Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 14/2008

Platz 1 : Feuchtgebiete von Charlotte Roche
Platz 2 : Die Tore der Welt von Ken Follett
Platz 3 : Laienspiel von Volker Klüpfel und Michael Kobr
Platz 4 : Ein liebender Mann von Martin Walser
Platz 5 : Das Schicksal der Zwerge von Markus Heitz
Platz 6 : Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer
Platz 7 : Der letzte Weynfeldt von Martin Suter
Platz 8 : Das Wochenende von Bernhard Schlink
Platz 9 : Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones
Platz 10 : Vergebung von Stieg Larsson

KrimiWelt-Bestenliste im April 2008

Platz 1 : Die Söhne Abrahams von Robert Littell
Platz 2 : Shooting Star von Peter Temple
Platz 3 : Die Sehnsucht der Atome von Linus Reichlin
Platz 4 : 1983 von David Peace
Platz 5 : Stalins Geist von Martin Cruz Smith
Platz 6 : Last Drinks von Andrew McGahan
Platz 7 : Sniper von Lee Child
Platz 8 : Verluste von Lawrence Block
Platz 9 : Der Bestseller-Mord von Michael Collins
Platz 10 : Abschied ohne Küsse von Allan Guthrie

In 180 Tagen um die Welt. Ein Abend mit Matthias Politycki

Ein Abend mit Matthias Politycki

In 180 Tagen um die Welt
Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl

Lesung am Mittwoch, 2.4.2008, um 20:00 Uhr im Saal des Münchner Literaturhauses, Salvatorplatz 1
Moderation: Christoph Bartmann

Matthias PolityckiÜber den Autor
Matthias Politycki, geboren 1955, gilt als «eminenter Humorist» (Die Zeit) und ist einer der wichtigsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein umfangreiches Werk, darunter der Weiberroman, umfasst Prosa, Essays und Lyrik. Zuletzt erschienen die erzählenden Essays Vom Verschwinden der Dinge in der Zukunft und sein großer Kuba-Roman Herr der Hörner. Matthias Politycki lebt in Hamburg und München.

In 180 Tagen um die WeltKurzbeschreibung
«Fonsä, Veit, Wolfi, Zenz! Wenn ich s nicht mit eignen Augen gesehen hätte, ich würde s schier selber nicht glauben.» Wer eine Reise auf dem besten aller Kreuzfahrtschiffe macht, der hat etwas zu erzählen; wer sie als einfacher Finanzbeamter aus dem bayerischen Oberviechtach antritt, den ein Lottogewinn an Bord geführt hat, der kommt aus dem Staunen so schnell nicht mehr heraus: Johann Gottlieb Fichtl, von seiner Tippgemeinschaft mit Motivkrawatten und einem «Aldi-Smoking» aus dem Fundus des Bürgermeisteramtes für seine Reise ausgestattet, macht sich auf, die Welt im Allgemeinen und vom Penthouse-Deck bis hinunter in die Pumpensümpfe die von MS Europa im Besonderen zu erkunden.
In 184 Shortcuts berichtet er vom aberwitzigen Fünfsterneplus-Alltag an Bord und seinen nicht minder (aber-)witzigen Erlebnissen an Land: Die Reisegesellschaft entpuppt sich dabei mehr und mehr als Kuriositätenkabinett, das auf einem schwimmenden Zauberberg unserer Zeit dem Rausch der Intrigen und Gerüchte frönt und dabei grandios an Leben und Tod und all dem existenziellen Ernst vorbeifeiert, dem auch die Europa auf ihrer Fahrt durch die sieben Weltmeere nicht entkommt. Dieser Fichtl aus Oberviechtach aber, der an Bord bald zu «einem Großen, einem ganz Großen» hochgetuschelt wird, findet am Ende der Reise den Ort seiner Bestimmung: Für ihn hat das Abenteuer gerade erst begonnen.
Mit In 180 Tagen um die Welt hat Matthias Politycki den Schelmenroman des beginnenden 21. Jahrhunderts geschrieben: Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl ist eine kühne Tour de farce, auf der Politycki die Idiosynkrasien unserer Gesellschaft mit satirischer Brillanz in ihre Bestandteile zerlegt. Und für den Leser zu einer ganz und gar phantastischen Reise neu zusammensetzt.

Veranstalter: Antje Kunstmann Verlag, marebuchverlag, Stiftung Literaturhaus, Eintritt: 8,00 Euro/ermäßigt 6,00 Euro

Wäre es schön? Es wäre schön! Ein Abend mit Irina Liebmann im Literaturhaus

Irina Liebmann
Wäre es schön? Es wäre schön!
Mein Vater Rudolf Herrnstadt
Lesung am Dienstag, 1.4.2008, um 19:30 im Saal des Münchner Literaturhauses, Salvatorplatz 1

Aus einer bürgerlichen jüdischen Familie im oberschlesischen Industrierevier stammend, hatte Rudolf Herrnstadt (1905-1966) den aufziehenden Faschismus früh erkannt und beschlossen, nicht zu fliehen, sondern gegen ihn zu kämpfen. Er wurde Kommunist undließ sich, wo er gebraucht wurde, von der Partei einsetzen.

Irina Liebmann, erst in Ostberlin, später in Westberlin, mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, entdeckt ihren Vater als Akteur der Zeitgeschichte und zeichnet den großen Bogen seines Lebens nach †“ vom Warschau der Vorkriegzeit bis zum Trümmerfeld von Berlin, von Moskau im Krieg bis zum Aufbau des Stalinismus. Er wurde der sprachgewaltige und bekannteste Pressemann der Ostzone und der frühen DDR, bevor seine Hingabe für die Sache des Kommunismus tragisch endete.

Wäre es schön? Es wäre schön! Kurzbeschreibung
Wäre es schön? Es wäre schön! ist die Biographie eines restlos engagierten Menschen, dessen Anliegen es war, das aktuelle Weltgeschehen begreifbar zu machen, den Krieg zu beenden und in Deutschland einen Neuanfang zu wagen.
Rudolf Herrnstadt (1903-1966) war der sprachgewaltige und bekannteste Pressemann der Ostzone und der frühen DDR, bevor er aus der SED ausgestoßen und in die Provinz verbannt wurde. Aus einer bürgerlichen jüdischen Familie im oberschlesischen Industrierevier stammend, hatte er den aufziehenden Faschismus früh erkannt und beschlossen, nicht zu fliehen, sondern gegen ihn zu kämpfen. Er wurde Kommunist, verzichtete auf eine persönliche Karriere und ließ sich stattdessen von seiner Partei dort einsetzen, wo er gebraucht wurde. Der Bogen seines Lebens wie auch seiner Schriften führt von Berlin über Prag und Warschau nach Moskau und wieder zurück nach Berlin, wo er im Mai 1945 mit der Roten Armee eintrifft und die ersten Zeitungen Berlins mit aufbaut, dann die Presse der Ostzone. In der frühen DDR wird er die Parteizeitung leiten, ihre Propaganda offensiv vertreten, aber seine Position auch immer nutzen, um Neues in Gang zu bringen. Er wird der Erste sein, der öffentlich nach mehr Demokratie ruft und einen achtungsvollen Umgang mit den Menschen fordert. 1953 wird er als“Feind der Partei“aus der SED ausgeschlossen und seitdem totgeschwiegen. Das Buch belegt die Spannweite dieses Lebens – vom Warschau der Vorkriegszeit bis zum Trümmerbild von Berlin, von Moskau im Krieg bis zum Aufbau der Stalinallee. Irina Liebmann entdeckt ihren Vater als Akteur der Zeitgeschichte, geprägt von Faschismus und Krieg und der Hingabe für die Sache des Kommunismus, die tragisch endete.

Karten in der Literaturhandlung (Tel. 089-280 01 35) und im Literaturhaus (Tel. 089-29 19 34-27).
Veranstalter: Literaturhandlung, Stiftung Literaturhaus, Eintritt: Euro 8.-

Ulrich Peltzer erhält Berliner Literaturpreis 2008

Der Schriftsteller Ulrich Peltzer erhält den Berliner Literaturpreis 2008.

Ulrich Peltzer, geboren am 9. Dezember 1956 in Krefeld, zog 1975 nach Berlin, wo er bis 1982 Philosophie und Sozialpsychologie studierte und den Titel eines Diplom-Psychologen erwarb. Er ist seitdem als freier Schriftsteller tätig und hat bisher fünf Bücher veröffentlicht. Von diesen verarbeiten vier Berliner und eines New Yorker Erfahrungen. Charakteristisch für Peltzers Großstadtromane ist der Verzicht des Autors auf eine herkömmliche realistische Schilderung der Außenwelt. Im Zentrum steht stattdessen die Wiedergabe von Bewusstseinsvorgängen der Protagonisten.

Ulrich Peltzer erhielt u.a. folgende Auszeichnungen: 1992 das Bertelsmann-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, 1996 den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung, 1997 den Anna-Seghers-Preis, 2000 den Preis der SWR-Bestenliste, 2001 den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld sowie 2003 den Bremer Literaturpreis.

Der Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung ist mit 30 000 Euro dotiert. Mit der Ehrung ist die Berufung der Freien Universität Berlin auf die „Heiner-Müller-Professur für deutschsprachige Poetik“ zum Sommersemester verbunden. Von Ulrich Peltzer erschien zuletzt der Berlin-Roman Teil der Lösung.

Teil der LösungKurzbeschreibung
Überwachungskameras am Potsdamer Platz, globalisierte Markenwelten und limitierte Bewegungsfreiheit: an Vorzeichen, die jedes politische Handeln notwendig und zugleich illusionär erscheinen lassen, mangelt es nirgends. Christians Themen werden zunehmend politisch. Als freier Journalist schlägt er sich mit journalistischen Gelegenheitsaufträgen durch, ist Teil eines akademischen Proletariats, wie es in Berlin ganze Stadtviertel besiedelt. Selbst Mitte dreißig, hat er die Zeit des bewaffneten Widerstands gegen die Staatsmacht nur noch als Echo miterlebt. Vielleicht sucht er gerade deshalb für eine längst fällige Story Kontakt zu untergetauchten Ehemaligen der Roten Brigaden. In Paris soll ein wichtiger Informant anzutreffen und bereit zum Reden sein. Zunächst aber trifft Christian auf Nele bzw. sie trifft ihn, mit dem Ellenbogen ins Kreuz in der Tür eines Klubs. Von einer geheimnisvollen Wut getrieben, bewegt sich die hochbegabte Studentin durch den Jahrhundertsommer 2003. Was mit ein paar ruppigen Zufallsbegegnungen eher harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer heftigen und verqueren Anziehung, deren Ausganzpunkt im neuen Berlin liegt und die ihren Show-down in den Arabervierteln von Paris erlebt. Teil der Lösung ist ein hochaktueller Roman, der in einem rasanten Ineinander von einzelnen Szenen abbildet, wie bruchstückhaft und vielfältig Wirklichkeit ist. Kontrollierter Raum und spielerische Störmanöver, Decknamen und Spitzel, geheime Treffen und präzise Attentate auf den Alltag: Subtil verbindet Ulrich Peltzer eine störrische Liebesgeschichte mit der Beobachtung neuer politischer Bewegungen in einer Grammatik der Überwachung. Eine atemraubende Verschwörungsgeschichte von unmittelbarer erzählerischer Kraft.