Scientology umwirbt massiv die Münchner Jugend

Der Verfassungsschutz spricht von Expansionsstrategie, der Kreisjugendring beobachtet starke Aktivitäten –

München ist inzwischen Zentrum der Organisation

Die Expansionsstrategie der Scientology-Organisation zielt immer mehr auf Kinder- und Jugendliche ab: Nach Versuchen, in der Schülerhilfe Fuß zu fassen, und dem Aufbau einer inzwischen verbotenen Kindertagesstätte umwerben Scientologen nun Jugendverbände. Zuletzt lud eine Scientology-Initiative zum Tag „Jugend für Menschenrechte“ ein. Der Verfassungsschutz und der Sektenbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Wolfgang Behnk, warnen vor dem subtilen Methoden der „Psycho-Organisation“.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Die letzten Tage von Pompeji von Edward Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton

Vorrede aus Die letzten Tage von Pompeji von Edward Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton,
entnommen einer Ausgabe von 1859, die einer früheren Übersetzung von Friedrich Notter von 1836 folgt.

In diesem Werk der Weltliteratur gibt Edward Bulwer-Lytton in seiner „Vorrede“ dem Leser einige aufschlussreiche Einblicke in die Thematik und seine Herangehensweise. Die zitierten Passagen stammen aus einer zeitgenössische Originalausgabe.

EdwardBulwerSo sind denn die Personen natürliche Geschöpfe der Zeit und des Ortes; eben so sehr dürften die Begebenheiten zu der damals bestehenden Gesellschaft stimmen; denn nicht nur die gemeinen Gewohnheiten des Lebens, Feste und Forum, Bäder und Theater, die längst bekannten Thatsachen vom Luxus der Alten sind es, um deren Anschauung willen wir die Vergangenheit zurückrufen; gleich wichtig und von höherem Interesse sind die Leidenschaften, die Verbrechen, die Schmerzen, die Unglücksfälle, welche die Schatten, die wir also ins Leben beschwören, bewegt haben mochten. Wir verstehen eine Weltepoche nur schlecht, wenn wir nicht auch ihr Gemüth unserer Forschung unterwerfen; †“ in der Poesie des Lebens liegt so viel Wahrheit, als in ihrer Prosa. […]

[…] Die erste Kunst des Dichters (des Schöpfers) ist es, seinen Geschöpfen den Lebensodem einzuhauchen, †“ die zweite: ihre Worte und Handlungen der Zeit, in welcher sie sprechen und handeln sollen anzupassen. Letztere Kunst wird vielleicht besser in Anwendung gebracht, wenn man die Kunst selbst dem Leser nicht beständig vor Augen führt, nicht jedes Blatt mit Citationen, jeden Rand mit Noten anfüllt. Fortwährende Hinweisungen auf gelehrte Autoritäten haben bei Werken der Einbildungskraft eben sowohl etwas Ermüdendes als etwas Anmaßendes. Sie erscheinen wie Lobsprüche, die sich der Verfasser auf seine eigene Genauigkeit und Gelehrsamkeit macht, sie helfen nicht seine Ideen in ein helleres Licht zu setzen, sondern paradiren mit seiner Crudition. […]

Edward George Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton, geboren am 25. Mai 1803 in London, gestorben am 18. Januar 1873 in Torquay, war einer der erfolgreichsten englischen Romanautoren des 19. Jahrhunderts.

Bekannt ist Bulwer-Lytton hauptsächlich für seinen Roman Die letzten Tage von Pompeji. Darüber hinaus kennt man auch sein Spätwerk The Coming Race. In diesem beschreibt er eine unterirdisch lebende Gesellschaft, die eine geheime Kraft beherrscht. Dieser Mythos lebte später in der (fiktiven) Vril-Gesellschaft fort und wurde nationalistisch bis rassistisch entfremdet. Der Roman gilt heute als eine der ersten Science Fiction Geschichten.

Mit okkulten Inhalten sind noch andere Werke versehen, so sein Roman Zanoni, in dem es um die Geschichte eines erhabenen Rosenkreuzers geht. 1867 wird er selbst sogar Mitglied der Societas Rosicruciana in Anglia, nachdem er bereits 1854 zusammen mit seinem freimaurerischen Freund Kenneth R.H. Mackenzie in London Eliphas Lévi begegnet war.

Bulwer-Lytton hatte auch eine beachtliche politische Karriere vorzuweisen. Er war lange Jahre Mitglied des britischen Unterhauses, zunächst für die Liberalen (1831†“41) und später für die Konservativen (1852†“1866); außerdem war er 1858 unter Lord Derby †“ wenngleich nur recht kurz †“ Kolonialminister.

Nachden ihm 1838 bereits die Würde eines Baronets (of Knebworth) verliehen worden war, wurde er 1866 als Baron Lytton zum Peer ernannt. Im Jahre 1843, als er Knebworth House geerbt hatte, fügte er seinem Nachnamen „Bulwer†œ entsprechend dem letzten Willen seiner Mutter den Namen „Lytton†œ hinzu.

Seine Frau Rosina Bulwer-Lytton, von der er allerdings seit 1836 getrennt lebte, war ebenfalls Romanschriftstellerin, sein Sohn Robert Bulwer-Lytton wurde Vizekönig von Indien und erhielt dafür eine Earlswürde verliehen.

Im 20. Jahrhundert gelangte Bulwer-Lytton zu ganz neuer und unerwarteter Popularität durch den nach ihn benannten „Bulwer-Lytton fiction contest†œ der San Jose State University. In diesem Wettbewerb geht es in verschiedensten Kategorien darum, den schlechtesten möglichen Anfangssatz eines (fiktiven) Romans zu schreiben. Grund dafür, dass ausgerechnet Bulwer-Lytton als Namenspatron für diesen wenig ehrenhaften Wettbewerb herhalten musste, ist sein berühmt gewordener Anfangssatz zu seinem Roman Paul Clifford: „It was a dark and stormy night …†œ. Dieser Satz inspirierte selbst Peanuts-Hund Snoopy zu schriftstellerischen Meisterleistungen.

In Radioessays, mit der Übersetzung zweier Werke ins Deutsche und durch die aufnehmende Verarbeitung in eigenen Prosawerken unterstrich Arno Schmidt in den letzten Jahren seines Schaffens die Bedeutung von Bulwer-Lytton.

Richard Wagner schrieb seine Oper Rienzi nach dem gleichnamigen Roman Edward Bulwer-Lyttons.

Die letzten Tage von Pompeji

Die letzten Tage von Pompeji (engl. The Last Days of Pompeii) ist ein Roman von Edward Bulwer-Lytton aus dem Jahre 1834.

PompejiErzählt wird die Geschichte des jungen, reichen Griechen Glaucus und seiner Geliebten Jone, die um 75 n. Chr. in Pompeji leben. Glaucus, der das Leben eines verwöhnten Adligen führt und seine Tage in der Gesellschaft nichtsnutziger, neureicher Tagediebe wie etwa des Patriziers Clodius und des Freigelassenen Diomed verbringt, ändert seine Lebensweise abrupt, als er der Jone begegnet. Diese ist, wie auch ihr Bruder Apäcides, ein Mündel des ägyptischen Zauberpriesters Arbaces, der sie begehrt. Apäcides, von Arbaces in der ägyptischen Religion unterwiesen, ist enttäuscht von dem technischen Mummenschanz, mit dem Arbaces die Gläubigen beeindruckt, und wendet sich dem Christentum zu.

Glaucus und Jone treffen sich und sind auf den ersten Blick verliebt, doch ihrer Liebe stehen einige Hindernisse entgegen. Die reiche Julia etwa will Glaucus für sich gewinnen und bestellt darum bei Arbaces einen Liebestrank. Dieser jedoch will Glaucus als einen Nebenbuhler loswerden und lässt ihr darum ein Gebräu zukommen, das seinen Konsumenten für einige Zeit wahnsinnig werden lässt. In Glaucus verliebt ist auch Nydia, ein blindes Sklavenmädchen, das er von ihren brutalen Besitzern kauft (nicht freilässt), aber nicht behält, sondern Jone schenkt. An Julia verliehen, wird sie zur Botin des Wahnsinnstranks und hofft, der „Liebestrank†œ werde Glaucus für sie, nicht für Julia, entflammen.

Während Glaucus das Gebräu zu sich nimmt, trifft Apäcides auf seinen ehemaligen Lehrmeister Arbaces und droht ihm, dessen Religion als bloße Trickserei zu entlarven. Hieraufhin tötet Arbaces ihn und stellt den zufällig in Wirrnis vorbeistolpernden Glaucus als Täter hin, der daraufhin zum Tod in der Arena verurteilt wird. Einziger Zeuge des Verbrechens ist der Priester Kallistos. Als dieser an Arbaces herantritt, um ihn zu erpressen, sperrt ihn der in seine Schatzkammer ein, um ihn dort verhungern zu lassen. Es gelingt jedoch Nydia, die wegen ihres Wissens um den Trank ebenfalls in Arbaces´ Haus gefangensitzt, eine Botschaft an Glaucus´ Freund Sallust zu senden, woraufhin dieser beide befreit.

Glaucus und ein christlicher Priester (der ihn von der Richtigkeit seiner Lehre überzeugt), werden in die Arena geführt, als Sallust mit Kallistos und Nydia als Zeugen auftaucht und den ebenfalls anwesenden Arbaces anklagt. In diesem Moment bricht der Vesuv aus, und Arbaces nutzt den entstehenden Tumult, um zu entkommen. Nydia führt Glaucus, Jone und Sallust durch das Chaos der Straßen, auf die der Ascheregen niederfällt, zum Hafen, von wo sie entkommen, während Arbaces, Clodius und der Priester wie tausende anderer den Tod finden. Im Wissen, dass Glaucus ihr niemals Liebe, sondern nur Zuneigung entgegenbringen wird, ertränkt Nydia sich. Glaucus und Jone entkommen nach Athen, Glaucus´ Heimat, wo er ebenfalls zum Christentum konvertiert, wie er Sallust nach Rom schreibt.

Don Farrago am 22. März, 2008

Münchner Ostermarsch für den Weltfrieden

dove_mucWer an Ostern ein Zeichen für den Weltfrieden setzen will, kann am Ostersamstag, den 22. März, am traditionellen Ostermarsch teilnehmen. Dieser wird wie immer vom Münchner Friedensbündnis organisiert. Das Motto lautet in diesem Jahr:

„Völkerrecht statt Faustrecht!“

peaceLos geht es um 11 Uhr am Orleansplatz mit Richard Forward vom Munich American Peace Committee. Der Demonstrationszug bewegt sich dann zum Marienplatz, wo sich ab etwa 12.30 Uhr alle Teilnehmer zur Kundgebung mit Infomarkt und Musik sammeln. Als Redner treten unter anderem Paul Kleiser vom Sozialforum München, Walter Listl vom Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus sowie Rechtsanwältin Angelika Lex auf.

Die Truderinger Frauen für Frieden und Abrüstung werden einen Sketch aufführen. Vor dem Abmarsch findet um 9.45 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst in Sankt Johannes am Preysingplatz statt.

Jesus Christ Superstar im Prinzregententheater – ein Stimmungsbericht

Wenn man Karten für eine Veranstaltung im Prinzregententheater in München hat, eignet sich das von Alfons Schuhbeck betriebene Café und Restaurant Prinzipal besonders gut als Treffpunkt. Vom Prinzipal gelangt man durch den Gartensaal des Theaters direkt ins Foyer. Wir trafen uns also am Montagabend zu viert im Restaurant, aßen gemeinsam, der Ober bot an unsere Jacken und Mäntel im Restaurant zu belassen, und so nahmen wir dann kurz vor acht Uhr unsere Plätze in der 10. Reihe ein.

Das Theater war voll besetzt, einige Akteure beschäftigten sich mit Dehnübungen auf der Bühne. Um Punkt acht eröffnete die Michael-Fuchs-Band und das Orchester der Staatsoperette Dresden mit der Overture zu Jesus Christ Superstar die Rockoper. Nun muss ich erwähnen, dass ich als Fan des Originals von Andrew Lloyd Webber mit den Texten von Tim Rice jedes der 22 Stücke in-und auswendig kenne. Meine Begleiter entgegen waren ziemlich unvoreingenommen. Heimlich mitsingen konnte ich also aufgrund der deutschen Texte von Anja Hauptmann nicht. Nun gut, die Musik war authentisch, die Band spielte während der ganzen Vorstellung auf einem Podest im Hintergrund der Bühne absolut genial!

Das Bühnenbild von Katja Schröder war in Grau gehalten, vereinzelte graue Quader und Platten in unterschiedlichen Größen, teilweise aufeinander gebaut, symbolisierten durchaus passend die Handlungsorte und dienten den Darstellern als Plattformen.

Verführerisch, in einem schwarzen Netz-Shirt, und stimmgewaltig agierte Matthias Pagani als Judas in seiner Rolle. Leider hatte er mit technischen Problemen zu kämpfen, sein Mikrophon funktionierte nicht immer, in seinem letzten Solo fiel es stellenweise ganz aus. Mit Dirk Zöller als Jesus und Superstar hatte ich so meine Probleme. Mir fehlte an ihm vielleicht die Ernsthaftigkeit und Überzeugung mit der Ian Gillan die Rolle verkörpert. Im Gegensatz zu Yvonne Elliman, die im Original sehr sanft und einfühlsam singt, kam die Stimme von Judith C. Jakobs als Maria Magdalena kräftiger, aber durchaus gut, rüber.

Die Gruppe der Anhänger von Jesus spielten, im Kontrast zum in Grau gekleideten Volk, im bunten Hippie-Outfit. Der ständige Wechsel der Dramaturgie und Handlungsabfolge zur Musik verschiedenster Stile wie Rock, Jazz, Elemente des Gospel und Schlager erzeugten einen kurzweiligen unterhaltsamen Abend und machen bis heute den besonderen Reiz der Rockoper aus.

Ballett, Chor, Girls-Choir, Statisterie und Mitglieder des Orchesters der Staatsoperette Dresden gastieren noch bin zum 22. März im Prinzregententheater. Die Vorstellung dauert 1 Stunde und 45 Minuten, ohne Pause. Die Karten kosten zwischen 33 und 78 Euro. Ich finde es lohnt sich!

Münchner Literaturbüro hat das Literaturblatt neu aufgelegt

Ende 2005 wurde das „alte“ Literaturblatt des Kulturreferats eingestellt. Es gab Protestveranstaltungen, Pressekommentare und viele Schreiben, aber alle Rettungsversuche nützten nichts, eine Lücke wurde aufgerissen und viele Veranstalter registrierten einen Besucherschwund. Der von der Stadt angepriesene Online-Kalender konnte das Literaturblatt, das kostenlos in Buchhandlungen und Kultur-Institutionen ausgelegen und einen Überblick über die Literaturszene der Stadt geboten hatte, nicht ersetzen.

Stein Vaaler ist möglicherweise zusammen mit seinen Kollegen vom Münchner Literaturbüro Retter des „Literaturblattes“, denn seit diesem Monat gibt es ein neues Literaturblatt, die „Literaturseiten München“. In einer Auflage von 10 000 Stück wird es von freiwilligen Helfern an 100 Stellen in der Stadt ausgelegt. Die Redaktion des beidseitig bedruckten DIN-A3 Blatts und der noch ausführlicheren Internet-Ausgabe (www.literaturseiten-muenchen.de) besteht aus sechs bis sieben Leuten.

Wenn sich weitere Anzeigenkunden oder gar ein Sponsor finden, möchte man auf vier Seiten erweitern. Eine unschätzbare Unterstützung wäre sicher auch der Zuschuss der Stadt, auf den Vaaler hofft. Das Kulturreferat steht der Initiative „wohlwollend“ gegenüber, möchte aber zunächst „prüfen, in welcher Form Unterstützung möglich ist“.