„We tell Stories“ – Penguin-Verlag beauftragt erstes interaktives Literaturprojekt

Sechs Autoren haben sich durch Klassiker von Hans Christian Andersen über Charles Dickens zu Èmile Zola gemeinsam mit Alternate Reality-Designern inspirieren lassen und sechs Kurzgeschichten erarbeitet, die den Leser mittels Spielen und Web-Tools einbinden.

Die erste Geschichte, „The 21 Steps“ beginnt mit dem Satz: „Ich war der falsche Mann am falschen Ort zur falschen Zeit“ – und einem Mord in St. Pancras Station, sie basiert auf John Buchans Spionagethriller „Die 39 Stufen“. In der Kurzgeschichte des schottischen Thriller-Autors Charles Cumming rast der Leser durch die British Library und die National Gallery bis hinauf nach Edinburgh und kann den Fortgang der Handlung im Internet via Google Earth mitverfolgen. Die einzelnen Stationen sind auf einer Satellitenkarte markiert, kleine Sprechblasen liefern die Geschichte.

„Wir sind natürlich nicht das erste Verlagshaus, das die Möglichkeiten, die das Web bietet, literarisch zu nutzen versucht“, gibt Jeremy Ettinghausen zu, der beim Penguin-Verlag für Digital Publishing zuständig ist. „Aber eine solche Verzahnung der Arbeit bekannter Schriftsteller mit online-spezifischen Vermittlungsformen hat es meines Wissens noch nicht gegeben.“ Mit „We tell Stories“ startet der Verlag sein zweites aufwendiges Internet-Experiment, nachdem im vergangen Jahr „A Million Penguins“ erschien, der als „Wiki-Roman“ entsprechend des Wikipedia-Prinzips von jedem Leser bearbeitet werden konnte.

Mit dem neuen Projekt will Penguin die „Gaming Community“ erreichen. Bisher haben rund 50 000 Einzelnutzer auf die Seite zugegriffen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Die Deutschen – das „Volk der Dichter und Denker“ von Edward Bulwer-Lytton

Edward George Bulwer-Lytton stellte seinem Roman Ernest Maltravers von 1837 folgende Widmung voran:

TO THE GREAT GERMAN PEOPLE,
A race of thinkers and of critics;
A foreign but familiar audience,
Profound in judgment, candid in reproof, generous in appreciation,
This work is dedicated
By an English Author.

Und seitdem sind wir in freier Anlehnung an diese Widmung das †œVolk der Dichter und Denker†…

Als aufklärerischer Idealist war Bulwer der deutschen Tradition verbunden. Seine Kenntnis der Werke Schillers und Goethes ist zwar nichts Außergewöhnliches, da eine Vertrautheit mit der deutschen Klassik und Romantik unter den Gebildeten Großbritanniens etwa seit den 1820er Jahren als selbstverständlich galt. Auch mit seiner Empfänglichkeit für Goethe_Schillerden deutschen „Idealismus“ als Gegenkraft zum daheim herrschenden „Materialismus“und „Philistertum“ erscheint Bulwer als Glied einer Kette, nämlich als wichtiger Repräsentant der von Thomas Carlyle bis Matthew Arnold reichenden Kulturkritik Englands. Jedoch sein Verhältnis zu Schillers Reflexivität sticht hervor: 1844 erscheint seine Übersetzung der Lyrik Schillers, „The Poems and Ballads of Schiller“, eingeleitet durch eine Lebensskizze: „A Brief Sketch of Schiller’s Life“, die trotz der angekündigten Kürze über hundert Seiten umfasst. Ganz und gar jenseits der Toleranzgrenze seiner germanophilen Landsleute lag Bulwer jedoch, indem er zur Schau stellte, was Trodd „[his] daring flirtation with a new morality“ nennt: ein Wagnis, das ohne den Rückhalt in Goethes Immoralismus (beim britischen Lesepublikum noch verpönt) undenkbar wäre. „Faustisch“ ist das Benehmen des Verbrecher-Helden Eugene Aram (er wurde des Mordes überführt und gehängt) im gleichnamigen Roman von 1832. Der überführte Mörder rechtfertigt das Motiv seiner Tat als Drang nach unbedingtem Wissen. 1838 teilt Bulwer seinem Freund John Forster mit, wie sehr er die Finesse von Goethes „Wahlverwandtschaften“ goutiere und wie unfähig das britische Lesepublikum zu solcher Lektüre sei.

Quelle: Editionsprojekt Karl Gutzkow

Jürgen-Bansemer-und-Ute-Nyssen-Dramatikerpreis geht an Juli Zeh

Der neu geschaffene Jürgen-Bansemer-und-Uter-Nyssen-Dramatikerpreis wird in diesem Jahr erstmalig an Juli Zeh verliehen. Die Schriftstellerin erhält die Auszeichnung für ihr Theaterstück „Corpus delicti, das im vergangenen Jahr bei der RuhrTriennale uraufgeführt wurde. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis soll alljährlich vergeben werden und zur weiteren Professionalisierung bereits gespielter deutschsprachiger Bühnenautoren sowie zur Förderung fremdsprachiger Dramatiker in deutscher Übersetzung beitragen.

Die Verleihung findet am 08. Mai im Schauspiel Köln statt.

Jury der KrimiWelt-Bestenliste kürt die zehn besten Krimis aus 2007

Platz 1 : Driver von James Sallis
Platz 2 : Der Grenzgänger von Matti Rönkä
Platz 3 : Die dritte Jungfrau von Fred Vargas
Platz 4 : Kalter August von Peter Temple
Platz 5 : Die feine Nase der Lilli Steinbeck von Heinrich Steinbeck
Platz 6 : Feuertod von Astrid Paprotta
Platz 7 : Arrivederci amore, ciao von Massimo Carlotto
Platz 8 : Schrei nicht so laut von John Harvey
Platz 9 : Im Namen der Toten von Ian Rankin
Platz 10 : Kalteis von Andrea Maria Schenkel

Scientology umwirbt massiv die Münchner Jugend

Der Verfassungsschutz spricht von Expansionsstrategie, der Kreisjugendring beobachtet starke Aktivitäten –

München ist inzwischen Zentrum der Organisation

Die Expansionsstrategie der Scientology-Organisation zielt immer mehr auf Kinder- und Jugendliche ab: Nach Versuchen, in der Schülerhilfe Fuß zu fassen, und dem Aufbau einer inzwischen verbotenen Kindertagesstätte umwerben Scientologen nun Jugendverbände. Zuletzt lud eine Scientology-Initiative zum Tag „Jugend für Menschenrechte“ ein. Der Verfassungsschutz und der Sektenbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Wolfgang Behnk, warnen vor dem subtilen Methoden der „Psycho-Organisation“.

Quelle: Süddeutsche Zeitung