Georg-Büchner-Preis für Martin Mosebach und Der Mond und das Mädchen

Der Mond und das MächenLetzten Samstag erhielt Martin Mosebach den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der Büchner-Preis ist der wichtigste Deutsche Buchpreis und mit 40.000 Euro dotiert. Die keineswegs unumstrittene Entscheidung hat dem Autor nicht nur Ehre, sondern auch Ungemach in Form von zahlreichen Polemiken eingebracht. Siehe hierzu einen ausführlichen Bericht in der Neuen Züricher Zeitung

Kurzbeschreibung
Ein Sommernachtstraum mitten im steineren Frankfurt. Hans und Ina sind ein strahlendes junges Paar. Hans hat eine brillante Bankkarriere begonnen, und umso unbegreiflicher ist es, wie sehr er sich in der neuen Wohnung vergriffen hat: Hinter dem Hauptbahnhof an einer lauten Straße steht dies übriggebliebene Gründerzeithaus, dem man nicht ansieht, wie seltsam es in ihm zugeht. Denn dort findet sich allnächtlich im brütend heißen Hof unter dem großen Sommermond jener fatale Kreis um den marokkanischen Hausmeister zusammen … Ein federleicht und spielerisch erzählter Roman, ironisches Großstadtbild und doppelbödige Liebesgeschichte zugleich.

Martin MosebachAutor
Martin Mosebach (* 31. Juli 1951 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Schriftsteller, gelernter Jurist, der als Autor in nahezu allen Genres arbeitete: Roman, Film-Drehbuch, Theaterstück, Hörspiel, Opernlibretto, Reportage, Feuilleton, Erzählung.

Der aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammende Martin Mosebach studierte nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums in Frankfurt am Main ebendort und in Bonn Rechtswissenschaften. 1979 bestand er das Zweite Staatsexamen. Erst am Ende des Referendariats begann er, erzählerisch zu schreiben, und bezeichnet sich daher selbst als „Spätentwickler†œ.

Asien vergibt ersten Literaturpreis – Man Asian Literary Prize

Man Asien Literary PrizeIn Asien wird in diesem Jahr zum ersten Mal der Man Asien Literary Prize vergeben. Bis jetzt noch nicht ins Englische übersetzte Literatur wird prämiert (Asian novel unpublished in English). Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 10. November vergeben. Nominiert sind der Philippiner José Dalisay, die Inderin Reeti Gadekar, der Chinese Jiang Rong, die Birmanin Nu Nu Yi Inwa sowie die Hong-Kong-Chinesin Xu Xi.

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 44

Platz 1 : Die Mittagsfrau von Julia Franck
Platz 2 : Tintentod von Cornelia Funke
Platz 3 : Tannöd von Andrea Maria Schenkel
Platz 4 : Kalteis von Andrea M. Schenkel
Platz 5 : Millionär Tommy Jaud
Platz 6 : Die Hexe von Portobello von Paulo Coelho
Platz 7 : Tintenherz von Cornelia Funke
Platz 8 : Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini
Platz 9 : Die italienischen Schuhe von Hennig Mankell
Platz 10 : Vater unser von Jilliane Hoffman

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 44

Platz 1 : Blutige Steine von Donna Leon
Platz 2 : Höhenrausch von Ildikó von Kürthy
Platz 3 : Die Chemie des Todes von Simon Beckett
Platz 4 : Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda
Platz 5 : Diabolus von Dan Brown
Platz 6 : Drachenläufer von Khaled Hosseini
Platz 7 : Glennkill von Leonie Swann
Platz 8 : Hexenkind von Sabine Thiesler
Platz 9 : Die Passion des stillen Rächers von Andrea Camilleri
Platz 10 : Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier

Vom Nutzen Viktorianischer Trauerkleidung von Mary Kingsley

Mary Kingsley folgte bei der Wahl ihrer Expeditionstracht dem Grundsatz:“… man hat nicht das Recht, in Afrika in Sachen herumzulaufen, für die man sich zu Hause schämen würde“. Deshalb trug sie einen bodenlangen, stabil gefütterten Wollrock, ergänzt durch ein steifes, enges und hochgeschlossenes Mieder, so wie es sich eben für viktorianische Trauerkleidung schickte (wegen des Todes Ihrer Eltern).

Leseprobe aus „Die grünen Mauern meiner Flüsse. Aufzeichnungen aus Westafrika.“ © Deutscher Taschenbuchverlag 1992

Während ihrer Wanderung mit ein paar Eingeborenen durch den Busch hatte sie sich angewöhnt, in den Pausen ihrer schnelleren Begleiter, schon ein Stück vorauszugehen:

Mary Kingsley2Gegen fünf Uhr ging ich voraus und traf auf den angekündigten Pfad, auf dem ich weitergehen sollte. Er war nicht leicht zu erkennen, aber wenn man aufpaßte, konnte man ihm folgen. Dann brach er ab, führte aber jenseits eines Gebüschs wieder ziemlich deutlich weiter. Ich nahm eine Abkürzung und lag im nächsten Moment zwischen etlichen scharfen Stacheln ungefähr fünfzehn Fuß unter der Erdoberfläche auf dem Grund einer Großwildfalle. Das sind die Augenblicke, wo die Segnungen eines guten, festen Rocks so richtig zur Geltung kommen. Hätte ich mich an die Ratschläge vieler Leute in England gehalten und mich für männliche Kleidung entschieden, wäre ich jetzt bis auf die Knochen durchbohrt gewesen. Das Ende also. So aber saß ich, abgesehen von einer Menge Schrammen, dank der Stoffülle meines Rocks vergleichsweise gemütlich auf neun Ebenholzstacheln von gut 12 Inches Länge und rief frohgemut um Hilfe. Als erster kam der Duke [einer ihrer Begleiter, sie beschreibt ihn als Mann“mit den Manieren eines Herzogs und den Angewohnheiten eines Abfalleimers“]
und schaute über den Rand der Grube. „Hol eine Liane und zieh mich raus“, sagte ich. Er knurrte und setzte sich auf einen Balken. Der Passagier kam als nächster. ‚Tot?“ fragte er. „Nicht sehr“, klärte ich ihn auf. „Hol eine Liane und zieh mich raus“. „Kann nicht“, sagte er und setzte sich auf einen Balken. Schließlich kamen Kiva und Wiki. Wiki ging los, um diejenige Liane auszuwählen, mit der als einziger eine englische Lady herausgezogen werden darf: Sie war genau auf meinen Teint, mein Alter, meine Größe und diese besondere Grube abgestimmt. Von der Zeit zu schließen, die er dafür brauchte, schienen derartige Exemplare hier rar zu sein.“
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