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Seitensprung der Sisterhood – Le Havre

20. Juli 2011 | Von | Kategorie: Seitensprung der Sisterhood - Angie

Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 7
Le Havre

Na, das war wenigstens ein Handy, dachte ich lächelnd, nachdem ich die rote Schleife abgestreift hatte. Das Grauen in Pink legte ich achtlos auf den Tisch. Dieses hier entsprach genau meinem Geschmack! Es war schwarz, klein, extrem flach und unauffällig… fast. Ganz unten an der Ecke klebte ein winziger „Hello Kitty“- Sticker als kleiner Gruß von Mythos, doch damit konnte ich leben. Allerdings war mir die Technik neu, und auch die Marke war mir gänzlich unbekannt. Es hatte große Ähnlichkeit mit dem „Golden Eye“, das ich auf der Insel gelassen hatte, es war nur kleiner.
„Das ist die neueste Entwicklung von unseren Technikern. Also praktisch unsere Hausmarke“, sagte Shadow. „Ach, ich sehe schon, mit dem, was ich ausgesucht habe, lag ich ziemlich daneben“, setzte er noch bedauernd hinzu und lächelte nachsichtig, als ich begeistert die ganzen Funktionen und die zusätzlichen Apps studierte.
„Aber ich wünsche mir trotzdem, dass du es behältst, Angie.“
„Natürlich“, murmelte ich zustimmend und sah ihn entschuldigend an. Es war ja sein erstes Geschenk an mich und solange ich es nicht benutzen musste… Ich nahm es vom Tisch und ging damit ins Schlafzimmer und legte es auf das Bett. Währenddessen beschäftigte ich mich weiter mit meinem neuen Black-Beauty. Jemand hatte schon die wichtigsten Nummern eingespeichert. Auch die Klingeltöne waren, Mythos sei Dank, ziemlich neutral. Während ich mich immer weiter mit dem Handy vertraut machte, nahm ich kaum wahr, dass Shadow mir leicht auf die Schulter klopfte und sich seufzend verabschiedete. Plötzlich musste ich mit Schrecken daran denken, dass ich nicht nur das Golden Eye, sondern auch mein Schwert und die meisten Messer und Wurfsterne zu Hause gelassen hatte. Also würde ich mich wohl aus der Waffenkammer der Brüder bedienen müssen, denn unbewaffnet wollte ich auf keinen Fall nach Frankreich reisen.
Mary kam und räumte den Tisch ab, als ich gerade den großen Schrank nach einem geeigneten Koffer durchstöberte. Sie schaute kurz um die Ecke und nickte ernst, als sie mich erfolglos suchen sah. Wortlos öffnete sie eine Tür neben dem großen Schrank und holte einen kleinen Koffer hervor, der genau passend für meinen Kurztrip war. Sie strich flüchtig über meinen Arm und war auch schon wieder weg. Ein Klopfen an der Apartmenttür unterbrach wenig später meine Packaktion.
Ich ließ Mythos herein, der zu meinem Erstaunen mühelos eine schwere Kiste mit sich trug. Er stellte sie auf den Tisch und zwinkerte mir zu.
„Shadow hat mir von Ihren Reiseplänen berichtet. Ich war in der Zwischenzeit auch nicht untätig und habe schon mal ein kleines Waffenarsenal zusammengestellt. Suchen Sie sich in Ruhe aus, was Sie brauchen.“ Als ich neugierig die Kiste begutachtete, war ich einfach begeistert und wäre ihm beinahe um den Hals gefallen! Er hatte wirklich an alles gedacht! Sogar ein japanisches Kurzschwert, ein Wakizashi, war dabei. Es lag in meiner Hand, als wäre es für mich geschmiedet worden. Die Klinge war nur ca. 70cm lang, es war leicht und einfach zwischen den Schulterblättern zu verstauen.
„Danke, Mythos, das ist ja fantastisch! Genau das, was ich brauche! Oh… und vielen Dank nochmal für das Handy.“ Er zwinkerte mir verschwörerisch zu und trug die Kiste auf meine Bitte ins Schlafzimmer. Er lachte laut, als er Shadows Geschenk auf dem Bett glitzern sah.
„Er ließ sich partout nicht davon abbringen. Aber ich hatte mir gleich gedacht, dass es dir überhaupt nicht gefällt und wohlweislich vorgesorgt.“ Dann verabschiedete er sich rasch und wünschte mir viel Glück. Als er gegangen war, suchte ich meine Kampfmontur zusammen, von der ich mich niemals trennte, und zog mich bis auf Slip und BH aus. Meine schwarze Lederhose mit den Geheimtaschen und die weiße Bluse lagen auf dem Bett parat, als Libell eintrat.
„So, ich bin fertig und schon ziemlich aufgeregt“, verkündete sie und ließ sich lächelnd auf mein Bett fallen.
„Ich habe schon mit dem Manager, der mein Haus während meiner Abwesenheit betreut, in Frankreich telefoniert. Er arbeitet schon lange für meine Familie und ist absolut vertrauenswürdig. Er füllt sogar den Kühlschrank… oh nein, was ist denn das?“ Grinsend zeigte sie auf das Etwas in Pink.
„Frag bloß nicht! Ein Missgriff von Shadow. Ich weiß, er meint es nur gut, aber damit kann ich mich nirgends sehen lassen“, sagte ich und suchte in der Kiste nach den geeigneten Waffen. Sie beobachtete mich interessiert, als ich mir meinen Gürtel mit den Wurfmessern um meine Taille schlang und festzurrte.

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Ihre Augen wurden immer größer, als ich mir auch noch die Oberschenkelgurte anlegte und das Kurzschwert in das Holster, das ich mir umgeschnallt hatte, zwischen meine Schulterblätter schob und alles unter meiner Bluse versteckte.
„Wow! Dich möchte ich nicht zum Feind haben!“ Als ich mir die kleine Pistole, die kaum größer als eine Zigarettenschachtel und eine Spezialanfertigung war, um meinen Knöchel band, platzte sie heraus:
„Himmel! Wie willst du damit durch den Zoll kommen?“ Nachdem ich meine Lederhose über die Waffen zog und mich vor ihr mit ausgebreiteten Armen präsentierte, schüttelte sie verwundert ihren Kopf.
„Also, wenn ich es nicht gerade mit eigenen Augen gesehen hätte… du siehst so unschuldig und lieb aus, als könntest du kein Wässerchen trüben, dabei bist du bestimmt absolut tödlich. Bleibt nur noch das Problem mit den Sicherheitsbeamten… oh, ich nehme mal stark an, das Shadow da was drehen kann, oder?“
„Davon gehe ich aus“, sagte ich zuversichtlich und versuchte meine Haare in einem Zopf zu bändigen. Wortlos nahm sie mir die Bürste aus der Hand und erledigte das für mich. Kurze Zeit später hing ein sauber geflochtener Zopf lang meinen Rücken herunter.
„Oh, danke“, sagte ich und packte die Bürste ein. Sie nahm Pinky in die Hand und lächelte ein bisschen verträumt.
„Er gefällt dir, ja?“ Verlegen legte sie das rosafarbene Ungetüm zurück ohne mich dabei anzusehen. „Wen meinst du?“, fragte sie scheinbar ahnungslos.
„Shadow natürlich“, antwortete ich und verkniff mir ein Grinsen, als sie rot wie eine Tomate abrupt aufstand.
„ Äh… ja, er ist ganz nett. Wir treffen uns dann unten, okay?“, sagte sie und verließ fast fluchtartig das Schlafzimmer. Ich nickte nur lächelnd, da ich sie nicht weiter in Verlegenheit bringen wollte.
Als ich den Rest eingepackt hatte, zog ich meine Lederjacke an, verstaute noch schnell die Kapseln in einer Innentasche und griff mir die Kette, die immer noch auf dem Schreibtisch lag. Ab sofort würde ich sie ewig tragen, schwor ich mir in diesem Augenblick. Egal wie alles ausgehen würde, nur Duncan konnte sie mir noch abnehmen, niemand sonst.
Sorgenvoll warf ich einen letzten Blick zurück in das Zimmer. Hoffentlich ging alles gut aus und ich würde in ein paar Tagen mit Duncan zusammen wieder über diese Schwelle treten. Seufzend schloss ich die Tür und schrak im gleichen Moment zusammen, als die gegenüberliegende Tür von Norberts Apartment geöffnet wurde. Leif stand mit Libells Köfferchen in der Hand im Türrahmen und sah mich verlegen an.
„Sie… sie hat in Norberts Apartment übernachtet. Ich hoffe, das war in Ordnung?“
„Na klar, warum sollte sie nicht? Es steht doch leer.“ Es berührte mich zwar noch immer ein wenig, aber das Leben ging nun mal weiter.
„Ach, könntest du mir bitte bei dem Verschluss helfen?“, bat ich ihn und hielt ihm die Kette hin.
„Natürlich, kein Problem.“ Ich drehte ihm den Rücken zu und hob meinen Zopf an. Seine Hände zitterten ein wenig, aber nach dem dritten Versuch klappte es endlich. Plötzlich spürte ich seine warmen Hände auf meinen Schultern, seine weichen Lippen streiften meinen Nacken und er stöhnte unterdrückt.
„Leif… nein, bitte nicht“, flüsterte ich und drehte mich um. Seine Augen glühten, als er sich entrückt über die Lippen leckte.
„Entschuldige, ich habe mich hinreißen lassen. Kommt nicht wieder vor“, versprach er reumütig und trat einen Schritt zurück. Er stupste mir leicht auf die Nase und nahm mir meinen Koffer ab.
„Sei bloß vorsichtig in Frankreich, ja?“ Angesichts der Tatsache, dass er noch etwas gut bei mir hatte und ich ihn nicht so schnell wiedersehen würde, verzieh ich im den kleinen Ausrutscher.
„Aber immer. Und was machst du jetzt?“ Er zuckte mit den Schultern.
„Ich werde die wenigen noch verbliebenen Söldner jagen und sie erledigen, damit dieses Problem endlich aus der Welt geschafft ist. Vorher werde ich sie natürlich noch gründlich und ausgiebig… befragen“, sagte er, während wir zusammen die Treppe nach unten gingen.
Dass er auf sich aufpassen sollte, brauchte ich ihm nicht sagen. Ich war sehr zuversichtlich, dass er mit den Mistkerlen endgültig aufräumen würde. Unten warteten Shadow und Libell auf uns. Shadow übergab mir gleich eine kleine Mappe.

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„Da sind deine Papiere und neben einer neuen Kreditkarte auch noch etwas Bargeld drin. Ich habe dir Name und Adresse von der Person, die Duncan treffen wollte, aufgeschrieben. Die Adresse des kleinen Hotels, in dem er während seines Aufenthaltes einchecken wollte, ist auch dabei. Ihr landet auf einem geheimen Stützpunkt des Ordens nahe dem offiziellen Flughafen von Le Havre. Die Flugaufsicht in Frankreich ist informiert und ihr werdet bei eurer Ankunft nicht kontrolliert, sondern könnt gleich durchgehen zu den Garagen, wo ein Wagen auf euch wartet. Der Schlüssel steckt.“ Er hatte wirklich an alles gedacht, und das in der kurzen Zeit! Manchmal vergaß ich einfach, wie mächtig er war. Seine Augen funkelten wie Onyx, als er mich plötzlich ernst ansah.
„Kleines, ich will dich nicht unnötig beunruhigen, aber… Duncan hätte sich längst melden müssen. Mag sein, dass er bisher noch keine Möglichkeit dazu hatte, weil er Undercover arbeitet und dann absolute Funkstille hält, aber… ach, vielleicht mache ich mir auch nur unnötig Sorgen. Also, gebt auf euch acht und meldet euch sofort, wenn sich etwas Entscheidendes getan hat, ja?“ Ich verstand ihn schon und nickte grimmig. Ein Grund mehr, so schnell wie möglich aufzubrechen. Ich mochte keine langen Abschiede.
„Danke für alles. Und… wird schon schief gehen“, sagte ich nur und küsste ihn auf die Wange. Ich wollte gerade los, als Mary kam und mein Gesicht in ihre Hände nahm. Stumm musterte sie mich sekundenlang.
„Kommt gesund wieder, ja? Alle drei!“ Sie küsste mich flüchtig auf die Stirn, nickte Libell zu, drehte sich um und ging einfach. Anscheinend mochte sie auch keine Abschiedsszenen. Seufzend sah ich ihr nach. Ich wusste, dass sie sich furchtbare Sorgen um uns machte, besonders um Duncan, sie hatte schon Norbert und Bowen verloren und litt immer noch unter dem Verlust. Stillschweigend gelobte ich ihr und mir Duncan wiederzubringen. Libell nahm meine Hand.
„Komm, der Heli wartet“, sagte sie leise.
Der Hubschrauberlandeplatz befand sich auf einem freien Gelände hinter dem Verwaltungsgebäude. Unser Gepäck war schon von hilfreichen Geistern an Bord verstaut worden. Geduckt liefen wir auf den wartenden Heli zu und kletterten hinein. Sofort schloss sich hinter uns die Tür automatisch und verriegelte sich hermetisch. Verwundert bemerkte ich, dass es im Inneren längst nicht so laut war wie in vielen anderen Helikoptern mit denen ich geflogen war. Libell und ich ließen uns auf unseren komfortablen Plätzen hinter dem Piloten nieder und schlossen die Sicherheitsgurte. Insgesamt hatte der Heli Platz für acht Passagiere. Der Pilot drehte sich mit einem breiten Grinsen zu uns.
„Hallo, Ladies, mein Name ist Ikarus. Ich bin euer Pilot und begrüße euch herzlich an Bord. Bitte anschnallen, Türen schließen und festhalten, diese Fahrt geht rückwärts!“ Aha, ein Witzbold. Ich zog nur eine Braue hoch betrachtete ihn mir genauer. Durch sein jungenhaftes Grinsen, sah er aus wie Anfang 20. Seine blonden Haare waren militärisch kurz geschoren und er hatte niedliche Grübchen. Plötzlich atmete Libell neben mir etwas heftiger und umklammerte mit kalten Fingern meine Hand.
„Sag mir, dass das ein Scherz war!“, bat sie mich erschrocken und schluckte. Was?
„Vielleicht hätte ich erwähnen sollen, dass ich noch nie geflogen bin“, sagte sie leise. Als sie meinen fragenden Blick sah, lachte sei ein bisschen zittrig.
„Ich leide ein bisschen unter Flugangst, aber keine Angst, ich gerate nicht so schnell in Panik… hoffentlich!“ rief sie, als Ikarus feixend meinte, dass noch niemand oben geblieben sei und wir uns ja gut festhalten sollten. Der Heli hob in derselben Sekunde ab und stieg kerzengerade in den Himmel. Libell quietschte ängstlich und zerquetschte fast meine Hand. Stöhnend versprach ich ihr laut, mir den Piloten gleich nach unserer Landung vorzuknöpfen, wenn er nochmal solche dämlichen Bemerkungen von sich geben sollte. Wir gewannen schnell an Höhe. Nach einigen Minuten vollzog der Heli ganz sanft einen eleganten Schlenker und flog weiter in Richtung Süden. Libell entspannte sich langsam und gab meine Hand zögernd wieder frei. Sie war zwar noch etwas blass um die Nase, konnte aber schon wieder lächeln.
„Danke, Angie. Ich weiß, ich benehme mich albern, aber jetzt geht es mir wieder gut. Ich hatte wohl nur Angst vor dem Start, aber er war nur halb so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Da meldete sich Ikarus zu Wort.
„So, Ladies, wir haben unsere Flughöhe erreicht und werden voraussichtlich in einer Stunde in Le Havre landen. Alles in Ordnung, das Wetter spielt höchstwahrscheinlich auch mit. Guck doch mal neben eure Sitze. Unter der Klappe findet ihr einen Thermo-Kaffeebecher und ein Muffin.

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Hat der Boss geordert. Ach ja, genießt es, es könnte euer letzter sein!“, verkündete er mit Grabesstimme, was Libell gleich wieder zusammenzucken ließ. Ich schlug ihm sofort unsanft gegen die Schulter und erklärte ihm, dass das vorhin nicht nur eine leere Drohung war und ich nicht bis zu Landung warten würde. Dann beschrieb ich ihm ausführlich, was ich mit dem Muffin, dem Kaffee, einem Messer und mit ihm anstellen würde, wenn er nicht endlich seine Klappe hielt. Libell gluckste neben mir.
„Wow, mit einem Muffin?“, flüsterte sie. Ich starrte grimmig auf den Rücken von Ikarus
„Ja, besonders die mit Blaubeeren eignen sich dazu!“, setzte ich noch hinzu.
Ikarus zog den Kopf ein und hob beide Hände.
„Schon gut, schon gut. Tut mir leid. Kommt nicht wieder vor“, sagte er, drückte ein paar Knöpfe und drehte sich seufzend zu uns.
„Echt, Ladies, das war ein Scherz! Die Kiste ist absolut sicher.“ Plötzlich musterte er mich argwöhnisch. „Moment mal. Bist du nicht auch… Oh, noch jemand von der Sorte?“
„Was meinst du damit?“
„Vor ein paar Wochen habe ich Doc Jane von NS-Island nach Irland geflogen.“ Plötzlich umwölkte sich seine Stirn und er sah finster an mir vorbei auf einen imaginären Punkt hinter mir. Das war doch nicht alles, seinem Blick nach zu urteilen.
„Was ist passiert?“, fragte ich alarmiert und setzte mich aufrecht hin. Hoffentlich war mit Jane alles in Ordnung!
„Wer ist Jane? Oh warte… sie ist eine Kampfschwester von dir, richtig?“, fragte Libell. Ich nickte ihr flüchtig zu. Später war noch Zeit genug ihr ausführlicher von meinen Schwestern zu erzählen. Zuerst musste ich wissen, was mit Jane passiert war! Der junge Gestaltwandler erzählte uns ausführlich von der Explosion in Irland, bei dem der Learjet zerstört wurde, mit dem er eigentlich Doc Jane und einen gewissen Sam in die USA fliegen sollte. Man merkte ihm an, dass er noch ein bisschen daran zu knabbern hatte, denn er blickte trotz seiner Lässigkeit finster vor sich hin.
„Und dann? Was ist weiter passiert? Und wer ist dieser Sam?“, bohrte ich weiter. Libell saß nur still da und hörte verängstigt zu. Ikarus zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung, wer das war. Er hatte Doc Jane begleitet. Ich habe auch nicht gefragt, dass stand mir nicht zu, ich hatte ja auch nur einen Job zu erledigen. Aber beruhige dich, es ist ja nichts weiter passiert, niemand ist verletzt worden. Es kam auch nichts an die Öffentlichkeit, und die Brüder vor Ort haben die ganze Angelegenheit geklärt.“ Dann war es ja auch kein Wunder, dass ich davon nichts wusste. Etwas beruhigter lehnte ich mich zurück. Aber dieser Sam ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wer war er, und was hatte er mit Jane zu tun?
„Was für eine Spezies war er denn?“, fragte ich und war schon sehr neugierig zu erfahren, mit wem Jane da unterwegs war. Ikarus überlegte kurz, dann schüttelte er den Kopf.
„Ich weiß es nicht. Ich meine, er war kein Mensch, er war… ich kann es wirklich nicht sagen, ich erinnere mich nur an seine ungewöhnliche Aura, die ihn umgeben hat.“ Achselzuckend drehte er sich wieder zurück und ließ mich nachdenklich zurück. Komische Sache, aber Jane schien ihm vertraut zu haben. Durch die Aufregungen der letzten Wochen, hatte ich mich nicht mehr bei ihr gemeldet und mein schlechtes Gewissen meldete sich umgehend. Zum Glück hatte ich ihre Nummer im Kopf. Also zog ich mein Black-Beauty hervor und ließ es lange klingeln, doch niemand hob ab. Na gut, dann würde ich es eben später nochmal versuchen. Ich überlegte schon Sweetlife anzurufen, aber wenn etwas Entscheidendes passiert wäre, hätte sie sich sicher schon bei mir gemeldet.

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Beruhigt steckte ich das Handy wieder zurück in eine der verborgenen Taschen an meinem Oberschenkel und genoss meinen Kaffee. Libell dagegen starrte mich immer noch verblüfft an. Also erzählte ich ihr endlich von meinen Schwestern, den verschiedenen Spezies, denen sie angehörten, ihren besonderen Eigenschaften und was uns zusammengebracht hatte. Ich berichtete auch von der Seraphim, auf der wir unsere Gefährten gefunden haben. Sie war ziemlich beeindruckt und erzählte nun ihrerseits aus ihrem, bis zu der Trollsache, eigentlich ziemlich unspektakulärem Leben. So verging die Zeit wirklich wie im Flug und schon teilte uns Ikarus mit, dass wir unsere Flughöhe verlassen hatten und in wenigen Minuten landen würden. Die Sonne war schon untergegangen, als er den Heli geschickt und sanft unweit des Hauptgebäudes des kleinen Flughafens aufsetzte. Und genau wie Shadow es geplant hatte, konnten wir unbehelligt französischen Boden betreten. Das Wetter war typisch herbstlich. Es wehte ein rauer Wind, der an unserer Kleidung zerrte, und es war empfindlich kalt. Die Luft roch nach Meer. Ein leichter Nieselregen hatte eingesetzt. Ikarus lief mit unserem Gepäck vor uns her zu einer Garage, in der ein französischer Wagen der Mittelklasse auf uns wartete. Er verstand, dass wir es eilig hatten und verstaute die Koffer hastig in dem Kofferraum. Er versprach, in der Nähe zu bleiben, um uns wieder zurück nach Schottland zu fliegen und verabschiedete sich dann per Handschlag.
„Viel Glück euch Beiden. Und grüße Doc Jane, wenn du sie siehst, ja?“ Ich nickte und machte es mir auf dem Beifahrersitz bequem. Libell setzte sich hinter das Steuer und wir fuhren sofort los. Es herrschte kaum Verkehr um diese Zeit, und nach ca. 20 Minuten erreichten wir unser Ziel, den kleinen Ort Octeville sur Mer.
Sie hielt vor einem schlichten weißen Bungalow mit einem gepflegten kleinen Vorgarten, der sich perfekt in die genauso unscheinbar aussehenden Häuser in der Straße einreihte. Dann parkte sie den Wagen direkt vor einer Garage und stieg aus, um den Schlüssel aus einer verborgenen Nische hinter einem Blumenkübel zu ziehen. Ich schnappte mir derweil unser Gepäck und eilte hinter ihr her.
„Hey, ist das nicht ein bisschen unvorsichtig?“ Sie lachte nur und versicherte mir, dass dies hier eine sichere Gegend war, und viele es auch so machen würden. Außerdem haftete auf dem Schlüssel eine Magie, der es nur ihr erlaubte ihn zu benutzen, versicherte sie mir und schloss die Haustür auf.
Im Innern des Hauses stellte ich verblüfft unsere Koffer in dem großen Flur ab und drehte mich langsam um meine eigene Achse.
„Wow, also das sieht man dem Haus aber von außen nicht an.“ Ich schlüpfte aus meinen Schuhen und lief barfuß über die angenehm warmen dunklen Fliesen und tippte gleich auf eine Fußbodenheizung. Alles war im mediterranen Stiel eingerichtet, an den Wänden hingen neben Bildern berühmter Maler, einige antike Spiegel. In jeder noch so kleinen Ecke standen Töpfe mit üppigen Grünpflanzen.
Das große Wohn- Esszimmer, ein gemütliches Kaminzimmer und die Küche im Landhausstil gingen ineinander über und bildeten so eine große Wohneinheit. Nur die Schlafzimmer und angrenzenden Badezimmer hatten abschließbare Türen.
„Das ist ja fantastisch und wunderschön hier!“, rief ich begeistert. Sie lächelt stolz und zeigte mir das Zimmer, das sie für mich vorgesehen hatte. Ich stellte meinen Koffer auf einen niedrigen Hocker und warf meine Jacke auf das riesige Kingsize-Bett. Libell ließ mich unterdessen alleine und zog sich in ihr Zimmer zurück. Mit einem schnellen Blick überflog ich die wirklich schöne Einrichtung. Helle zierliche Möbel, ein begehbarer Kleiderschrank, warme Farben und eine indirekte Beleuchtung sorgten dafür, dass man sich gleich wohlfühlte. Eine große Glastür hinter den bodenlangen duftigen Vorhängen führte auf eine Terrasse, doch ich stand unter einer zu großen Anspannung, um das alles genießen zu können, denn schließlich waren wir nicht zu unserem Vergnügen hier.
Ich verschwand schnell im Bad, um mich frisch zu machen. Auch hier war alles da, was das Herz begehrte. Der helle Marmor, die großzügige Dusche, alles strahlte eine schlichte Eleganz aus.
Wieder zurück, warf ich einen sehnsüchtigen Blick auf das einladende Bett. Doch obwohl ich hundemüde war, musste es leider warten. Es gab jetzt Wichtigeres zu tun. Außerdem war es Zeit für die magische Kapsel. Ich schluckte sie mit einem großzügigen Schluck aus der Wasserflasche, die auf dem zierlichen Schreibtisch für mich bereit stand. Sie hielt mich zwar bei Kräften, konnte aber die Müdigkeit nicht ganz vertreiben. Es war ein anstrengender Tag gewesen, und er war noch nicht zu Ende. Seufzend überprüfte ich den Sitz meiner Waffen und zog meine Jacke wieder an. Dann machte ich mich auf die Suche nach Libell.

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Ich entdeckte sie in der Küche, wo sie gerade dabei war den Inhalt des Kühlschranks zu studieren.
„Okay, dann los!“, rief ich ihr zu und war schon auf dem halben Weg zur Haustür, um meine Schuhe wieder anzuziehen, als Libell hinter mir herlief und mich am Ärmel festhielt.
„Halt, wo willst du denn hin?“
„Duncan suchen?“ Verständnislos sah ich sie an. Was dachte sie denn, was ich vorhatte?
„Oh nein, Angie, heute nicht mehr, es ist schon spät. Morgen ist doch auch noch ein Tag. Du bist stehend K.O. wie ich auch.“ Als ich protestieren wollte, hob sie eine Hand.
„Ich verstehe ja, dass du es kaum erwarten kannst nach Duncan zu suchen, aber überleg doch mal. Wem nützt es, wenn wir jetzt blindlings und erschöpft drauflos stürmen? Niemandem. Und wenn etwas passiert wäre, ob nun gut oder schlecht, hätte Shadow sich sicher schon bei dir gemeldet.“ Verdammt, sie hatte ja recht. Schweren Herzens gab ich nach.
„Na gut, aber gleich morgen Früh geht´s los!“ Müde ließ ich mich auf den Stuhl vor dem ovalen Küchentisch fallen.
„ Dann melde ich mal Shadow, dass wir gut angekommen sind und erst morgen loslegen.“ Während sie alles zusammensuchte, um uns Sandwiches zu machen, telefonierte ich mit Shadow. Er sah das genauso wie Libell und ich gab endgültig nach, als er mir versicherte, keine Nachricht sei eine gute Nachricht. Obwohl ich nicht den rechten Appetit hatte, machte ich mich trotzdem mit Libell anschließend über die Sandwiches her. Ein richtiges Gespräch kam nicht mehr zu Stande, denn wir waren einfach zu müde. Es dauerte auch nicht lange und ich fiel auf dem komfortablen und behaglichen Bett in einen tiefen traumlosen Schlaf.
Am nächsten Morgen, nach einem hastigen Frühstück, fuhren wir los. Wir hatten beschlossen, zuerst zu dem Hotel zu fahren, in dem Duncan sich einquartieren wollte. Obwohl die meisten Touristen um diese Jahreszeit fehlten, kamen wir durch den Morgenverkehr nur langsam voran. Ich konnte meine Ungeduld nur schwer vor Libell verbergen. Sie versuchte, mich abzulenken indem sie mich auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit aufmerksam machte.
Das kleine Hotel lag in der Rue Caligny in der Nähe des Hafens. Der Concierge an der Rezeption, ein junger Mann mit rötlichen Haaren und Sommersprossen, las gerade seine Morgenzeitung. Er legte sie bei unserem Eintreten sofort beiseite und sah uns freundlich lächelnd entgegen. Im letzten Moment fiel mir ein, dass Duncan ja Inkognito unter einem anderen Namen hier eingecheckt hatte. Da den niemand von uns kannte, beschrieb ich Duncan detailliert und fragte nach seiner Zimmernummer. Sofort schaltete der Kerl auf stur und antwortet nur knapp, dass er nicht berechtigt wäre, derartige Auskünfte zu geben und griff mit einem arroganten Gesichtsausdruck wieder nach seiner Zeitung. Genervt schnalzte ich mit der Zunge. Verdammt, ich hatte keine Zeit für solche Spielchen und keine Lust auf endlosen Erklärungen, die wahrscheinlich sowieso fruchtlos endeten. Dann eben auf die harte Tour. Gerade wollte ich in seinen Kopf eindringen und so seine Gedanken manipulieren, um an die Auskünfte zu gelangen, als Libell mich sanft zur Seite schob. Sie strahlte den Mann mit ihren großen blauen Augen liebenswürdig an. Dadurch, dass sie sich auch noch weit über den Tresen beugte und ihm so einen tiefen Einblick in ihr Dekolleté gewährte, hatte sie plötzlich seine volle Aufmerksamkeit. Sie setzte ihren unwiderstehlichen Charme ein und stellte ihm mit einem gekonnten Augenaufschlag und lasziver, heiserer Stimme in fließendem Französisch Fragen über Duncan. Und tatsächlich, binnen kürzester Zeit hatten wir nicht nur die Zimmernummer, sondern auch einen Ersatzschlüssel und die private Telefonnummer von Claude, dem Concierge, nebst einer Einladung für uns beide zu einer intimen Party bei ihm. Als er mich ziemlich schamlos von oben bis unten musterte und mit seinem Blick längere Zeit an meinem Busen hängen blieb, um mir dann auch noch anzüglich zuzuzwinkern, zog ich Libell mit hochrotem Kopf zu dem Aufzug. Auf dem Weg nach oben stupste ich sie in die Seite.
„Hey, ich hätte das auch geschafft!“, murrte ich, „es hat ja nicht viel gefehlt, und er hätte auch noch einen Preis ausgehandelt!“ Innerlich schüttelte es mich. Sie sah spöttisch auf mich herunter.
„Ja sicher!“, erwiderte sie trocken, „so ruhig und besonnen wie du im Moment drauf bist, hätte er jetzt entweder ein Schleudertrauma oder einen irren Blick!“ Meinen finsteren Blick quittierte sie mit einem nachsichtigen Lächeln.
„Ach Angie, es geht auch mal ohne Magie. Außerdem hat mir das eben Spaß gemacht und… wir haben doch alles, was wir wollen, oder?“ Triumphierend wedelte sie mit dem Schlüssel vor meiner Nase und legte ihn dann in meine ausgestreckte Handfläche.
„Der ist nur für den Notfall“, sagte ich ernsthaft. Als sich die Fahrstuhltür im dritten Stock für uns öffnete und wir in den Flur traten, blieb ich abrupt stehen.
„Er ist nicht da.“ Ich hätte es eigentlich schon viel früher spüren müssen, doch dieser Lüstling von Concierge hatte mich abgelenkt.
„Wie bitte?“

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„Er ist nicht da“, wiederholte ich flüsternd, „ich kann ihn nicht spüren.“ Ich lief zu seiner Zimmertür und schloss sie auf. Libell blieb dicht hinter mir. Ich sah mit einem Blick, dass er sich schon früh auf den Weg gemacht haben musste. Sein Bett war zerwühlt, seine Reisetasche stand geöffnet auf einem Stuhl, nur ein schwarzes Shirt hing nachlässig über einem Stuhl. Ich nahm es in die Hand und presste mein Gesicht hinein. Es roch nach ihm. Im Bad lagen die feuchten Handtücher noch auf dem Boden, und ein schwacher Duft seines Aftershaves lag in der Luft. Oh Gott, wir mussten ihn knapp verpasst haben. Es wäre ja auch zu einfach gewesen. Libell legte mir tröstend eine Hand auf die Schulter.
„So wissen wir wenigstens, dass es ihm gut geht. Komm, vielleicht finden wir ja irgendeinen Hinweis darauf, was er als nächstes vorhat?“ Ich biss mir auf die Lippe und unterdrückte meine Tränen. Sie hatte recht, er war wohlauf… bis jetzt jedenfalls. Sie überließ es mir, das Zimmer zu durchsuchen und blieb an der Tür stehen, um mich vor ungebetenen Gästen zu warnen, falls welche auftauchen sollten. Ich fand nichts Relevantes, außer seinem Handy. Es lag in der Nachttischschublade und war ausgeschaltet und mit einem Code gesichert. Ich hielt es ratlos in der Hand und fragte mich, ob er es nur vergessen hatte, oder es mit Absicht hiergelassen hatte, damit niemand, falls ihm unterwegs etwas passieren sollte oder er gar getötet würde, seine wahre Identität enthüllen konnte? Letzteres war mir zu beängstigend und ich verdrängte den Gedanken ganz schnell wieder.
„Und, was machen wir jetzt?“, fragte Libell und nahm mir sein T-Shirt von der Schulter, das ich dort die ganze Zeit unbewusst geparkt hatte.
„Jetzt fahren wir zu der Adresse von diesem Kontaktmann, die Shadow mir gegeben hat. Wahrscheinlich ist Duncan gerade dort.“ Der erste Impuls war sein Handy einzustecken, doch ich legte es vorsichtshalber wieder in die Schublade zurück. Als Nachricht hinterließ ich einen meiner kleinen Wurfsterne und ging entschlossen zur Tür.
„Aber lass uns bloß den Hintereingang benutzen. Wenn ich diesem Claude nochmal begegne, springe ich ihm wahrscheinlich an die Gurgel!“ Libell folgte mir leise kichernd. Wir benutzen diesmal die Treppe. Leise und schnell schlichen wir unten an der Wand entlang und gelangten so, unbemerkt von Claude, der sich wieder hinter seiner Zeitung verschanzt hatte, zum Lieferanteneingang. Im Auto gaben wir umgehend die Adresse von einem gewissen Bruce Fletcher in das Navi ein.
„Ist das weit von hier?“, fragte ich und beobachtete wie das Gerät die Route berechnete.
„Wir müssen bis Harfleur, das sind ungefähr 8-10 Kilometer von hier.“ Unterwegs machte sie kurz an einem Fastfood Restaurant halt und nötigte mich zu einem schnellen Imbiss im Auto.
Als wir in die Rue de Robert Ancel einbogen, hielt ich unwillkürlich den Atem an.
„Warte! Fahr langsam an dem Haus vorbei und versuch dort hinten zu wenden. Nicht dass uns noch jemand bemerkt.“
Wir parkten auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinter einem Lieferwagen und konnten von dort in sicherer Entfernung das Haus gut beobachten. Diesmal konzentrierte ich mich sofort auf Duncan.
„Er ist nicht da!“, flüsterte ich und ballte die Fäuste vor lauter Frust ihn schon wieder verpasst zu haben. Es war zum verrückt werden!
„Angie, du weißt doch gar nicht, ob er schon wieder weg ist oder erst noch woanders hin ist, bevor er sich mit diesem Bruce treffen wollte. Lass uns doch einfach abwarten“, beruhigte sie mich. Ich nickte enttäuscht, was blieb mir auch anderes übrig!
Wir beobachteten das Haus eine Weile, doch nichts tat sich. Nach fast einer Stunde hatte ich die Nase voll und beschloss, etwas zu unternehmen. Ich teilte ihr mit, dass ich jetzt nachsehen würde, ob überhaupt jemand da war.
„Okay, ich gehe zuerst“, sagte Libell zu mir und machte Anstalten aus dem Wagen zu steigen.
„Oh nein, das lässt du schön bleiben. Du bleibst im Wagen oder hinter mir!“, schärfte ich ihr ein und hielt ihren Arm fest. Ihr trotziger Gesichtsausdruck ließ mich die Augen verdrehen und sie härter anfahren, als ich eigentlich wollte.
„Verdammt Libell, das ist hier kein einfaches Abenteuer, verstehst du? Bis jetzt war das alles eine Lappalie, ein Spaziergang, aber ab sofort wird es bitterer Ernst und richtig gefährlich! Ich möchte dich einfach aus der Schusslinie haben.

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Du musst genau meine Anweisungen befolgen, ist das klar? Sonst vergessen wir die ganze Sache gleich am besten!“ Mist, ich hatte sie wohl zu hart angefahren, denn sie sah mich nun ziemlich eingeschüchtert an.
„Bitte, versteh doch, das ist kein Spaß. Hast du so etwas überhaupt schon mal gemacht? Wieviel Kampferfahrung hast du, und wieviel habe ich?“ Sie brauchte nicht lange zu überlegen und nickte zerknirscht.
„Tut mir leid, Angie… du hast ja recht. Ich war wohl zu voreilig und habe überhaupt nicht nachgedacht! Natürlich bist du der Boss.“ Gut, dass das geklärt war, denn es hätte mir sehr leid getan, wenn ihr durch ihren Überschwang etwas passiert wäre. Ich wusste ja auch nicht, was uns in dem Haus erwartete.
Forsch und ohne zu zögern gingen wir auf das Haus zu, so, als wären wir harmlose Besucher oder würden dazu gehören. Ich hielt meine kleine Pistole, deren Munition aus Silberkugeln bestand, in meiner Handfläche verborgen, als wir die Haustür, die einen winzigen Spalt offen stand, erreichten. Vorsichtig stieß ich sie weiter auf und lauschte angestrengt. Nichts. Nichts deutete auf die Anwesenheit von irgendjemandem hin, nur ein lautes Brummen und unser Atem durchbrachen die Stille. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich die Tür so leise wie möglich hinter uns ins Schloss fallen ließ.
„Hier stimmt etwas nicht. Du bleibst am besten hinter mir. Wollen doch mal sehen, was hier los ist “, wisperte ich ihr über meine Schulter zu und sah mich mit meiner Pistole im Anschlag blitzschnell um.
„Hier riecht es aber komisch!“, flüsterte Libell leise, zog die Nase kraus und warf nach meinem Okay einen schnellen Blick in die anderen Räume, deren Türen offenstanden. Im Inneren des Hauses war es fast so kalt wie draußen. Die spartanische Einrichtung wirkte etwas verwahrlost und heruntergekommen. Die Möbel waren zum Teil kaputt und in der Küche stapelten sich Berge von schmutzigem Geschirr, leeren Pizzakartons und Schachteln von einer Fastfood-Kette mit Essensresten. Vielleicht stammte dieser merkwürdige Geruch daher? Das laute Brummen kam von einem uralten Kühlschrank, der ziemlich verdreckt in einer Ecke stand. Im hinteren Bereich des Hauses entdeckte ich eine kleine geschlossene Tür, unter der Licht hindurch schimmerte. Mit angehaltenem Atem lauschte ich, während ich mich der Tür näherte. Libell hielt sich dicht hinter mir. Doch noch immer war kein Laut zu hören. Langsam drücke ich die Klinke herunter, schob die Tür zentimeterweise auf und steckte vorsichtig meinen Kopf hindurch. Dann gab ich Libell grünes Licht. Oha, dies musste ein Labor oder eine Werkstatt sein. Der kleine fensterlose Raum war vollgestopft mit Regalen, die mit Papieren, Akten und merkwürdigen undurchsichtigen Behältern, Drähten und Werkzeugen überquollen. An einer Wand stand eine Werkbank, auf der die Werkzeuge eines Feinmechanikers wild durcheinander neben einer angebissenen Pizza lagen. Der Boden war auch hier mit leeren Fastfood Schachteln übersät. Auf einem Tisch an der gegenüberliegenden Wand flackerte der Monitor eines Computers. Auf der Tastatur lag ein Kopf, aus dem uns blicklose Augen anstarrten. Ein dünner Blutfaden im Mundwickel sickerte in die Tastatur. Wir hatten die Quelle des üblen Geruchs gefunden!
Libell schrie neben mir auf, und ich zuckte erschrocken zusammen. Schnell schlug sie sich die Hand vor den Mund.
„Oh Gott, ich glaub mir wird schlecht!“
„Geh lieber raus, und bewache die Haustür. Ich gucke mich schnell um, dann verschwinden wir von hier! “Das musste ich ihr nicht zweimal sagen. Sie drehte sich auf dem Absatz um und verschwand in Richtung Haustür. Ich steckte die Pistole wieder weg und versuchte nicht durch die Nase zu atmen, während ich die Lage begutachtete. Auf dem Monitor war nur die harmlose Webseite eines französischen Baumarktes zu sehen. Es gab nicht die geringsten Kampfspuren. Der kopflose Körper des recht korpulenten toten Mannes, wirke ziemlich bizarr, denn er saß immer noch aufrecht in einem Bürostuhl – gehalten von den Armen, die auf dem Tisch lagen. Seine rechte Hand hielt die Maus. Ich konnte mich einfach nicht überwinden ohne Handschuhe in den Taschen des Toten nach seinen Papieren zu suchen und deshalb nur annehmen, dass es sich um Bruce handelte. Der Mörder musste ihn eiskalt erwischt haben, als er ihm den Kopf abschlug. Das erklärte auch den überraschten Ausdruck, der auf seinem bleichen Gesicht festgefroren war. Es musste ein sehr scharfes Schwert gewesen sein, denn es war ein sehr glatter, sauberer Schnitt. Alles war voller Blut, besonders der Fußboden.

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Es war gar nicht so einfach nicht in die Pfütze zu treten, die sich rund um den Mann gebildet hatte. Die Ränder der großen Lache unter dem Tisch waren schon eingetrocknet, demnach war der Mann schon längere Zeit tot. Das erklärte auch den strengen süßlichen Geruch. Etwas schimmerte neben seiner Hand, die die Maus noch im Tode umklammert hielt. Ich erkannte die rote Schuppe sofort und ein unangenehmes Kribbeln breitet sich in mir aus angesichts des netten Grußes von Dungeon. Ich hielt mich nicht länger als nötig in diesem Raum auf und ließ alles so, wie es war. Auch die Schuppe rührte ich nicht an. Mit dem Ärmel meiner Jacke wischte ich unsere Fingerabdrücke von der Klinke und warf einen letzten prüfenden Blick durch den Raum. Alles war noch genauso, wie bei unserem Eintreten. Gut so. Libell sah mir erleichtert entgegen. Ich nahm ihre Hand und hielt mich einen Moment an ihr fest.
„Komm, lass uns bloß schleunigst von hier verschwinden!“
Unauffällig wischte ich noch unsere Spuren von der Haustür, bevor ich sie hinter uns ins Schloss zog. Zurück in dem Wagen starrten wir beide schweigend durch die Windschutzscheibe.
„Boah, das war heftig!“, flüsterte Libell nach einer Weile. Sie war immer noch ziemlich blass und reichte mir die Wasserflasche, aus der sie einen großzügigen Schluck genommen hatte.
„Oh ja, und wie! So wie es aussieht, ist der Mann von seinen eigenen Leuten umgebracht worden. Sie mögen keine Verräter. Wahrscheinlich war er der Bombenleger, oder zumindest hat er die Bombe gebastelt, so wie es in der Werkstatt aussah.“ Langsam lehnte ich mich zurück und schloss meine Augen. Ich hatte das Gefühl, dass mir etwas Wichtiges entgangen war, doch was? Ich dachte angestrengt nach und filterte alles ganz genau, was ich dort gesehen hatte, meine Eindrücke, Empfindungen… und plötzlich fiel es mir wieder ein.
„Natürlich!“ rief ich und schlug mir vor die Stirn, „Duncan ist schon längst dagewesen! Entweder gestern oder heute ganz früh. Ich konnte da drin ganz schwach seinen Geruch wahrnehmen. Dieser widerliche Geruch hat seinen fast überlagert. Er muss den Toten auch entdeckt haben und ist dann wieder weg. Ich werde Shadow gleich mal berichten, was wir gefunden haben und ihn fragen, ob es was Neues gibt.“ Ich stellte das Handy auf laut, damit Libell gleich mithören konnte. Doch auch Shadow wusste nichts, Duncan hatte sich noch immer nicht bei ihm gemeldet.
„Angie, das muss nichts heißen, er hält das meistens so, wenn er auf so einer Mission ist. Wir kümmern uns schon um den Toten und alles weitere, mach dir keine Sorgen.“ Nach einer kurzen Pause räusperte er sich.
„Äh… und wie geht es Prinzessin Libell?“, fragte er und hörte deutlich, wie er dabei ein wenig den Atem anhielt.
„Das kannst du sie ruhig selber fragen“, antwortete ich und grinste Libell an, die gleich verlegen zurücklächelte.
„ Ich habe dich auf laut gestellt und sie hört mit.“
„Danke… mir geht es gut. Ich… also, das mit dem Toten war schon… aber es geht mir wirklich gut“, versicherte sie ihm. Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, seufzten wie beide gleichzeitig, was uns ein nervöses Kichern entlockte.
„Und, was machen wir jetzt?“, Libell sah mich unsicher an, „ wie willst du ihn jetzt finden? Wir haben keine Adresse, keinen Anhaltspunkt, wo er sich aufhalten könnte.“ Eine Chance hatten wir noch.
„Ich könnte ihn aufspüren.“
„Ach ja, das wollte dich schon im Hotel fragen. Warum kannst du ihn spüren? Weil du ihn liebst? Ist das so bei Gefährten?“
„Keine Ahnung, warum das so ist, aber ich habe ihn in meinem Blut. Ich habe damals in Peru von ihm getrunken und wenn ich mich auf ihn konzentriere, dürfte ich ihn innerhalb eines Radius von… ich weiß nicht, vielleicht 50 Metern oder mehr, orten können.“
„Kann Duncan das auch? Ich meine dich aufspüren?“ Ich schüttelte mit dem Kopf.
„Ich glaube nicht. Wir sind ja noch nicht verbunden, er hat noch nicht von mir getrunken.“ Ich hatte es noch nie ausprobiert und wusste deshalb nicht, ob es über eine größere Entfernung klappen konnte. Die Sonne ging langsam unter und mir rannte die Zeit davon!
„Libell, wir werden einfach die Gegend abfahren müssen“, sagte ich verbissen, „ und wir fangen mit den Außenbezirken an. Etwas anderes bleibt uns leider nicht übrig. Also los, ich fahre diesmal und du dirigierst mich, einverstanden?“

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„Nein! Ich werde fahren. Ach Angie, wie willst du dich auf Beides konzentrieren? Autofahren und Duncan, wie soll das funktionieren? Lass mich noch eine Weile fahren, dann können wie ja immer noch wechseln, okay?“ Nein, das war eigentlich nicht okay! Aber ich hatte keine Lust mich mit ihr zu streiten und fügte mich zähneknirschend.
Wir begannen unsere Tour mit einem kurzen Abstecher zu Duncans Hotel, doch der brachte auch nichts, er war nicht da.
Wir waren schon eine Weile durch die Straßen von Le Havre gefahren, als Libell vor einem kleinen italienischem Restaurant hielt. Eigentlich wollte ich gerade jetzt keine Unterbrechung, doch Libell sah mich streng an.
„Oh nein, vergiss es! Wir brauchen beide dringend eine Pause, und ich habe Hunger.“ Sie grinste nur, als ich sie finster anstarrte und demonstrativ mit verschränkten Armen sitzen blieb. Libell sprang lachend aus dem Wagen und hielt mir die Tür auf.
„Na? Wie wäre es mit einer schönen saftigen Pizza mit knusprigem Rand und extra viel Käse?“, lockte sie mich hinterlistig. „ Ich kenne den Koch hier, er ist fantastisch und wenn du alles brav aufgegessen hast, lasse ich dich auch ans Steuer. Na, ist das ein Angebot?“ Damit hatte sie mich. Mein Magenknurren verriet mich noch zusätzlich, denn ich hatte durch meine Suche nach Duncan meinen Hunger glatt vergessen. Ich gab ihr recht und seufzte innerlich. Meine Sorge um Duncan ließ mich langsam durchdrehen und eine Ablenkung tat sicher gut.
„Biest!“, brummelte ich trotzdem, als wir gemeinsam das Restaurant betraten. Sie hatte nicht übertrieben. Die Pizza war köstlich und die kleine Pause war wirklich nötig. Außerdem war es mal wieder Zeit für meine Kapsel. Dennoch wurde ich unruhig und drängte zum Aufbruch. Großzügig übernahm Libell die Rechnung, während ich schon zum Auto lief.
Endlich saß ich wieder hinter dem Steuer und ließ mich von ihr durch die Straßen zu dem Hafenviertel leiten. Gleichzeitig streckte ich meine mentalen Fühler nach Duncan aus.
Wir fuhren schon einige Zeit durch die fast menschenleeren Straßen immer knapp unter der vorgeschriebenen Geschwindigkeit, damit mir ja nichts entging, als wir in eine ziemlich zwielichtige Gegend abbogen. Nur wenige renovierungsbedürftige Wohnhäuser zwischen leer stehenden Lagerhäusern und Baulücken säumten die schlechtbeleuchten Straßen. Immer wieder musste ich tiefen Schlaglöchern ausweichen. Ich dachte gerade daran, wie sich dieses vernachlässigte Viertel von dem schmucken Jachthafen mit seinen eleganten und luxuriösen Booten unterschied, als ich mich plötzlich seltsam unwohl fühlte. Beunruhigt rutschte ich auf dem Sitz herum und sah zu Libell, doch sie schien nichts zu bemerken. Etwas Bedrohliches lag in der Luft. Ein paar Sekunden später hatte ich das Gefühl, als ob mir jemand mit der Faust in den Magen schlug. Ein eisernes Band legte sich um meine Brust. Ich rang keuchend nach Luft, umklammerte angestrengt das Lenkrad und trat das Gaspedal durch. Libell schrie entsetzt neben mir auf.
„Angie! Was ist denn?“ Ich spürte eine dunkle Energie… eine sehr dunkle. Sie war so stark, dass sie mir körperliche Schmerzen bereitete. Doch ich spürte auch gleichzeitig etwas anderes.
„Schwarze Magie!“, presste ich hervor und konzentrierte mich sofort wieder auf die Straße. Zum Glück war in der Gegend nichts los um die Zeit. So konnte ich Gas geben.
„Und zwar ganz in der Nähe. Ich habe ihn! Ich habe Duncan endlich gefunden! Er wird von mehreren Magiern angegriffen und ist in Lebensgefahr!“ Lieber Gott, lass mich bloß nicht zu spät kommen, betete ich und fuhr immer schneller. Ein unsichtbares Band zog mich in die ungefähre Richtung, wo der Kampf stattfand.
Angestrengt spähte ich in jede der schmalen Seitengassen. Libell klammerte sich mit schreckgeweiteten Augen an ihren Sitz, als ich eine Kurve ziemlich scharf und mit quietschenden Reifen nahm ohne vom Gas zu gehen.
„Kommt schon… wo seid ihr?“, stieß ich hervor. Endlich! Ich konnte Duncan genau fühlen und bremste den Wagen abrupt am Bordstein ab. Libell und ich wurden in die Gurte gepresst. Libell stöhnte laut auf und versuchte durch die Scheiben etwas zu erkennen.
„Wo sind sie, ich kann sie nicht sehen?“ Ich zeigte ihr die ungefähre Richtung.
„Sie sind zwei, höchstens drei Straßen entfernt. Ich kann nicht näher heranfahren, ohne zu riskieren, dass wir entdeckt werden.“ Ängstlich sah sie mich an.

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„Kannst du spüren, wie viele Magier es sind?“ Ich schüttelte den Kopf und atmete flacher, damit der Druck in meinem Brustkorb nachließ. Das half zum Glück und so konnte ich den Schmerz ausblenden.
„Keine Ahnung, vielleicht zwei… ich weiß nicht, ich kann nur Duncan genau spüren und eben diese dunkle Magie.“ Und die war ziemlich komplex. Es mussten also mehr als zwei sein, aber das behielt ich lieber für mich. Ein wenig furchtsam sah sie die Straße entlang.
„Und, was machen wir jetzt? Du hast doch einen Plan, oder? Bitte sag mir, dass du einen Plan hast!“ Ich nickte schnell. Na ja, einen konkreten hatte ich nicht, aber das musste ich ihr nicht auf die Nase binden. Sie war schon ängstlich genug und verließ sich voll auf mich, also musste ich mir schnell etwas einfallen lassen. Ich sah mich blitzschnell um und beschloss zu improvisieren.
„Wir gehen jetzt zu Fuß weiter. Sobald wir da sind, verschaffen wir uns einen Überblick… dann sehen wir weiter. Zum Glück war niemand weiter zu sehen, so konnten wir uns ungesehen anschleichen. „Bleib dicht hinter mir und halte die Augen offen, ja? Wird schon schiefgehen.“ Ich drückte Libell aufmunternd den Arm. Sie nickte stumm und lächelte verzagt. Geistesgegenwärtig zog ich noch schnell den Schlüssel ab und steckte ihn ein, bevor jemand in dieser zwielichtigen Gegend das Auto als leichte Beute ansah und somit unseren Rückzug gefährdete.
„Also los, treten wir diesen Mistkerlen in den Hintern und holen Duncan da raus. Noch haben sie uns nicht entdeckt, wir haben also den Überraschungseffekt auf unserer Seite“, flüsterte ich während ich die Autotür leise ins Schloss fallen ließ. Lautlos liefen wir an einigen Gebäuden vorbei und gelangten ungesehen in eine kleine Seitengasse. Hier musste der Kampf stattfinden. Es war eine Sackgasse. Am Eingang stand ein rostiger Müllcontainer, hinter dem wir in Deckung gingen. Rechts und links ragten Hauswände in die Höhe und am Ende der Gasse stand eine hohe Mauer. Es war schon sehr verwunderlich, dass niemand auf das Geschehen hier aufmerksam wurde, doch ich wusste auch gleich warum. Die Magier hatten sich und ihre Umgebung in einem Radius von einigen Metern mit einem Schutzzauber umgeben, der normal Sterblichen alles in einem diffusen Licht erscheinen ließ und die Geräusche ausblendete. Doch für uns war das kein Hindernis. Wir sahen drei Magier, die besiegt am Boden lagen. Der vierte wankte auch schon bedenklich. Nur der fünfte stand noch aufrecht, leistete erheblichen Widerstand und griff Duncan immer wieder an. Plötzlich machte ich mir große Sorgen um Duncan. Sein Schwert lag außerhalb seiner Reichweite und er war nur noch mit einem Dolch bewaffnet. Er stand zwar noch aufrecht und überragte mit seiner großen Gestalt seine Gegner, aber seinen müden Bewegungen nach zu urteilen musste der Kampf schon ziemlich lange dauern und er war verletzt. Wie schwer, konnte ich nicht erkennen, nur an seiner Seite breitete sich ein großer dunkler Fleck aus.
Jetzt musste alles schnell gehen.
„Hör mir genau zu, Libell. Alleine schaffe ich es vielleicht nicht“, wisperte ich hastig, „ kann sein, dass ich deine Hilfe brauche. Du musst dann mein Verstärker sein. Sobald ich dir ein Zeichen gegeben habe, nimm Körperkontakt zu mir auf. Fass meinen Arm oder meine Schulter an, egal was, und lass dann sofort deine Energie in mich hineinfließen, ja? Aber schließe um Himmelswillen deine Augen, das ist ganz wichtig! Hast du verstanden?“ Sie hatte mir aufmerksam zugehört und nickte eifrig.
„Noch wichtiger ist es für dich, mich rechtzeitig wieder loszulassen. Sonst riskieren wir eine Art Rückkopplung, die dich verletzten könnte. Aber keine Angst, ich sage dir früh genug Bescheid. Wir schaffen das… gemeinsam.“ Ich zögerte keine weitere Sekunde und drückte Libell meine kleine Waffe in die Hand.
„Hier, für den Notfall. Kannst du damit umgehen?“
„Ja, kein Problem.“ Ich schärfte ihr gerade ein, die Deckung nicht zu verlassen, außer ich würde ihre Hilfe brauchen, als ein Geräusch mir einen eisigen Schauer über den Rücken jagte. Ich riss meinen Kopf herum und sah mit Entsetzten, wie Duncan zu Boden ging und bewegungslos liegen blieb. Über ihm stand breitbeinig der letzte verbleibende Magier, eine Frau mit bleichem, vor Hass verzerrtem Gesicht. Ich sah einen Dolch mit einer sehr langen Klinge in ihren Händen, den sie hoch über seinen Kopf hielt, bereit zuzustoßen, um ihm den Rest zu geben.
„NEIN!“, schrie ich laut und rannte auf sie zu. Noch im Lauf zog ich ein Wurfmesser und schleuderte es ihr entgegen. Ich hatte zwar das Überraschungsmoment auf meiner Seite, doch die Magierin bewegte sich genau in diesem Moment und sah mir verdutzt entgegen. Das Messer streifte ihren Arm, aber sie war wenigsten von Duncan abgelenkt. Sie ließ von ihm ab und griff sofort in die Tasche ihres schwarzen Umhangs.

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Ich gab ihr keine Gelegenheit eine Waffe zu ziehen. Ich rammte sie mit der vollen Wucht meines Körpers. Und obwohl sie mich um mindestens einer Kopfgröße überragte und kräftiger als ich gebaut war, geriet sie ins Straucheln. Mit beiden Händen gab ich ihr noch einen kräftigen Stoß und sie fiel auf den Rücken. Ich sprang über sie hinweg, drehte mich sofort um und zog blitzschnell mein Schwert.
„Du bekommst ihn nicht, du Miststück!“, knurrte ich und schaltete sofort auf Kampfmodus. Ich hätte sie beinahe unterschätzt, als sie für einen Moment hilflos am Boden lag. Denn sie war schnell, aber nicht schnell genug. Das Messer, das sie mir entgegen schleuderte, konnte ich rechtzeitig mit meinem Schwert aus der Bahn kicken. Sie sprang behände auf ihre Füße und fauchte frustriert. Ich war bereit, und wartete auf ihren Angriff. Dabei ließ ich sie keine Sekunde aus den Augen. Unauffällig lockte ich sie von Duncan weg, indem ich sie umkreiste und mich so zwischen sie und Duncan schob. Leider bemerkte die kleine Waffe, die sie in ihrer Hand verborgen hatte zu spät. Ich trat ihr zwar noch gezielt gegen den Arm, doch ein Schuss hatte sich schon gelöst. Die Kugel streifte meinen Arm zum Glück nur und schlug in die Hauswand hinter mir ein.
„Du wirst von ihm nicht mehr viel haben, Schätzchen!“, krächzte sie mit einer widerlichen Stimme und lachte hämisch, „der macht es nicht mehr lange. Eigentlich schade um ihn. Der wäre noch etwas für mich und meine Sammlung gewesen.“ Als sie sich genüsslich über ihre dünnen Lippen leckte und ihr schwarzes Haar, das ihr in langen, dünnen Strähnen um das Gesicht hing, schüttelte, sah ich rot. Mit einem Schrei stürzte ich mich auf sie, wich ihren Tritten und Fäusten geschickt aus und drängte sie immer weiter mit meinem Schwert an die Hauswand. Als ich ihr meine Schwertspitze genau an die Stelle, wo ihr Herz sitzen musste hielt, gab sie jede Gegenwehr auf, sah mich mit abgrundtiefem Hass an und presste sich an die Wand. Stocksteif und keuchend wartete sie auf den Todesstoß. Ich trat dichter an sie heran. Mit Genugtuung bemerkte ich die ganzen Blessuren in ihrem Gesicht, die sie von Duncan kassiert hatte.
„Du rührst ihn nie wieder an, dafür werde ich sorgen“, versicherte ich ihr eiskalt. „ Für jede Wunde, für jeglichen Schmerz, den ihr ihm zugefügt habt, wirst du jetzt bezahlen!“ Gnadenlos und ohne zu zögern stieß ich mit aller Kraft zu. Das Schwert drang in ihren Körper ein, durchbohrte die Rippen und das Herz. Erst als ich auf einen Widerstand der Wand hinter ihr stieß, stoppte ich und beobachtete sie genau. Ihr Gesicht verzog sich qualvoll und sie schloss die Augen. Plötzlich hoben sich ihre Mundwinkel und sie lachte leise. Sie öffnete ihre kleinen schwarzen Augen wieder und sah mich triumphierend an. Ihre dunkle Macht schlug mir entgegen. Verdammt, wie war das möglich, dachte ich entsetzt. Warum lebte sie noch? Lebte sie überhaupt?
„Netter Versuch, aber du kannst mich nicht töten. Dein Schwert ist vollkommen nutzlos, denn ich habe schon lange kein Herz mehr. Ich habe es meinem Meister Dungeon geschenkt. Ich kann nicht von dir besiegt werden, Hexe.“ Sie war zwar nicht tot, aber der Stich mit dem Schwert musste sie doch ziemlich geschwächt haben. Jedenfalls war sie zu schwach, um mich anzugreifen.
„Ach ja? Das werden wir noch sehen. Du hast dich mit der Falschen angelegt, Schätzchen.“ Ich zog mein Schwert wieder heraus, trat zurück und warf es einfach zur Seite. Für das, was ich vorhatte, brauchte ich es nicht. Irritiert sah sie erst das Schwert, dann mich an. Sah ich da etwa Angst in ihren Augen aufblitzen? Sehr schön, die sollte sie auch spätestens jetzt haben. Ich trat noch weiter zurück, hob kurz meine Hand als Zeichen für Libell und spürte auch schon ihre Hand an meiner Schulter. Dann streckte ich meine Arme aus, spreizte meine Finger und konzentrierte mich auf die gewaltige Kraft, die tief in meinem Inneren schlummerte. Sie war wahrscheinlich ein Erbe von Shadow, was ich damals, als ich sie schon einmal in Peru einsetzte, noch nicht wissen konnte. Seinerzeit hatten Doc und ich einen schwarzen Druiden gemeinsam vernichtet. Die Macht der Magierin war trotz ihres geschwächten Zustands nicht zu unterschätzen. Und bevor sie sich heilen oder neue Kraft schöpfen konnte, richtete ich schnell meine Finger auf sie aus und flüsterte leise, kaum hörbar die uralten Formeln. Sofort spürte ich die gewaltige Macht in mir ansteigen. Unaufhörlich durchströmte sie jede Faser meines Körpers und vereinigte sich mit dem Energiestoß, den ich von Libell in diesem Augenblick erhielt.
„Loslassen!“
Abrupt zog Libell ihre Hand zurück und nahm Abstand von mir.

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Diesmal konnte ich die Gabe schon wesentlich besser kontrollieren als beim letzten Mal und leitete diese geballte Energie zu meinen Fingerspitzen. Augenblicklich entlud sie sich als gewaltige Blitze, die die Magierin völlig unvorbereitet trafen. Sie riss in Todesangst ihre schwarzen Augen ungläubig auf und hatte nicht einmal mehr die Zeit zu schreien, als eine sehr helle gleißende Strahlung sie vollständig umhüllte. Die Luft um uns schien zu explodieren, doch sie verletzte uns nicht, sondern verwandelte die Frau vor unseren Augen binnen weniger Sekunden in ein Häufchen Asche. Anschließend lenkte ich die Blitze zu den vier am Boden liegenden Magiern, auch von ihnen blieb nach kurzer Zeit nicht mehr als ein graues Häufchen Unrat übrig. Dann war alles vorbei. Die mit Elektrizität aufgeladene Luft knisterte noch etwas und es roch ein wenig nach Ozon. Schwer atmend stützte ich mich mit beiden Händen auf meine Knie und versuchte so schnell wie möglich wieder zu Kräften zu kommen. Es hatte mich mehr angestrengt als ich dachte.
„Damit hast du wohl nicht gerechnet, du Schlampe! Niemand vergreift sich ungestraft an meinem Gefährten… niemand!“, keuchte ich grimmig und trat mit einem Fuß in die Asche, um sie zu zerstreuen. Libell zeigte keinerlei Zeichen von Schwäche und eilte zu Duncan, der immer noch auf dem Asphalt lag und sich nicht rührte.

Fortsetzung folgt…

Kapitel 1: Seitensprung der Sisterhood – Ankunft in Schottland

Kapitel 2: Seitensprung der Sisterhood – Das Anwesen der Bruderschaft

Kapitel 3: Seitensprung der Sisterhood – Geheimnisse

Kapitel 4: Seitensprung der Sisterhood – Verschwörung

Kapitel 5: Seitensprung der Sisterhood – Entführt

Kapitel 6: Seitensprung der Sisterhood – Die Rückkehr

finden sich hier.

Copyright © Seitensprung der Sisterhood

40 Kommentare
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  1. Die Fahrt geht rückwarts ;) hahahahahha jaja der Ikarus das is schon einer ;)

    supercool Angie.

    Ich. Kann. Kaum. Erwarten. Das. Angie. ENDLICH. Duncan. Wiedersieht.

    Junge junge junge aber ich hab da son ungutes Gefühl. Jau haha oder kommt Angie doc zu hilfe wenn der Ikarus ausgepackt hat??? Wäre doch schöööööööööööön

    Echt toll Angie, schreib ens weiter ne!

  2. Jaahaa… kommt ja noch, also das Wiedersehen. Und speziell für Dolci hat die Angie mit Leif ein bikki rumgemacht… obwohl, war ja eher andersrum, gell. ;)
    Oh Kerstin, Pinky kannste gerne haben, aber erst wenn ich ein paar Brillis rausgepuhlt habe. :-D

  3. Hey juhhhuuuuuuuu danke angie das ging wiedermal super schnell…. aha dieser ikarus sollte wirklich mal ne kleine abreibung bekommen die arme libell…. ohh man das ist jetzt kurz vor den ersehnten treffen mir duncan .. was wird er wohl sagen wenn er seine angie wieder sieht.. . mannno man ich platze bald vor neugier… aaaaannnnnggggggiiiiiiiieeeeee………

  4. Hahahaha Marci, nicht platzen! Es geht weiter… ;)

  5. das sagst du so leicht…. bei mir sind alle nerven blank ;-) hahahaha

  6. ich hab´s, ich hab´s… brauche aber noch ein bisschen Zeit wegen B-Day-Feier – hoffe, es klappt am Abend ;-) LG

  7. Oha… schon wieder Burzeltach? Du kommst aus der Feierei aber auch nicht raus, was? :-D
    Lass dir ruhig Zeit, keine Hektik!

  8. ach ihr Lieben, nein komme aus dem Feiern nicht mehr raus… bin heute Morgen erst um 6 ins Bett gekommen und immer noch nicht wieder fit! ;-( … aber die Fortsetzung kommt heute noch – versprochen!
    LG und danke für eure Geduld

  9. … aaaaaaaaaaah und ich habe mir schon die Fingernägel bis aufs Blut abgekaut, weil ich dachte, es wäre zu schlecht geworden. :(
    (war natürlich ein Witz! Ich kaue gar nicht an den Nägeln, ha!)
    Dolce, du machst alles richtig! Brave Mädchen kommen im Hellen nach Hause oder gehen wenn es hell ist ins Bett! :-D

  10. hey dolce mach dir doch keine gedanken ist doch super…. würde wenn ich könnte auch mal wieder feiern bisschen feiern gehen… geniess es so lang es anhält…. viel spass dann noch… ;-)

  11. arghh.. aber irgendwie habe ich das ganz frühe Zubettgehen schon mal besser weggesteckt… ;-(
    Angielein bist online! So, so, Duncan ist also nicht da, wo steckt er denn bloß? Dass du auch immer aufhören musst, wenn es so richtig spannend wird! ;-) LG und schlaft schön…

  12. Angie wooooooooooooooooooooooow……
    ja wo ist Duncan??? Verdammt …. also ich habe ja so auf ein wiedersehen mit allem drum und dran gehofft…. oh man ist das spannend.

    Genau Dolce, wenn der Sommer so mies ist, kannste doch wenigstens abfeiern bis der Arzt kommt…

    glg

  13. Mmmmaaaaannnnnnnnnnnnnnooooooooo angie das ist jetzt echt nicht wahr was macht der mann wieder arme angie die wird noch verrückt wenn sie ihn bald in die arme nimmt und sie braucht auch noch das blut….. Aaaannnngggggiiiiiiieeeeeee was ist da los wartet sie im zimmer mit sexy desous oder geht sie ihn suche oder was???? Aaaaaaahhhhhhh

  14. Abwarten… hehe ;) Ich habe ja schon wieder fertig. Aber der Boss ist ja nicht sooo auf dem Posten. Ich traue mich nicht was los zu schicken… :-(
    Ach was.. sie kann es ja reinsetzten, wann sie will. So, dann liefere ich mal. :-D

  15. hahahahaha…. du schlimmes luder…. ;-) lässt uns extra im ungewissen… hahahaha… nit schlecht.. bin jetzt gespannt…

  16. :-D … hahahahaha und diesmal hab ich selber schiss gekriegt beim Schreiben… hehe

  17. ohhhh nein …. wieso das??? aber hast dich wieder gefangen????

  18. so ein mi st .. habe gedacht kriege was aus dir raus angie .. leider nicht geklappt… ;-( aber das nächste mal hahahaha freue mich natürlich auf die fortsetzung …

  19. Nein, verraten wird nix! :-D

  20. hihi, jetzt schon!!! Bist online, Angie. Aber ich verrate auch nix… :lol: nur so viel… es wird blutig! :oops:
    LG

  21. Aaaaaaaaaannnnnnnnnniiiiiiiiiieeeeeeeeee!!!!!!!!!!!! Willst du uns vor lauter spannung umbringen? Was ist mit duncan passiert ….. Hahahaha ne wirklich. .. Hey wollte dir noch ein lob da lassen das machst du super musst echt mal sagen …. Mach so weiter freue mich schon …. Bis dann mädels

  22. Danke Marci. :-D Ich freue mich immer, wenn es dir gefällt und keine Angst, das Wiedersehen mit Duncan kommt als nächstes, nur wie…. das wird nicht verraten.
    Ha, das war noch gar nichts! Ich wollte erst noch blutrünstiger… so mit leeren Augenhöhlen, in der so ne Schuppe steckt, oder wo anstelle der Zunge… und die hing dann an einem Nagel an der Wand… aaaaaaaaaaaber das war selbst mir zuviel. hahahahahaha.

  23. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah

    Hammer Angie. Voll spannend und bisschen eklig so wie es sein soll :lol: ….

    öhm wo ist Duncan denn? Dem gehts aber gut oder? Menno ich möchte endlich das Angie und Duncan sich wiedersehen, sich vertragen und so…. *schnief* aber wenn was schlimmes wäre würde Angie das ja merken oder??? Ja ne??? Ja! oder nicht?

    Mach mal weiter ich halts nicht aus :D

  24. Duncan steckt bestimmt ein wenig in der Patsche und wird jetzt in allerletzter Minute von Angie gerettet, dann kann er gar nicht mehr anders und verzeiht ihr, gell Angie ;-)

  25. Das glaube ich auch dolce. wie immer die Frau muss erst dem Kerl den Hintern retten und dann noch bestimmt hinter ihm aufräumen… hahahahaha…. oder erwischt ihn angie grade als sich eine andere an ihn ran macht… uuuuhhhhh das wärs doch das gäbe Ärger meeeegggggggaaaaa…. ihihihihi… hmm angie gibt es einen Tipppp???????

  26. … besonders wenn der Hintern so knackig ist… :-D
    Okay, einen Tip hab ich! Es wird knapp! Also es wird so knapp 3 Seiten geben… hihi.

  27. … Ich glaube, es sind sogar mehr geworden. ;) Jo…

  28. Hey angie das ist gemein lass bbbbiiiiiittttttteeeeee die steiten rüberwachsen bbbbbiiiiittttteeee was ist jetzt mit angie und duncan mmmmaaaannnnnoooo ;-)

  29. hi Marci, Angie ist unschuldig, sie hat schon was geliefert… es kommt morgen, versprochen! ;-) LG

  30. Ne kein problem nur sie macht es so spannend ;-) hihihi

  31. oh je, besser spät als nie, gell!!! ;-) sorry, dass es so lange gedauert hat, aber das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. D.h. hm, ich hoffe, Duncan wird wieder…

  32. omg Gott. Endlich hat sie ihn gefunden und jetzt? Er wird doch wieder oder? ja muss er … und hoffentlich ist er froh das angie da ist und oh mann. Blöde schwarze Magiertussi pft

    Hammer Angie und es wird immer spannender falls das nocht geht.

  33. Wow angie …. Da sieht man es wieder was würden die männer ohne uns frauen tun …. Hihihihihi……. Ich hoffe ebenfalls das duncan wieder fit wird… So ein erstest wieder sehen hatte ich nicht erwartet damit hast du mich echt überrascht wirklich super gemacht das mich jetzt natürlich neugierig freue mich schon auf die fortsetzung …. Sag bescheid wenn du hilfe. Brauchst ;-) hihihi….

  34. Mmh.. ich hatte gerade mal kurz die Idee den Duncan Hops gehen zu lassen. Aaaaaaaaaah.. aber nur gaaaanz kurz. Oh man.. oder soll ich doch? Nee tu ich nicht! Mmmh… :-(

  35. Hmmm aaaannnggggiiiiieeeeee wwwwaaaaagggg dich ja nicht ;-) bin traurig ;-( bin echt gespannt …

  36. Hahahaha.. ich habe eben geliefert! Laßt euch überraschen! :( :-D

  37. oooooohhhhh aaaaahhhhhhh das glaube ich nicht …. manno…… jetzt hast mich echt geschockt…. sssssoooooo schnell… sssuuuuppppiiiieee danke

  38. huhu meine lieben Ladies, sorry, dass es mal wieder sooooo lange gedauert hat. Aber… eure Geduld wird belohnt! ;-) Lest die unglaubliche Rettungsaktion von Duncan!!! Viel Vergnügen und schönes Wochenende…

  39. [...] Kapitel 7: Seitensprung der Sisterhood – Le Havre [...]

  40. [...] Kapitel 7: Seitensprung der Sisterhood – Le Havre [...]

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