, was?“

Als sie unter ihrer ausbeuterischen Trainee-Ausbildung fast panikartige Stress-Symptome ausbildet, kommt ihr Moment der konkreten politischen Einmischung. Er resultiert in einem neuerlichen Jobwechsel. Weiblich, jung, flexibel.

In Carlynns Reflexionen thematisiert Pommerening eine weitere vieldebattierte Veränderung im Verhältnis der Generationen und in der etablierten Auffassung vom „richtigen“ Jung-Sein. Wie auch schon in Lara Fritzsches vergleichbarem Ansatz („Das Leben ist kein Ponyhof“, Kiepenheuer & Witsch, 2009) wehren sich junge Menschen zu Recht dagegen vor eine mythifizierte Folie gestellt und dann auf Abweichungen hin untersucht zu werden. Die „Generation So-und-so“ Schlagwörter sind ermüdend, wenn sie nur dazu dienen, auszudrücken, dass es eigentlich ganz anders gehört. Hier hinterfragt Pommerening vielleicht einen weiteren Mythos: hat es eigentlich wirklich jemals jemandem gut getan, sich in der „Unterwelt“ Schmerz und Schädigungen zuzufügen ? Wer weiß das schon.

Im Nachwort empfiehlt sie jedenfalls gleichmütig:

Und wenn man keinen Sinn darin sieht, sich gegen die eigenen Eltern aufzulehnen oder in irgendeiner anderen Weise zu rebellieren, dann kann man es getrost bleiben lassen.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 12. Januar 2012 im Herder Verlag (180 Seiten)
Die beiden Freundinnen Carlynn und Ellen haben ihren Universitätsabschluss in der Tasche und stehen vor den großen Fragen: Was wollen wir eigentlich? Wie sieht die Zukunft aus? Traummann? Kinder? Job? Bei ihrer Suche nach Antworten stoßen sie auf die Schwierigkeiten, die viele haben: Beruflicher Druck steht gegen eigene Wünsche; persönlicher Ehrgeiz gegen die Einflüsse von Freunden und Familie. Und die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung muss immer wieder abgewogen werden gegen die Erwartungen der Gesellschaft. Felicitas Pommerening schreibt über eine Generation, die mehr Möglichkeiten hat als jede andere zuvor, und über die Schwierigkeiten, dabei das eigene Glück zu finden.

Über die Autorin
Felicitas Pommerening, geb. 1982, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Mainz. Nach dem Studium hat sie jährlich den Job und den Wohnort gewechselt, bis sie keine Lust mehr hatte. 2011 hat sie ihre medienwissenschaftliche Doktorarbeit abgeschlossen. Weitere Informationen unter: www.felicitaspommerening.de

Entschuldigung, was ist ein Opfer-Abo? Dass Jörg Kachelmann dieses Wort im letzten Jahr in diversen Interviews verwendet und damit Frauen gemeint hat, die ein „Opfer-Abo“ hätten und so ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen, ist völlig an mir vorbeigegangen.

In einem Interview im Spiegel vom 8. Oktober 2012 sagte Jörg Kachelmann zum Beispiel: „Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.

Kachelmanns PR für sein Buch, das im Jahr 2012 mit großem Medienrummel auf den Markt kam, fand ich einfach unerträglich. Umso mehr freut es mich, dass die unabhängig und ehrenamtlich arbeitende Jury, die seit 1994 das „Unwort des Jahres“ wählt, nun darauf hinweist.

Das Wort „Opfer-Abo“ stelle Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein. Das hält die Jury angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5 bis 8 Prozent der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei in nur bei 3 bis 4 Prozent der Fälle zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren komme, für sachlich grob unangemessen. Das Wort verstoße damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer, lautet die Jurybegründung.

Weitere Unwörter für das Jahr 2012 sind Pleite-Griechen und Lebensleistungsrente.

Insgesamt waren für die Wahl zum „Unwort des Jahres 2012“ 2232 Einsendungen mit 1019 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. Am häufigsten vorgeschlagen wurde das Wort „Schlecker-Frauen„, ein Begriff aus der Krise der Drogeriemarktkette Schlecker.

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Unwort des Jahres.
Quelle Logo: © Unwort des Jahres – Webseite

 

Kindermund“ lautet der Titel von Pola Kinskis Autobiografie ihrer Kindheit und Jugend, die am 14. Januar 2013 im Insel Verlag erscheint. Sie erzählt, wie es war, die Tochter von Klaus Kinski zu sein, der sie über 14 Jahre hinweg sexuell missbraucht und vergewaltigt haben soll. Unsentimental und schonungslos rechnet sie mit dem großen Schauspieler ab, für den es als selbstverständlich galt, sich über alle Grenzen hinwegzusetzen und der es skrupellos in Kauf nahm, das Leben des eigenen Kindes zu zerstören.

Kindermund von Pola Kinski
Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 14. Januar 2013 im Insel Verlag (Leseprobe) – 267 Seiten
Pola Kinski ist drei Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden lassen. Sie ist das erste Kind von Klaus Kinski, einem aufstrebenden Schauspieler, damals, Mitte der fünfziger Jahre. Nach der Scheidung lebt das Kind bei Mutter und Großvater in München; seinen Vater sieht es nur selten. Alles ändert sich, als Kinski in Fernsehen und Kino der Durchbruch gelingt. Er holt seine Tochter bei jeder Gelegenheit zu sich nach Berlin und später nach Rom, lässt sie zu den wechselnden Drehorten nachreisen. Pola erlebt die Tobsuchtsanfälle und die Verschwendungssucht ihres Vaters: Er brüllt auf sie ein und überhäuft sie mit Geschenken und Geld. Was sie sich sehnlichst wünscht, die Liebe und Geborgenheit der Eltern, versagen ihr Mutter wie Vater. Die Zuwendung der einen gilt bald nur mehr dem neuen Mann und zweiten Kind. Der andere macht die eigene Tochter über Jahre zu seiner Kindfrau.

Aus dem Buch
Ich friere, und zugleich ist mir heiß. Ich rieche die Angst, die aus meinen Poren drängt, und doch spüre ich mich nicht. Ich fasse nach der Glut der Zigarette, ich spüre sie nicht. Ich zwicke mir in die Wange, ich spüre mich nicht. Ich befinde mich in einer Kugel, sie ist durchsichtig. Eine Haut wie eine Seifenblase trennt mich vom Leben.

Über Pola Kinski
Pola Kinski, geboren 1952 in Berlin, wuchs nach der Scheidung ihrer Eltern 1955 zuerst bei ihrer Mutter und später bei ihrem Vater auf. Sie ist die Halbschwester von Nastassja Kinski und Nikolai Kinski. Anfang der 1970er Jahre studierte sie Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Neben Filmrollen übernahm sie Engagements am Schauspielhaus Bochum und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Ab 1977 arbeitete sie als freiberufliche Schauspielerin und lebte in Berlin und Paris. Sie spielte zudem in mehreren Fernsehfilmen mit.

Mehr dazu: Klaus Kinski – Das Böse bleibt von Arno Frank, Spiegel Online Kultur vom 11. Januar 2013

Bitterfittan” lautet der verstörende und provokante Originaltitel von Maria Svelands Debütroman, der im Frühjahr 2009 in deutschsprachiger Übersetzung bei Kiepenheuer & Witsch unter “Bitterfotze“ erschienen ist und für viel Aufsehen sorgte. Am 7. Januar 2013 ist der zweite Roman der 38-jährigen schwedischen Autorin, TV- und Hörfunkjournalistin und Feministin unter dem Titel „Häschen in Grube“ in den Handel gekommen. Geht es in „Bitterfotze“ um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, behandelt Maria Sveland in Häschen in der Grube das Thema Missbrauch.

Es beginnt mit einem Alten, der im Wald „mit seinem Rhabarber“ wedelt, und endet als Tragödie. Maria Sveland seziert sexuelle Gewalt in einer von Männern geprägten Gesellschaft.

Die Worte, die Sveland findet sind nicht zu eklig, nichts klingt jämmerlich, nichts albern. Es kann vielleicht gar kein schönes Buch sein, aber es ist ein ernsthaft Gutes„, schreibt Maren Keller in einer ausführlichen Rezension auf Spiegel Online Kultur, die am 7. Januar unter dem Titel „Der Gott der alten Männerschweine“ veröffentlicht wurde.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 7. Januar 2013 bei KiWi-Paperback
Ein radikaler Roman, der die Macht der Männer über die Frauen zeigt.
Die Freundinnen Emma und Julia sind in den Achtzigerjahren zwölf Jahre alt. Julia lebt mit ihrem Bruder in einer Familie mit gutbürgerlicher Fassade, doch ihr Vater Carl ist gewalttätig und unberechenbar, ihre Mutter Gisela leidet still vor sich hin und hat den Draht zu den Kindern verloren. Emma hingegen wächst bei ihrer alleinerziehenden und unkonventionellen Mutter Annika auf, die meist ein offenes Ohr für die Sorgen der Mädchen hat. Als die Sommerferien sich dem Ende zuneigen und eine Hitzewelle über Stockholm liegt, taucht auf einmal ein Mann im Wald auf. Sein plötzliches Erscheinen fasziniert und erschreckt die Mädchen gleichermaßen und läutet einen Strudel von Ereignissen ein, der das Leben der beiden für immer verändert. Ein Roman, der zeigt, wie wenig die Gesellschaft in der Lage ist, Mädchen und Frauen vor gewalttätigen Männern zu schützen.

Quelle Foto: Maria Sveland – Wikipedia © Arild Vågen unter CC BY-SA 3.0

Leseprobe

Die 74-jährige deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb erhält den mit 5.500 Euro dotierten Roswitha-Preis 2012 der Stadt Bad Gandersheim.

Mit Erb wird eine sprachgewaltige, experimentierfreudige, auf die Geheimnisse der Poesie und der Welt konzentrierte Dichterin gewürdigt. Die Autorin gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Stimmen der deutschen Poesie. Bis zur Wende war sie in der DDR eine kompromisslose Dichterin, die zu keiner ästhetischen Anpassung bereit war„, urteilte die Jury.

Der Roswitha-Preis ist der älteste deutschsprachige Literaturpreis, der ausschließlich an Frauen vergeben wird. Seit 1973 würdigt die Stadt Bad Gandersheim, Wirkungsstätte der Namensgeberin, herausragende literarische Einzelleistungen europäischer Autorinnen. Ihre Werke können allen Bereichen literarischen Schaffens angehören. Die Jury kann aus bis zu neun Mitgliedern bestehen, wobei Politiker und Verwaltungsmitarbeiter ausgeschlossen sind. Die Vorjahressiegerin ist automatisch Jurymitglied im darauffolgenden Jahr.

Quelle Foto: Wikipedia Roswitha von Gandersheim