Thomas Mann und München. Rückblick und Ausblicke

thomas-mannAm Freitag, den 19.06.09, findet im Literaturhaus München ein Abend mit Frido Mann, Oberbürgermeister Christian Ude, Dieter Borchmeyer und Dirk Heißerer statt.

Moderation: Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk)

In den letzten 10 Jahren fanden auf Initiative des Thomas-Mann-Förderkreises München mehr als 140 Veranstaltungen an unterschiedlichsten Orten in München statt, das Bewusstsein für den „wichtigsten Autor, der jemals in München gewirkt hat“ (Marcel Reich-Ranicki), wurde stets wach gehalten.

Zum Jubiläum ist der Enkel Thomas Manns und Schirmherr des Förderkreises, Professor Frido Mann, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Christian Ude, und der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Professor Dieter Borchmeyer, eingeladen, zusammen mit Dirk Heißerer, Leiter des Thomas-Mann-Förderkreises München, über die Förderung von Werk und Leben Thomas Manns zu reden.

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus, Thomas-Mann-Förderkreis e.V.
Eintritt: Euro 8.- / 6.-

ACHTUNG! Wie das Literaturhaus eben mitgeteilt hat, gibt es gleich zu Beginn des Jahres eine krankheitsbedingte Absage, Heinricht Breloer muss seine Buddenbrooks-Tour für ein paar Tage unterbrechen und kann am 08. Januar nicht ins Literaturhaus kommen.

Die Buddenbrooks
Am Donnerstag, den 08.01.09, um 20 Uhr spricht Heinrich Breloer mit Adrian Prechtel und Dirk Heißerer über die Buddenbrooks im Münchner Literaturhaus.

Der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Mann-Kenner Heinrich Breloer (Die Manns – Ein Jahrhundertroman) hat Thomas Manns Buddenbrooks in großartiger Besetzung und an Originalschauplätzen verfilmt. Auf welche Kapitel wurde verzichtet? Wo wurde ergänzt? Und kann man ein solches Buch überhaupt filmisch umsetzen?
Im Literaturhaus spricht er mit Adrian Prechtel, Filmspezialist der Abendzeitung, und Dirk Heißerer, Vorsitzender des Thomas-Mann-Förderkreises München, über die Dreharbeiten und diskutiert über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer Literaturverfilmung.

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus, THOMAS-MANN-FÖRDERKREIS MÜNCHEN e.V.
Eintritt: Euro 8,00 / 6,00 – Kartenreservierung: Tel. 089 / 291934-27

Kurzbeschreibung
Wer mehr wissen will über Heinrich Breloers Neuverfilmung der »Buddenbrooks«, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Als klassisches »Making-of« erlaubt es einzigartige Blicke hinter die Kulissen, die nicht nur dem Verständnis des Films dienen, sondern auch die Aktualität von Thomas Manns Roman vor Augen führen. Anhand der großartigen Bilder des Fotografen Stefan Falke entsteht ein faszinierendes Album, das mit Schlüsselstellen die Handlung des Films nacherzählt, das aber auch einzelne Figuren und Schauspieler porträtiert und insgesamt das Entstehen des Films, die Arbeit an Details ebenso wie die Opulenz der Ausstattung, dokumentiert.

Über den Autor
Heinrich Breloer (geb. 1942) studierte in Bonn und Hamburg Literaturwissenschaft und Philosophie. Er lebt heute als Filmemacher und Autor in Köln und hat über 30 Filmdokumentationen gedreht. Darunter: »Das Beil von Wandsbek«, »Treffpunkt im Unendlichen«, »Todesspiel« sowie »Speer und Er«. Der bislang größte Erfolg des mehrfachen Grimme-Preisträgers war das Doku-Drama »Die Manns« mit Armin Mueller-Stahl in der Rolle Thomas Manns. »Buddenbrooks« ist der erste Spielfilm Heinrich Breloers.

Der Kinofilm adaptiert mit Buddenbrooks. Verfall einer Familie einen der bedeutendsten Romane deutscher Sprache, für den Thomas Mann 1929 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Heinrich Breloers Verfilmug der „Buddenbrooks“ wird das Kinoereignis der besonderen Art: Er zeigt das Drama um Glanz und Untergang der reichen Lübecker Kaufmannsfamilie in intimen, Anteil nehmenden und vielschichtigen Szenen.
Angelehnt an die literarische Vorlage schildert er das bewegende Schicksal der traditionsreichen Kaufmannsfamilie Buddenbrook in der Hansestadt Lübeck im 19. Jahrhundert. Über drei Generationen erleben die Zuschauer, wie eine wohlhabende Patrizierfamilie am Lebenskonflikt zwischen geschäftlichen Interessen und Streben nach persönlichem Glück langsam zerbricht.

Der vielfache Grimme-Preisträger Dr. Heinrich Breloer hatte 2001 mit dem Doku-Drama „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ bereits auf faszinierende Weise die Familiengeschichte Thomas Manns portraitiert und setzt dessen wichtigstes Werk nun als Kino-Spielfilm um. Mit Armin Mueller-Stahl (Konsul Jean), Iris Berben (Konsulin Bethsy), Jessica Schwarz (Tony), August Diehl (Christian) sowie Mark Waschke (Thomas) in den Hauptrollen versammelt er hierfür einige der namhaftesten und beliebtesten deutschen Schauspieler vor der Kamera. Das Drehbuch schrieb Heinrich Breloer gemeinsam mit seinem langjährigen Co-Autor Dr. Horst Königstein.

Kurzbeschreibung
Wer mehr wissen will über Heinrich Breloers Neuverfilmung der »Buddenbrooks«, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Als klassisches »Making-of« erlaubt es einzigartige Blicke hinter die Kulissen, die nicht nur dem Verständnis des Films dienen, sondern auch die Aktualität von Thomas Manns Roman vor Augen führen. Anhand der großartigen Bilder des Fotografen Stefan Falke entsteht ein faszinierendes Album, das mit Schlüsselstellen die Handlung des Films nacherzählt, das aber auch einzelne Figuren und Schauspieler porträtiert und insgesamt das Entstehen des Films, die Arbeit an Details ebenso wie die Opulenz der Ausstattung, dokumentiert.

Das Hörspiel zum Film erscheint bereits am 21. November, also vier Wochen vor dem Kinostart am 25. Dezember, im Hörverlag.
Regisseur Heinrich Breloer selbst verfasste mit seinem Co-Autor Horst Königstein das Erzählmanuskript und setzt den Film in eine einzigartig verdichtete und nachhaltig beeindruckende Hörspielfassung mit den Originalstimmen des Films, Friedhelm Ptok als Erzähler und der von Hans Peter Ströer komponierten Filmmusik, um.

„Im Unterschied zum Film konnte ich hier eine Menge vom Originalerzähler aus den Buddenbrooks unterbringen. Hier ist viel Humor und Poesie enthalten, die in einem Film, der ohne Erzähler arbeitet, so nicht zu hören sind“, so Heinrich Breloer in der Pressemitteilung.

Bereits vor dem Erstverkaufstag konnten nach Angabe des Hörverlags 15.000 Exemplare des Hörbuchs ausgeliefert werden.

Quellen: Börsenblatt, Hörverlag

„Ich bin ja München, wo ich die Hälfte meines Lebens verbrachte, von Herzen zugetan (…) und nie habe ich Ihrer Stadt gegrollt, auch zu Zeiten nicht, wo mir Böses kam von dort, denn ich wusste wohl, dass es nicht das wahre und eigentliche München, nicht sein ‚ewiger, unzerstörbarer Genius loci‘ war, von dem es mir kam. Ich versichere Sie: Wann immer ich Münchener Laute höre, Münchener Tonfall, wird es mir warm ums Herz, und allen Leute sage ich: ‚Es ist doch merkwürdig, seit ich zurück bin von drüben, habe ich doch eine ganze Anzahl deutscher Städte gesehen und wieder gesehen, aber wo ich mich am wohlsten fühlte, das war München.“ (Thomas Mann in einem Brief an den Münchener Oberbürgermeister Thomas Wimmer am 8. Juni 1955)

Thomas Mann ist im Frühjahr 1894 von Lübeck zu seiner Mutter und den Geschwistern nach München gezogen, knapp 39 Jahre später, im Februar 1933, kehrte er von einer Auslandsreise nicht mehr zurück, weil er die Verfolgung durch die Nazis zu fürchten hatte.

Der Thomas Mann-Förderkreis München hat ein Programm zusammengestellt, in dem die Münchner Wohnungen des Nobelpreisträgers sowie die hiesigen Schauplätze und Erzählungen im Mittelpunkt stehen.

Freitag, 06. Juni, 15 Uhr: Im Schwabinger Wirtshaus Seerose berichtet der Literaturwissenschaftler und Vorsitzende des Förderkreises Dirk Heißerer darüber, wie Thomas Mann in der Feilitzschstraße 5 seinen Roman die „Buddenbrooks“ im Juli 1900 vollendete.

Donnerstag, 12. Juni, 19 Uhr: „München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgrünten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, schönen Junitags“, beginnt die Novelle „Gladius Dei„. Die Geschichte spielt am Odeonsplatz. Wolf Euba liest die Novelle im Gebäude des Bayerischen Innenministeriums, Odeonplatz 3.

Mittwoch, 18. Juni, 19 Uhr:Okkulte Erlebnisse“ verarbeitet Thomas Mann in dem amüsanten Aufsatz aus dem Winter 1922/1923 im Palais Schrenck-Notzing. Die Lesung mit Wolf Euba findet am Originalschauplatz in der Max-Joseph-Straße 9 statt, wo heute der Bayerische Bauernverband residiert.

Montag, 23. Juni, 19 Uhr: In der Franz-Joseph-Straße 2 entstand in den Jahren von 1906 bis 1909 Thomas Manns märchenhafter Roman „Königliche Hoheit„. Im Gebäude der Hypovereinsbank, Leopoldstraße 21, liest Wolf Euba aus dem Roman.

Freitag, 04. Juli, 19 Uhr: Die Novelle „Wälsungenblut„, geschrieben 1906, spielt im Palais Pringsheim, der Villa der Schwiegereltern Thomas Manns. Dirk Heißerer stellt die Erzählung von einer inzestuösen Liebe im Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Meiserstraße 10, vor.

Dienstag, 08. Juli, 19 Uhr: Wolf Euba präsentiert in der Alten Kantine der Mensa, Leopoldstraße 13, die Novelle „Tonio Kröger„, die Thomas Mann in seinem Domizil in der Konradstraße vollendet hat.

Dienstag, 15. Juli, 19 Uhr: Der Thomas-Mann-Abend im Oskar-von-Miller-Gymnasium, Siegfriedstraße 22, ist seiner Novelle „Beim Propheten„, das Porträt eines der „jungen, bleichen Genies“ Schwabings gewidmet. Als Sprecher agiert Rupert Pfeffer.

Dienstag, 29. Juli, 17.30 Uhr: Thomas Manns einstige Villa an Poschingerstraße (heute Thomas-Mann-Allee 10) wurde im Krieg beschädigt und später abgerissen. Der Banker Alexander Dibelius hat jüngst auf dem Grundstück einen Neubau errichten lassen, der äußerlich der Mann´schen Villa gleicht. Dort ist der Treffpunkt zu einem Isarspaziergang, so wie ihn Thomas Mann in seiner wunderbaren Erzählung „Herr und Hund“ geschildert hat. Rupert Pfeffer begleitet die literarische Promenade.

Dienstag, 29. Juli, 19 Uhr: Wolf Euba liest im Haus Dibelius die Novelle „Unordnung und frühes Leid„.

Die erste Veranstaltung über die „Buddenbrooks“ ist kostenlos, ansonsten beträgt der Eintritt jeweils acht Euro. Der Förderkreis bittet um Anmeldung (Tel.: 089 / 89999-320), da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Mephisto von Klaus Mann

Mephisto erschien 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido und wurde 1956 erstmals in Deutschland im Ostberliner Aufbau-Verlag verlegt. 1966 wurde seine Verbreitung in der BRD gerichtlich verboten, 1981 erschien trotz des Verbots eine Neuausgabe. Der Roman wurde zu einem Kultbuch: eine exemplarische Geschichte über Anpassung und Widerstand, Karrieredenken und künstlerische Moral.

Erzählt wird die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen von 1926 an im Hamburger Künstlertheater bis zum Jahre 1936, als dieser es zum gefeierten Star des sogenannten Neuen Reiches gebracht hatte. Höfgen, der sich erst spät während der Zeit des Nationalsozialismus mit den Machthabern arrangierte und so zum Intendanten am Berliner Staatstheater ernannt wurde, flüchtete jedoch zunächst vor seinen zukünftigen Freunden nach Paris, da er Angst vor einer Verfolgung aufgrund seiner kultur-bolschewistischen Vergangenheit hatte. Ab diesem Zeitpunkt stellte Höfgen fest, dass er bereits einen Teil seiner „echten“ Freunde wie seine Frau Barbara Bruckner und Frau von Herzfeld verloren hatte. Jedoch konnte er, zurück in Berlin, Lotte Lindenthal für sich gewinnen, die Frau des Fliegergenerals. Dieser hielt selbst große Stücke auf seinen Höfgen, seinen Spielball. Als leidenschaftlicher Schauspieler, dem die Rolle des Mephisto in Goethes Faust I wie auf den Leib geschnitten ist, erkannte der Opportunist Höfgen erst viel zu spät, dass er tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel – dem Mephistopheles – geschlossen hatte. Er war zu einem „Affen der Macht“ geworden, ein „Clown zur Zerstreuung der Mörder„. Er verlor die humanen Werte und teilte die Auffassungen des Regimes. Er ging sogar so weit, die Verhaftung seiner Geliebten anzustiften, der „Schwarzen Venus“, mit der er Sadomaso-Praktiken ausübte.

Klaus Mann bezog sich in seiner Darstellung auf den Schauspieler Gustaf Gründgens und dessen Karriere. Nach Gründgens Tod klagte sein Stiefsohn gegen die Publikation des Romans – und Mephisto wurde 1966 verboten. Der Persönlichkeitsschutz des verstorbenen Gründgens erschien den Richtern wichtiger als die Kunstfreiheit Manns. Erst 1981 durfte das Buch wieder erscheinen.

Klaus Mann wurde am 18. November 1906 als zweites Kind und ältester Sohn von Thomas Mann und seiner Ehefrau Katia in großbürgerlichen Verhältnissen in München geboren.
Die Beziehung zu seinem distanziert wirkenden Vater war stets ambivalent. Früh beklagte er in seinem Tagebuch „Z.’s [Thomas Manns] völlige Kälte, mir gegenüber.“
Thomas Mann, der in der Familie „Zauberer“ genannt wurde, formulierte jedoch kurz nach dem Tode von Klaus: „Wie viele Raschheiten und Leichtigkeiten seinem Werk abträglich sein mögen, ich glaube ernstlich, daß er zu den Begabtesten seiner Generation gehörte, vielleicht der Allerbegabteste war.“

Er begann seine literarische Laufbahn als „enfant terrible“ in der Zeit der Weimarer Republik, da er unter anderem Themen literarisch verarbeitete, die zur damaligen Zeit als Tabubruch galten. Als Gegner des Nationalsozialismus und Exilant wurde er 1943 US-amerikanischer Staatsbürger.
Am 21. Mai 1949 starb er nach einer Überdosis Schlaftabletten in Cannes. Tags zuvor hatte er noch Briefe an Hermann Kesten und an seine Mutter und Schwester geschrieben, in denen er von Schreibschwierigkeiten, Geldproblemen und deprimierendem Regenwetter berichtete
Die Neuentdeckung seines Werkes fand erst spät nach seinem Tod statt. Klaus Mann gilt heute als einer der wichtigsten Repräsentanten der deutschsprachigen Literatur und insbesondere der Exilliteratur nach 1933.