„Jede neue Arbeit trägt ihr Risiko in sich selbst“
Julia Franck war einer der Stars der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Für ihren Roman „Die Mittagsfrau“ erhielt die Berliner Schriftstellerin den Deutschen Buchpreis 2007. Im Interview spricht sie über die Bedeutung des Preises und seine Auswirkungen auf ihre Arbeit.
Frankfurter Buchmesse: Frau Franck, Sie wurden in den 90er Jahren in die Kategorie „Literarisches Fräuleinwunder“ eingereiht. Ist der Deutsche Buchpreis, den Sie nun zehn Jahre nach ihrem Debütroman erhalten haben, eine Art Ritterschlag für Sie?
Julia Franck: Die Kategorie „Literarisches Fräuleinwunder“ zielt auf sexuelle Kriterien ab und nicht auf literarisch ästhetische. Ich fühle mich heute so sehr als Ritter wie damals als Fräulein.
Was bedeutet Ihnen der Preis ganz persönlich?
Er ermöglicht mir für zwei, drei Jahre Arbeiten in Ruhe. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, wie wenige Schriftsteller überhaupt von ihrer Arbeit leben können und dass es keinerlei Absicherung gibt, weder im Krankheitsfall noch für eine Arbeitslosigkeit. Natürlich bedeutet der Preis auch eine große Ehre, deren Bedeutung jedoch noch abzuwarten bleibt. Viele Leser machen ein Buch lebendig, das ist schön. Zugleich stimmt ein erfolgreiches Buch jeden kritischen Leser misstrauisch, zumindest in Deutschland. Weiterlesen
Um das Jahr 1800, in jenen Zeiten, als es noch keine Eisenbahnen gab, keine Chausseen, keine Gasbeleuchtung, keine Stearinkerzen, keine niedrigen Sofas mit Sprungfedern, keine unlackierten Möbel, keine blasierten Jünglinge mit Monokel, keine freidenkerischen weiblichen Philosophen, keine holden Kameliendamen, an denen unsere Zeit so reich ist – in jenen naiven Zeiten, als man im Reisewagen oder in einer Kutsche von Moskau nach Petersburg reiste und eine Unmasse häuslicher Küchenerzeugnisse mitnahm, volle acht Tage auf weichen, staubigen oder morastigen Landstraßen unterwegs war und auf Koteletts Posharski, waldaische Glöckchen und Kringel schwor, da an langen Herbstabenden die Talglichter herunterbrannten und Familienkreise von zwanzig, dreißig Menschen beleuchteten, als bei Bällen Wachs- und Walratkerzen auf die Armleuchter gesteckt wurden, als man die Möbel symmetrisch aufstellte, als unsere Väter noch jung waren, nicht allein durch das Fehlen von Runzeln und grauen Haaren, und sich um der Frauen Willen schossen und diensteifrig vom anderen Zimmerende herbeistürzten, um zufällig oder nicht zufällig fallengelassene Taschentücher aufzuheben, als unsere Mütter kurze Taillen und gewaltige Ärmel trugen und Familienangelegenheiten durch das Ziehen von Loszettelchen entschieden, als die verführerischen Kameliendamen sich vor dem Tageslicht versteckten – in den naiven Zeiten der Freimaurerlogen, der Martinisten, des Tugendbundes, in den Zeiten von Männern wie Miloradowitsch, Dawydow, Puschkin – fand in der Gouvernementsstadt K. nach Beendigung der Adelswahlen eine Versammlung von Gutsbesitzern statt.
Da Gudrun von den
Also gibt es etwas mit Vanille!