Ilija Trojanow erhält den Preis der Literaturhäuser

Der Schriftsteller Ilija Trojanow, 1965 in Bulgarien geboren, ist auf der Leipziger Buchmesse mit dem Preis der Literaturhäuser 2009 ausgezeichnet worden.

Die Programmleiter der Literaturhäuser Berlin, Frankfurt, Graz, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Rostock, Salzburg, Stuttgart und Zürich würdigten seine Romane, Reiseberichte und Essays als „einzigartige Sammlung von Beispielen und Modellen der Begegnung von Kulturen, die nicht unter dem Zeichen des Kampfes stattfinden“.

Der Preis der Literaturhäuser wird seit 2002 für außerordentliche Text- und Präsentationsqualitäten an einen deutschsprachigen Autor vergeben. Der Preis besteht aus einer Lesereise durch alle elf im Netzwerk vereinigten Literaturhäuser mit einem Gesamthonorar von 11.000 Euro sowie einem Empfang mit Laudatio in jedem besuchten Literaturhaus.

Zu den bisherigen Preisträgern der zum achten Mal vergebenen Auszeichnung gehören Ulrike Draesner (2002), Bodo Hell (2003), Peter Kurzeck (2004), Michael Lentz (2005), Uwe Kolbe (2006), Sibylle Lewitscharoff (2007) und Anselm Glück (2008).

Ilija Trojanow entstammt einer bulgarischen Familie, die 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland floh, wo sie Politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo der Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten hatte. Unterbrochen von einem Deutschlandaufenthalt in den Jahren 1977 bis 1981, in denen er von 1979 bis 1981 das Staatliche Landschulheim Marquartstein besuchte, lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi. Er besuchte die Deutsche Schule Nairobi, die er mit der Reifeprüfung abschloss. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris, und von 1985 bis 1989 studierte er an der Universität München Rechtswissenschaften und Ethnologie. Nachdem er dieses Studium abgebrochen hatte, gründete er 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, die beide auf Afrikanische Literatur spezialisiert waren. 1999 übersiedelte Trojanow nach Mumbai; in den folgenden Jahren beschäftigte er sich intensiv mit Indien. Von 2003 bis 2007 lebte Trojanow in Kapstadt; 2007 war er Mainzer Stadtschreiber. Er lebt in Wien.

Trojanow verfasste in den Neunzigerjahren einige Sachbücher und Reiseführer über Afrika, er gab eine Anthologie mit afrikanischer Gegenwartsliteratur heraus und übersetzte afrikanische Autoren. 1996 erschien sein erster eigener Roman Die Welt ist groß und Rettung lauert überall, in dem er die Erfahrungen seiner Familie als politische Flüchtlinge und Asylanten verarbeitete. Es folgten der Science-Fiction-Roman Autopol, der als „novel in progress†œ im Internet entstanden war, mit Hundezeiten ein Reisebericht über ein Wiedersehen mit der bulgarischen Heimat sowie Bücher über Trojanows indische Erfahrungen. In der Reportage Zu den heiligen Quellen des Islam beschrieb Trojanow seine Pilgerreise nach Mekka. Zu seinen erfolgreichsten Romanen zählt Der Weltensammler.

der-weltensammlerKurzbeschreibung
Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

Ilija Trojanow ist seit 2002 Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Im November 2007 war Trojanow im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur Dozent an der Universität Tübingen.

2007 drehte Trojanow den Film „Vorwärts und nie vergessen. Ballade über bulgarische Helden†œ, der noch im selben Jahr in 3sat und im ZDF zu sehen war. Diese Dokumentation basiert auf Gesprächen mit politischen Gefangenen und Zeitzeugen, die auf Jahre und Jahrzehnte in den Gefängnissen und Lagern Bulgariens verschwanden. Er handelt von den Verbrechen und Grausamkeiten der Kommunisten und den Lügen in der heutigen bulgarischen Gesellschaft.

Im April 2008 kuratierte Trojanow das Literaturfestival „RE ASIA – Avatar. Asiens Erzähler†œ im Berliner Haus der Kulturen der Welt.

Für die taz verfasst Trojanow im Wechsel mit mehreren anderen Autoren seit 2006 die wöchentliche Kolumne „Das Schlagloch“.

Ilija Trojanow wird in der Zeit vom 06. April bis 17. Juni 2009 eine Lesereise durch die Literaturhausstädte unternehmen.

Andreas Steinhöfel wird mit dem Erich Kästner Preis ausgezeichnet

Der in Berlin lebende deutsche Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel (1962) erhält den Erich-Kästner-Preis für Literatur 2009.

In unregelmäßigen Abständen verleiht die Erich Kästner Gesellschaft e.V einen Erich Kästner Preis für Literatur an deutschsprachige Schriftsteller, die im Sinne von Kästners Credo „herausragende schriftstellerische Werke mit zeitkritischen Zügen veröffentlicht“ haben. Die Gesellschaft hat sich der Pflege des Werks von Erich Kästner und seinem Andenken verschrieben hat. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert.

Andreas Steinhöfel ist der fünfte Preisträger seit 1979.  Bisher wurden Peter Rühmkorf, Loriot, Robert Gernhardt und Tomi Ungerer mit dem Erich Kästner Preis ausgezeichnet.

Andreas Steinhöfel wuchs in Biedenkopf (Hessen) auf und machte dort das Abitur. Er studierte zunächst Biologie und Englisch für das Lehramt, entschloss sich jedoch dann, ein Studium in Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften an der Universität Marburg zu beginnen.

Nach Abschluss des Studiums erschien 1991 sein erstes Jugendbuch Dirk und ich.

rico-oscar11Zu seinen bekanntesten Büchern zählt Paul Vier und die Schröders (1992), das mittlerweile zur Standardlektüre in deutschen Schulen zählt. Die Verfilmung des Buches gewann 1995 den Deutschen Kinderfilmpreis. Bei Jugendlichen ist vor allem sein Roman Die Mitte der Welt beliebt, der unter anderem für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1999 nominiert war, ebenso wie die Quasifortsetzung Defender †“ Geschichten aus der Mitte der Welt.

Der Erich Kästner Preis wird Andreas Steinhöfel am 07. März im Jella-Lepmann-Saal im Münchner Schloss Blutenburg verliehen. Dort, am Sitz der Internationalen Jugendbibliothek, ist auch das Domizil der Erich Kästner Gesellschaft e.V.

Bevor der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor am Abend  für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wird, kommen Kinder und Erwachsene bereits in den Genuss, an einer Lesung zur Buchpremiere aus dem zweiten Rico-Roman „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ teilzunehmen. Für alle Fans des tieferbegabten Berliner Jungen Rico, die die Fortsetzung der Geschichte von Rico und Oskar nicht abwarten können.
Empfohlen für Kinder ab 8 Jahren.
Anmeldung erforderlich: 089/891211-60, Eintritt 5 Euro

Adelbert-von-Chamissso-Preis 2009 geht an Artur Becker

Der deutsch-polnische Schriftsteller Artur Becker erhält den mit 15 000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2009. Die Auszeichnung für den deutsch schreibenden Autoren nichtdeutscher Muttersprache wird dem 1968 in Bartoszyce (Masuren) geborenen Schriftsteller am 05. März in München verliehen, teilte die Robert Bosch Stiftung am Dienstag in Stuttgart mit. Becker erhalte den Preis für sein Gesamtwerk als Romancier, Erzähler und Lyriker. Dieses hat nach Ansicht der Jury der deutschen Literatursprache neue Farben und Töne gegeben und die enge Verbundenheit von polnischem und deutschem Kulturraum in poetisch eindrucksvoller Weise bekräftigt.

Quellen: Süddeutsche Zeitung

Necla Kelek ehrt Frank Schirrmacher mit dem Ludwig-Börne-Preis

Der Autor und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Ludwig-Börne-Preis.

„Frank Schirrmacher ist ein herausragender Publizist, streitbarer Autor und führender Intellektueller in Deutschland†œ, heißt es in der Begründung der Jurorin, der türkischstämmigen Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek. „Immer wieder gelingt es ihm, unkonventionelle Themen zu lancieren. Seine Arbeiten zum demographischen Wandel und der Einzug naturwissenschaftlicher Fragestellungen aus der Hirnforschung und der Gentechnik in die deutschen Feuilletons gelten als Meilensteine seines Wirkens. Wie Ludwig Börne bricht er dabei mit alten Vorurteilen und beschreitet neue Wege.“

Die Auszeichnung wird am 7. Juni in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Der seit 1993 vergebene Preis erinnert an den scharfzüngigen jüdischen Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837), der aus Frankfurt stammte. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger sowie die Publizisten Rudolf Augstein, Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki und Joachim Fest.

Im vergangenen Jahr erhielt die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer die Auszeichnung.

Alleinige Jurorin war dieses Jahr Necla Kelek. Necla Kelek, geboren am 31. Dezember 1957 in Istanbul, ist eine promovierte deutsche Sozialwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin. Sie war von 1999 bis 2004 Lehrbeauftragte für Migrationssoziologie an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialpädagogik in Hamburg. Keleks Leitthema ist die „islamisch geprägte Parallelgesellschaft in Deutschland“. Sie lehnt eine Duldung einer nicht-emanzipatorischen Erziehung von Mädchen, aber auch von Jungen, in traditionalistischen islamischen Familien als „falsch verstandene Toleranz†œ entschieden ab.

Die Autorin, die immer wieder gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam kämpft, wird bei der Preisverleihung auch die Laudatio auf Schirrmacher halten.

Quellen: Frankfurter Allegmeine Zeitung, Wikipedia

Deutscher Hörbuchpreis 2009: Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Celine

celine2Das Hörspiel „Reise ans Ende der Nacht“ von Louis-Ferdinand Céline (Hörverlag) hat den Deutschen Hörbuchpreis 2009 in der Kategorie „Das besondere Hörbuch / Klanggestaltung“ gewonnen. Die Produktion besticht durch ihr „beeindruckend konsequentes, dabei vielschichtiges klanggestalterisches Konzept„, heißt es in der Begründung der Jury. Der Deutsche Hörbuchpreis wird von WDR, WDR Mediagroup, Börsenverein, „Focus“ und lit.Cologne vergeben und ist mit insgesamt 23 000 Euro dotiert.

Reise ans Ende der Nacht ist ein Roman von Louis-Ferdinand Céline, 1932 unter dem Titel Voyage au bout de la nuit in Paris erschienen. Der Episodenroman erzählt lückenhaft die Geschichte des Ferdinand Bardamu, der den Wirren des Ersten Weltkrieges entkommt und nach Stationen in Afrika und Amerika nach Paris zurückkehrt, dort Medizin studiert, sich als Armenarzt durchschlägt und schließlich zum kommissarischen Leiter einer psychiatrischen Einrichtung am Stadtrand wird. Immer wieder tritt die tragisch-skrupellose Gestalt des Léon Robinson auf und verleiht der Handlung die entscheidenden Wendungen. Den Stationen sind Bardamus Liebschaften als charakteristische Frauenfiguren zugeordnet.

Seine sprachliche Lebhaftigkeit bezieht der Roman aus dem drastischen Einsatz mündlicher Redewendungen, ohne sich dabei auf die direkte Rede zu beschränken. Eine frühe Übersetzung von Isak Grünberg (1933 für den Piper-Verlag erstellt) ist überarbeitet 1933 im Verlag Julius Kittls Nachfolger erschienen. 2003 hat Hinrich Schmidt-Henkel für Rowohlt den Text vollständig neu übersetzt.

Kurzbeschreibung
Die Nacht kam 1932 in die Welt. Sie ist lang, wahrscheinlich wird sie ewig dauern. Die Reise des Kriegsfreiwilligen, Armenarztes, Weltverächters Ferdinand Bardamu ans Ende der Welt, dorthin, wo es keinen Grund zur Hoffnung mehr gibt, kein menschliches Gefühl, keinen Fortschritt, sondern nur den klaren Blick ins Nichts. Diese Reise hat die Welt erschüttert. Fast 20 Schauspieler setzen unter der Regie von Ulrich Lampen dieses Meisterwerk in Szene. Der Rhythmus der Prosa ist von Céline, akustisch erfahrbar wird das verstörende Kunstwerk erstmals in der Hörspielinszenierung des Bayerischen Rundfunks.

Über den Autor
Louis-Ferdinand Celine, geboren 1894 in Courbevoie, gestorben 1961 in Meudon.
Nach seiner Entlassung aus der Armee war er 1916/1917 als Verwalter auf einer Plantage in Schwarzafrika tätitg. Wieder zurück in Frankreich studierte er Medizin und arbeitete als Arzt für den Völkerbund. 1927 verließ er den Völkerbund und ließ sich als Armenarzt in Clichy bei Paris nieder. 1932 erschien sein berühmter erster Roman „Reise ans Ende der Nacht“. Ab 1937 entzweite sich das intellektuelle Paris mit ihm, weil er neben seinen Romanen antisemitische Pamphlete verfasste.

Erscheinungstermin: 14.03.2008, Der Hörverlag (Hörprobe), 5 CDs / 263 Min., 29,95 Euro.

Der Titel „Beste Interpretin“ ging an die Schauspielerin Irm Hermann für ihren Monolog der Emmy Göring in „Enigma Emmy Göring“ von Werner Fritsch (ebenfalls Hörverlag).

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Hermann zeige, wie „raffiniert die Nazi-Gattin ihre scheinbare Naivität inszenierte“, lobt die Jury.

Louis Pergauds Klassiker „Der Krieg der Knöpfe“ (Headroom) erhält die Auszeichnung als „Bestes Kinderhörbuch“.

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Quelle: Börsenblatt