Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 48

Platz 1 : Harry Potter und die Heiligtümer des Todes von Joanne K. Rowling
Platz 2 : Die Mittagsfrau von Julia Franck
Platz 3 : Tintentod von Cornelia Funke
Platz 4 : Die Frau im Mond von Milena Agus
Platz 5 : Tannöd von Andrea Maria Schenkel
Platz 6 : Rhett von Donald McCaig
Platz 7 : Tintenherz von Cornelia Funke
Platz 8 : Millionär Tommy Jaud
Platz 9 : Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini
Platz 10: Die italienischen Schuhe von Hennig Mankell

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 48

Platz 1 : Die Chemie des Todes von Simon Beckett
Platz 2 : Drachenläufer von Khaled Hosseini
Platz 3 : Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda
Platz 4 : Höhenrausch von Ildikó von Kürthy
Platz 5 : Tanz, Püppchen, tanz von Joy Fielding
Platz 6 : Glennkill von Leonie Swann
Platz 7 : Blutige Steine von Donna Leon
Platz 8 : Die Spur der Hebamme von Sabine Ebert
Platz 9 : Diabolus von Dan Brown
Platz 10 : Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon

Der schönste erste Satz von Leo Tolstoi

Es war in einem Winter in den siebziger Jahren, einen Tag nach St. Nikolaus.

Herr und KnechtHerr und Knecht von Leo Tolstoi

Wir alle haben Schwächen und wir alle haben auch unsere Masken, hinter denen wir unser wahres Ich zu verbergen suchen, wenn es die Situation verlangt. Die Art dieser Schwächen und Masken hängt auch mit unserer Biographie zusammen: Wer sind wir? Wie ist unser sozialer Status, unser Umfeld? Was tun wir? Wer sind und was tun unsere Vertrauten, Freunde und Bekannten? Wie und wann können wir unsere Schwächen und Masken aber überwinden und ablegen, wenn sie uns unser ganzes Leben begleitet und wenn sie so eng mit unserer Biographie verknüpft sind? Die Antwort: Wenn wir in höchster Not sind, wenn wir wissen, das unser Leben sehr bald enden wird und wenn wir aus diesem Grund über uns und unser bisheriges Schaffen nachdenken.

Und genau einer solchen Extremsituation setzt Lew Nikolajewitsch (1828-1910) – kurz: Leo Tolstoi – in seiner Erzählung „Herr und Knecht“ den Kaufmann Wassilij Andrejitsch Brechunow geraten. Brechunow lebt für seine Geschäfte, denkt pausenlos darüber nach, wie er sein Vermögen vermehren kann und nutzt seine Machtposition gegenüber Bediensteten, Kunden und Geschäftspartnern scham- und skrupellos aus. Dabei glaubt er aber selbst immer noch, er wäre gerecht und würde seine Mitmenschen fair behandeln. Sein armer Knecht Nikita sieht das natürlich ganz anders. So wundert es auch niemanden, dass Brechunow den Schlitten anspannen lässt, um Nachts einen Wald zu kaufen, obwohl es stark schneit und die Temperaturen weit unter Null liegen. Geschäft ist schließlich Geschäft. Und die einmalige Möglichkeit, diesen Wald für ein Schnäppchen zu erwerben, kann Brechunow sich nicht entgehen lassen. Es kommt wie es kommen muss: Die Markierungen am Wegesrand sind eingeschneit und sehr bald haben sich Brechunow und Nikita verfahren, wissen nicht mehr wo sie sind. Und das bei eisigen Temperaturen, die diese Geschäftsreise bald zu einer Fahrt auf Leben und Tod werden lassen…

Die Situation in Tolstois gerade einmal 71 Seiten umfassenden Erzählung ist denkbar einfach und trotzdem bis ins kleinste Detail durchdacht und sehr gut ausgearbeitet: Mit dem geldgierigen und skrupellosen Geschäftsmann Brechunow und dem stillen, folgsamen Knecht Nikita können die Hauptpersonen kaum unterschiedlicher sein. Weitere Personen gibt es kaum und wenn, tauchen sie lediglich am Rande auf. Die Tatsache der begrenzten Anzahl von Figuren (in Romanen von Dostojewski beispielsweise tauchen bekanntlich so viele Charaktere auf, dass man sie sehr bald kaum noch auseinander halten kann) sowie Tolstois leicht verständliche Sprache, ermöglichen auch ein flüssiges und entspanntes lesen.Der Fokus bei „Herr und Knecht“ liegt ganz klar auf Brechunow und Nikita und gezeigt werden soll Brechunows Wandlung vom skrupellosen, scheinbar allmächtigen Geschäftsmann zu einem fürsorglichen, ängstlichen Menschen, der in größter Not erkennt, wie weit er sich von der Welt entfernt hat. Und nicht zu vergessen: Es geht auch um Nächstenliebe – ein Motiv, das in Tolstois Spätwerk, wozu „Herr und Knecht“ (erschienen: 1895) zählt, immer wichtiger wurde.

Beschreibungen des Herr-Knecht-Verhältnisses sind allerdings nichts Neues und tauchen nicht nur bei Hegel und Marx auf. Tolstoi beschränkt sich in seiner Erzählung zwar stark auf den Aspekt der Nächstenliebe, den Brechunow erst kennen lernen muss, trotzdem wird auch deutlich, dass der Knecht irgendwann von seinem Herrn, der bisher immer die Macht hatte, eben diese übernimmt und selbst zum Denker und Lenker wird, während der Herr sich ganz auf seinen Knecht verlässt. Deutlich wird das vor allem, als Brechunow Nikita – durchaus symbolisch – die Zügel für das Pferd gibt und seinen Knecht schalten und walten lässt.

Don Farrago am 25. November, 2007 00:50

Günter Grass klagt gegen Michael Jürgs und gegen SS-Vorwurf

„Meiner Darstellung in meinem Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ liegen folgende, von mir klar erinnerte Fakten zugrunde: Ich habe mich als 15-Jähriger in Gotenhafen freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, und zwar zum Dienst bei der U-Boot-Waffe, ersatzweise zur Panzerwaffe. Mit einer Meldung zur Waffen-SS hatte das weder direkt noch indirekt irgendetwas zu tun. Die Einberufung zur Waffen-SS erfolgte ohne mein aktives Zutun erst im Zuge der Zustellung des Einberufungsbefehls im Herbst 1944,“ versichert Grass laut Anwalt Hertin an Eides statt.

In der von Michael Jürgs verfassten Autobiographie  ist auf Seite 113 nachzulesen, dass Grass sich freiwillig zur U-Boot-Waffe oder zu den Panzern gemeldet hatte. Da er außergewöhnlich gut über Militärisches informiert war, hätte er „wissen müssen, dass die Tiger vorrangig den schweren Panzerabteilungen der Waffen-SS zugeteilt wurden.“

Jetzt hat der Nobelpreisträger beim Landgericht Berlin eine Unterlassungsklage gegen die Passage in der Biographie eingereicht. Das Buch bleibt bis zu einem rechtskräftigen Urteil im Handel.

Der schönste erste Satz von Janina David

Ein Stück HimmelDer Geruch von reifenden Äpfeln und Birnen erfüllt den kleinen Raum.

Ein Stück Himmel von Janina David

Janina David (eigentlich Janina Dawidowicz), geboren am 19. März 1930 in Warschau, ist eine polnisch-britische Schriftstellerin und Übersetzerin.

†œEin Stück Himmel† ist literarisch sicherlich nicht besonders bemerkenswert. Was mich daran aber beeindruckt hat, ist das nahe Beieinander von Albtraum und Normalität aus der Sicht eines Kindes. Statt von †œNormalität† sollte man vielleicht besser noch von der Kraft des Mädchens Janina sprechen, sich im Albtraum Inseln von †œnormaler Kindheit† zu schaffen oder sie da, wo sie sie fand, Kraft daraus zu ziehen.

†œEin Stück Himmel† ist der erste Teil einer dreiteiligen Autobiographie, die mit den Bänden †œEin Stück Erde† und †œEin Stück Fremde† fortgesetzt wurde. Im ersten Band ist die Kindheit im Ghetto bis zur Flucht von dort geschildert, im zweiten die Zeit des Versteckens im Kloster mit falscher Identität und im dritten Band die Jugend nach dem Krieg, als Janina feststellen muß, daß ihre Eltern umgekommen sind. Sie ging dann zunächst zu Angehörigen nach Paris, von dort nach Australien, dann wieder nach Paris und schließlich nach London, wo sie seit 1958 lebt.
Seit 1978 arbeitet sie hauptberuflich als Autorin und Übersetzerin von Kinder- und Jugendbüchern und von Hörspielen u.a. für die BBC.

Anjelka, am 23. November 2007