Die Störche sind da – Frühlingsboten, Glücksbringer, Wappenvogel, Fabelwesen

Storchennest27. März 14:45 Uhr: Ein Storch am Himmel über Vetschau / Spreewald. Zielstrebig fliegt er Richtung Storchen- zentrum, leichtes Flügelrauschen – Landung direkt auf dem Horst.

Der Vetschauer „Internethorst“ ist seit 1992 ununterbrochen besetzt und bei den Störchen sehr begehrt. Der Horst wird oft von mehreren Störchen umkämpft. Das Geschehen im Vetschauer Storchennest kann wieder live per Kamera und Mikro im Storchenzentrum beobachtet werden. Ab jetzt lohnt also ein Besuch im Storchenzentrum ganz besonders. Das Storchenzentrum ist ab 01. April von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 10:00 – 17:00 Uhr geöffnet.

Legenden über den Storch

Der Sage nach werden die Kinder vom Storch gebracht. Die Legende vom Storch, der die Kinder bringt, basiert wahrscheinlich auf altem Heilwissen und bezieht sich nicht auf den Schreitvogel, sondern auf das Heilkraut Storchschnabel (Geranium robertianum L.). Ein Tee aus dem Kraut, täglich von beiden Elternteilen kalt zu trinken, soll bisher versagten Kinderwunsch erfüllen.

Der Storch gilt als Glücksvogel. Er soll den Bewohnern des Hauses, auf dem er nistet, Glück bringen.

Der Storch gilt auch als Frühlingsbote.

In Thüringen übernahm der Storch die Aufgaben des Osterhasen.

Im Elsass ist der Storch inoffizieller „Wappenvogel†œ, regionales Symboltier. Dort gilt er auch nicht als Bringer der Kinder. Die Legende besagt in den meisten Gegenden vielmehr, dass man diese auf dem Feld in Kohlköpfen findet.

Der Fuchs und der Storch in der Fabel von Aesop (600 v. Chr.)

Ein Fuchs hatte einen Storch zu Gaste gebeten, und setzte die leckersten Speisen vor, aber nur auf ganz flachen Schüsseln, aus denen der Storch mit seinem langen Schnabel nichts fressen konnte. Gierig fraß der Fuchs alles allein, obgleich er den Storch unaufhörlich bat, es sieh doch schmecken zu lassen.

Der Storch fand sich betrogen, blieb aber heiter, lobte außerordentlich die Bewirtung und bat seinen Freund auf den anderen Tag zu Gaste. Der Fuchs mochte wohl ahnen, daß der Storch sich rächen wollte, und wies die Einladung ab. Der Storch ließ aber nicht nach, ihn zu bitten, und der Fuchs willigte endlich ein.

Als er nun anderen Tages zum Storche kam, fand er alle möglichen Leckerbissen aufgetischt, aber nur in langhalsigen Geschirren. „Folge meinem Beispiele“, rief ihm der Storch zu, „tue, als wenn du zu Hause wärest.“ Und er schlürfte mit seinem Schnabel ebenfalls alles allein, während der Fuchs zu seinem größten Ärger nur das Äußere der Geschirre belecken konnte und nur das Riechen hatte.

Hungrig stand er vom Tische auf und gestand zu, daß ihn der Storch für seinen Mutwillen hinlänglich gestraft habe.

Was du nicht willst, daß man dir tu‘,
Das füg‘ auch keinem anderen zu.

Ulrich Peltzer erhält Berliner Literaturpreis 2008

Der Schriftsteller Ulrich Peltzer erhält den Berliner Literaturpreis 2008.

Ulrich Peltzer, geboren am 9. Dezember 1956 in Krefeld, zog 1975 nach Berlin, wo er bis 1982 Philosophie und Sozialpsychologie studierte und den Titel eines Diplom-Psychologen erwarb. Er ist seitdem als freier Schriftsteller tätig und hat bisher fünf Bücher veröffentlicht. Von diesen verarbeiten vier Berliner und eines New Yorker Erfahrungen. Charakteristisch für Peltzers Großstadtromane ist der Verzicht des Autors auf eine herkömmliche realistische Schilderung der Außenwelt. Im Zentrum steht stattdessen die Wiedergabe von Bewusstseinsvorgängen der Protagonisten.

Ulrich Peltzer erhielt u.a. folgende Auszeichnungen: 1992 das Bertelsmann-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, 1996 den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung, 1997 den Anna-Seghers-Preis, 2000 den Preis der SWR-Bestenliste, 2001 den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld sowie 2003 den Bremer Literaturpreis.

Der Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung ist mit 30 000 Euro dotiert. Mit der Ehrung ist die Berufung der Freien Universität Berlin auf die „Heiner-Müller-Professur für deutschsprachige Poetik“ zum Sommersemester verbunden. Von Ulrich Peltzer erschien zuletzt der Berlin-Roman Teil der Lösung.

Teil der LösungKurzbeschreibung
Überwachungskameras am Potsdamer Platz, globalisierte Markenwelten und limitierte Bewegungsfreiheit: an Vorzeichen, die jedes politische Handeln notwendig und zugleich illusionär erscheinen lassen, mangelt es nirgends. Christians Themen werden zunehmend politisch. Als freier Journalist schlägt er sich mit journalistischen Gelegenheitsaufträgen durch, ist Teil eines akademischen Proletariats, wie es in Berlin ganze Stadtviertel besiedelt. Selbst Mitte dreißig, hat er die Zeit des bewaffneten Widerstands gegen die Staatsmacht nur noch als Echo miterlebt. Vielleicht sucht er gerade deshalb für eine längst fällige Story Kontakt zu untergetauchten Ehemaligen der Roten Brigaden. In Paris soll ein wichtiger Informant anzutreffen und bereit zum Reden sein. Zunächst aber trifft Christian auf Nele bzw. sie trifft ihn, mit dem Ellenbogen ins Kreuz in der Tür eines Klubs. Von einer geheimnisvollen Wut getrieben, bewegt sich die hochbegabte Studentin durch den Jahrhundertsommer 2003. Was mit ein paar ruppigen Zufallsbegegnungen eher harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer heftigen und verqueren Anziehung, deren Ausganzpunkt im neuen Berlin liegt und die ihren Show-down in den Arabervierteln von Paris erlebt. Teil der Lösung ist ein hochaktueller Roman, der in einem rasanten Ineinander von einzelnen Szenen abbildet, wie bruchstückhaft und vielfältig Wirklichkeit ist. Kontrollierter Raum und spielerische Störmanöver, Decknamen und Spitzel, geheime Treffen und präzise Attentate auf den Alltag: Subtil verbindet Ulrich Peltzer eine störrische Liebesgeschichte mit der Beobachtung neuer politischer Bewegungen in einer Grammatik der Überwachung. Eine atemraubende Verschwörungsgeschichte von unmittelbarer erzählerischer Kraft.

„We tell Stories“ – Penguin-Verlag beauftragt erstes interaktives Literaturprojekt

Sechs Autoren haben sich durch Klassiker von Hans Christian Andersen über Charles Dickens zu Èmile Zola gemeinsam mit Alternate Reality-Designern inspirieren lassen und sechs Kurzgeschichten erarbeitet, die den Leser mittels Spielen und Web-Tools einbinden.

Die erste Geschichte, „The 21 Steps“ beginnt mit dem Satz: „Ich war der falsche Mann am falschen Ort zur falschen Zeit“ – und einem Mord in St. Pancras Station, sie basiert auf John Buchans Spionagethriller „Die 39 Stufen“. In der Kurzgeschichte des schottischen Thriller-Autors Charles Cumming rast der Leser durch die British Library und die National Gallery bis hinauf nach Edinburgh und kann den Fortgang der Handlung im Internet via Google Earth mitverfolgen. Die einzelnen Stationen sind auf einer Satellitenkarte markiert, kleine Sprechblasen liefern die Geschichte.

„Wir sind natürlich nicht das erste Verlagshaus, das die Möglichkeiten, die das Web bietet, literarisch zu nutzen versucht“, gibt Jeremy Ettinghausen zu, der beim Penguin-Verlag für Digital Publishing zuständig ist. „Aber eine solche Verzahnung der Arbeit bekannter Schriftsteller mit online-spezifischen Vermittlungsformen hat es meines Wissens noch nicht gegeben.“ Mit „We tell Stories“ startet der Verlag sein zweites aufwendiges Internet-Experiment, nachdem im vergangen Jahr „A Million Penguins“ erschien, der als „Wiki-Roman“ entsprechend des Wikipedia-Prinzips von jedem Leser bearbeitet werden konnte.

Mit dem neuen Projekt will Penguin die „Gaming Community“ erreichen. Bisher haben rund 50 000 Einzelnutzer auf die Seite zugegriffen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Die Deutschen – das „Volk der Dichter und Denker“ von Edward Bulwer-Lytton

Edward George Bulwer-Lytton stellte seinem Roman Ernest Maltravers von 1837 folgende Widmung voran:

TO THE GREAT GERMAN PEOPLE,
A race of thinkers and of critics;
A foreign but familiar audience,
Profound in judgment, candid in reproof, generous in appreciation,
This work is dedicated
By an English Author.

Und seitdem sind wir in freier Anlehnung an diese Widmung das †œVolk der Dichter und Denker†…

Als aufklärerischer Idealist war Bulwer der deutschen Tradition verbunden. Seine Kenntnis der Werke Schillers und Goethes ist zwar nichts Außergewöhnliches, da eine Vertrautheit mit der deutschen Klassik und Romantik unter den Gebildeten Großbritanniens etwa seit den 1820er Jahren als selbstverständlich galt. Auch mit seiner Empfänglichkeit für Goethe_Schillerden deutschen „Idealismus“ als Gegenkraft zum daheim herrschenden „Materialismus“und „Philistertum“ erscheint Bulwer als Glied einer Kette, nämlich als wichtiger Repräsentant der von Thomas Carlyle bis Matthew Arnold reichenden Kulturkritik Englands. Jedoch sein Verhältnis zu Schillers Reflexivität sticht hervor: 1844 erscheint seine Übersetzung der Lyrik Schillers, „The Poems and Ballads of Schiller“, eingeleitet durch eine Lebensskizze: „A Brief Sketch of Schiller’s Life“, die trotz der angekündigten Kürze über hundert Seiten umfasst. Ganz und gar jenseits der Toleranzgrenze seiner germanophilen Landsleute lag Bulwer jedoch, indem er zur Schau stellte, was Trodd „[his] daring flirtation with a new morality“ nennt: ein Wagnis, das ohne den Rückhalt in Goethes Immoralismus (beim britischen Lesepublikum noch verpönt) undenkbar wäre. „Faustisch“ ist das Benehmen des Verbrecher-Helden Eugene Aram (er wurde des Mordes überführt und gehängt) im gleichnamigen Roman von 1832. Der überführte Mörder rechtfertigt das Motiv seiner Tat als Drang nach unbedingtem Wissen. 1838 teilt Bulwer seinem Freund John Forster mit, wie sehr er die Finesse von Goethes „Wahlverwandtschaften“ goutiere und wie unfähig das britische Lesepublikum zu solcher Lektüre sei.

Quelle: Editionsprojekt Karl Gutzkow

Jürgen-Bansemer-und-Ute-Nyssen-Dramatikerpreis geht an Juli Zeh

Der neu geschaffene Jürgen-Bansemer-und-Uter-Nyssen-Dramatikerpreis wird in diesem Jahr erstmalig an Juli Zeh verliehen. Die Schriftstellerin erhält die Auszeichnung für ihr Theaterstück „Corpus delicti, das im vergangenen Jahr bei der RuhrTriennale uraufgeführt wurde. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis soll alljährlich vergeben werden und zur weiteren Professionalisierung bereits gespielter deutschsprachiger Bühnenautoren sowie zur Förderung fremdsprachiger Dramatiker in deutscher Übersetzung beitragen.

Die Verleihung findet am 08. Mai im Schauspiel Köln statt.