Platz 1 : Driver von James Sallis
Platz 2 : Der Grenzgänger von Matti Rönkä
Platz 3 : Die dritte Jungfrau von Fred Vargas
Platz 4 : Kalter August von Peter Temple
Platz 5 : Die feine Nase der Lilli Steinbeck von Heinrich Steinbeck
Platz 6 : Feuertod von Astrid Paprotta
Platz 7 : Arrivederci amore, ciao von Massimo Carlotto
Platz 8 : Schrei nicht so laut von John Harvey
Platz 9 : Im Namen der Toten von Ian Rankin
Platz 10 : Kalteis von Andrea Maria Schenkel

Gestern fand die mit Spannung erwartete Verhandlung um die erhobenen Plagiatsvorwürfe gegen die Bestseller-Autorin Andrea Maria Schenkel vor dem Landgericht München 1 statt.

Peter Leuschner, der 1978 und 1997 die Bücher „Hinterkaifeck. Deutschlands geheimnisvollster Mordfall“ und „Der Mordfall Hinterkaifeck“ veröffentlicht hatte, warf Andrea M. Schenkel vor einige Passagen in Leuschners Darstellung aus dem Jahr 1997 in ihrem Bestseller „Tannöd“ abgekupfert zu haben. Konkret geht es um die ersten 40 Seiten aus dem 1997 erschienen Buch, die Leuschner in „erzählerischem, romanhaften Stil“ geschrieben habe.

Das Gericht prüfte vor allem die Frage, ob Schenkel Wendungen und Passagen Teile übernommen habe, die auf die freie Schöpfertätigkeit Leuschners zurückgehen. Schließlich ging es um jene 18 Details, die auffällig bei beiden Autoren auftauchen, etwa die Beobachtung des Bauers, dass Fußspuren im Schnee zu seinem Hof hin-, aber nicht wegführten, oder die Schilderung der Magd, dass sie einen Luftzug bemerkt habe, bevor sie vom Mörder erschlagen wurde.

Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass diese Details eine originäre schöpferische Leistung Leuschners seien, die Übernahme von konkreten Formulierungen liege nicht vor. Der Vorsitzende Richter, Thomas Kaess, regte an, Schenkel und Leuschner sollten sich außergerichtlich einigen, und zwar in der Weise, dass in künftigen Neuauflagen von „Tannöd“ ausführlicher auf Leuschners Bücher hingewiesen werde.

Da die streitenden Parteien die Chance auf eine solche Einigung verstreichen ließen, wird das Gericht am 21. Mai seine Entscheidung verkünden.

In der Verhandlung wurde bestätigt, dass es um einen Streitwert von 500 000 Euro und den sofortigen Stopp der Verbreitung von „Tannöd“ und die Vernichtung aller noch verfügbaren Exemplare geht. Nach Angaben des Verlages wurde das Buch bisher mehr als 550 000 Mal verkauft.

Leuschner und seine Anwälte blieben dabei, Schenkel habe abgekupfert. Leuschner sagte, er habe naiv geglaubt, dass Abschreiben verboten sei. Er bezeichnete es als Unverschämtheit, dass Schenkel bei den Lesern der Eindruck erwecken wollte, ihr Buch sei „ganz allein in ihrem Kopf entstanden„.

Andrea Maria Schenkel strahlte: „Ich fühle mich bestätigt. Es ist kein Plagiat.“

Die Preisträger des Deutschen Krimipreises wurden zum 24. Mal bekannt geben.

Seit 1985 zeichnet eine Jury aus Krimi-Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Krimi-Buchhändlern die besten Kriminalromane des Jahres aus.

Mit dem Deutschen Krimi Preis – vergeben in den Kategorien National und International – werden jeweils drei Romane gewürdigt, die „inhaltlich originell und literarisch gekonnt dem Genre neue Impulse verleihen.“

Der Deutsche Krimi Preis ist undotiert und wird – ungewöhnlich in der Szene der Literaturpreise – in der Regel nicht öffentlich verliehen, sondern lediglich der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Die Preisträger in diesem Jahr sind:

National

1. Platz: Andrea Maria Schenkel – Kalteis
2. Platz: Heinrich Steinfest – Die feine Nase der Lilli Steinbeck
3. Platz: Jan Costin Wagner – Das Schweigen

International

1. Platz: James Sallis – Driver (Drive)
2. Platz: Martin Cruz Smith – Stalins Geist (Stalin’s Ghost)
3. Platz: Matti Rönkä – Der Grenzgänger (Tappajan näköinen mies)

Zwei sehr unterschiedliche Rezensionen zu Das Schweigen von Jan Costin Wagner sind auf dem Krimiblog und bei der Krimilady zu lesen. Henny Hidden, die Krimilady, „verbeugt sich vor dem selbstbewussten Autor, der sich in keine Schublade fügen will“, während Ludger vom Krimiblog dazu meint: „Wagner produziert, ausgestattet mit überbordendem Ehrgeiz, ein großes, steriles Vakuum“.

Vom 06. bis 11. November 2007 fand das Hamburger Krimifestival statt. Lesungen und Veranstaltungen mit Autoren und Autorinnen wie Ingrid Noll, Petra Hammesfahr, Elisabeth Herrmann, Doris Gercke, Jan Costin Wagner, Oliver Bottini, Arne Dahl, Tess Gerritsen, u.v.a. standen auf dem Programm. (Ich habe zwar nicht gezählt, aber es scheinen viel mehr Autorinnen, als Autoren dort gewesen zu sein) Natürlich durfte auf so einem Festival die Krimi-Bestseller-Autorin Andrea Maria Schenkel nicht fehlen.

Ludger, von das Krimiblog, hat sich in einem Café gegenüber des Hamburger Literaturhauses mit Andrea M. Schenkel getroffen und ein sehr ausführliches, interessantes Interview mit ihr geführt. Nachzulesen auf Krimiblog unter dem Titel: „Die Langsamkeit des Schreckens“. Besonders aufschlussreich fand ich die Antworten von Frau Schenkel auf die Frage von Ludger: „Gibt es denn Autoren, die sie beeinflussen, die sie gerne lesen oder auch die sie nicht so mögen?“

Andrea M. Schenkel“Es ist wie ein Meer mit lauter kleinen Inseln.”

„Wen ich nach wie vor gerne hab’ ist Dürrenmatt. Es war am Anfang eine sehr spröde Zuneigung, mittlerweile habe ich ihn sehr gern. Als Kind in der Schule, als Schulliteratur, habe ich ihn nicht gemocht, später habe ich ihn dann gemocht. Ich lese ihn immer wieder gerne. Manche Autoren bleiben, manche, die mittlerweile fast unmodern geworden sind, wie Brecht. Da mag ich die Lyrik. Shakespeare liebe ich auch (lacht). „Richard III.“ Es ist wie ein Meer mit lauter kleinen Inseln. Manche tauchen auf, die findet man toll, manche verschwinden nach einer Zeit wieder und manche bleiben immer da.

Einen Autor, den ich überhaupt nicht mag, mit dem ich mich nie anfreunden konnte, ist Thomas Mann. Ich werde immer aggressiv, wenn ich Thomas Mann lese. Es ist die Stimmung, es ist etwas in den Worten, es ist die Art und Weise, in der er schreibt, die mich wütend macht. Nicht wütend auf die Figuren im Buch, sondern auf Thomas Mann. Ich denke da immer: „Oh, Menschenskinder, ist der borniert. Ich würde ihn am liebsten packen und schütteln. Vielleicht sehe ich das vollkommen falsch, aber ich habe Schwierigkeiten. Wenn ich Thomas Mann lese, dann ist es nicht die Geschichte, die im Vordergrund steht, sondern der Autor schmuggelt sich nach vorne. Das Bild das Autors überlagert die Geschichte und das macht mich wütend. Mit Klaus Mann oder mit Heinrich Mann habe ich überhaupt keine Schwierigkeiten, es ist komischerweise nur der Thomas“.

Die sympathische Autorin war erst kürzlich im Münchner Literaturhaus. Leider wurden hier im Anschluss an die Lesung Fragen über die Zurechnungsfähigkeit, Schuldfähigkeit des Täters oder die Namensfindung zu ihrem neuen Roman “Kalteis” erörtert.

Wie viel mehr Aufschluss gibt nun dieses Interview. Ein großes Kompliment an Ludger!

Andrea Maria SchenkelGespannte Stille herrschte im ausverkauften Saal des Münchner Literaturhauses am 24.09., als Andrea M. Schenkel nebst Schauspieler Michael Fitz und dem Leiter des Hauses Reinhard Wittmann die Bühne betrat. Herr Wittmann hieß Autorin, Schauspieler und Publikum willkommen und verwies auf die mit der „Kalteis-Lesung“ eröffnete Veranstaltungsreihe zur Vorstellung von Büchern über München.

„Michael Farin (»Polizeireport München«, belleville 1999) erläutert den historischen Fall im Anschluss an die Lesung“, so R. Wittmann bei der Begrüßung und deutete auf den noch leeren Tisch mit dem einzelnen Stuhl auf der Bühne.

Andrea M. Schenkel, bekleidet mit flachen Schuhen, Jeans und weißer Tunika-Bluse, ohne einen Hauch von Wimperntusche oder Lippenstift (einzige Auffälligkeit eine schwarze Lederjacke mit langen Fransen), nahm neben dem im dunklen Anzug gekleideten Michael Fitz an dem zweiten Tisch auf der Bühne Platz.

Abwechselnd lasen die beiden Passagen aus dem neuen Roman „Kalteis„. Michael Fitz begann mit dem Verhör von Kalteis, alias Eichhorn. Auch Schenkels zweiter Roman, nach Tannöd, beruht auf einem realen Fall, dem des Serienmörders Eichhorn, der zwischen 1930 und 1939 in München mehrere Frauen ermordete und vergewaltigte. Aktenkundig sind etwa 90 Notzuchtverbrechen, so nannte man Vergewaltigungen in den 3oer Jahren. Fünf Frauen hat er umgebracht, erwürgt oder erschossen. Eichhorn, geboren 1906 in Aubing bei München, war verheiratet, Vater von zwei Kindern, Rangiergehilfe bei der Reichsbahn.

Andrea M. Schenkel rollt die Handlung von zwei Seiten auf: Mit dem Mörder beginnt sie an dessen Ende, bei seiner Hinrichtung, und geht mit ihm zurück in die Vergangenheit. Zur Vernehmung, zu den Morden. Die weibliche Hauptfigur, das Opfer Kathie, die aus der Provinz zur Arbeitssuche nach München kommt, führt Schenkel bei der Ankunft am Hauptbahnhof ein und erzählt in die Zukunft. Die Episoden sind mit Aussagen von Zeugen verwoben. Schnell wird klar, dass sich die beiden, Kalteis und Kathie, irgendwann treffen müssen. Dass Kalteis das Mädchen töten wird.

Die Stimme von Andrea M. Schenkel klang sanft und dunkel. Sehr überzeugend, betont und selbstsicher las sie zunächst die Textpassage, die auch als Leseprobe veröffentlicht wurde, in der Kathi, Kalteis letztes Opfer, nach München fährt. Danach lasen Schenkel und Fitz viele z. T. spannende und auch grausame Romanausschnitte vor, abschließend die detaillierte Tötung eines der Opfer. Die Zuhörer verhielten sich mucksmäuschenstill.

Nun betrat Michael Farin die Bühne und nahm an dem noch leeren Tisch Platz. Er ging nochmals auf den historischen Fall ein und wollte dann von Frau Schenkel wissen, wie sie recherchiert hatte. Es gibt über 1000 Seiten Material über den realen Fall im Staatsarchiv, eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1943 und Unterlagen in der LMU, die sie gesichtet hatte, erklärte Frau Schenkel. Es folgten Fragen über Zurechnungsfähigkeit, Schuldfähigkeit des Täters oder die Namensfindung „Kalteis“ in ihrem Roman. Auf einige Fragen konnte Frau Schenkel, logischerweise, ist sie doch Schriftstellerin und nicht Expertin der Intentionen von Serienmördern, nicht antworten. Man hatte den Eindruck, dass sie noch nicht gelernt hat, sich dieser Art der Fragen zu erwehren.

Warum der Inhalt und die Entstehung des Romans auf diese Weise hinterfragt wurde, ist mir allerdings ein Rätsel. Hat Frau Schenkel doch schon über Tannöd gesagt, dass sie die reale Geschichte nicht mehr interessiert, als würde sie zu Hause einen Topf Spagetti kochen. Also, was sollte das? Andere Dinge, wie sie zum Beispiel die Geschichte mit den zwei Handlungssträngen aufgebaut hatte, wer sie unterstützt oder wie ihr neues Projekt aussieht, hätten mich viel mehr interessiert. Schade und ungewöhnlich, dass nicht eine Frage an Frau Schenkel aus dem Zuschauerraum gestattet war.